Coronavirus: Das Neueste aus Europa, den USA und dem Rest der Welt

Coronavirus-Updates.

Willkommen zu diesem Newsfeed. Die Redaktion von EURACTIV Deutschland bietet Ihnen hier eine Auswahl ihrer Artikel sowie Berichte der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters.

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29. Mai 2020

Trump: USA ziehen sich aus Weltgesundheitsorganisation zurück

US-Präsident Donald Trump hat den Rückzug der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angekündigt. Die WHO habe es versäumt, die nötigen und geforderten Reformen umzusetzen, sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag in Washington. Im Streit um den Umgang mit der Corona-Pandemie hatte Trump bereits Mitte Mai mit einem dauerhaften Stopp der US-Beitragszahlungen an die WHO und einem Austritt seines Landes aus der Organisation gedroht.

Er wirft der UN-Unterorganisation seit Wochen „Missmanagement“ in der Corona-Krise sowie Einseitigkeit zugunsten Chinas vor, das als Herkunftsland des neuartigen Virus gilt. Wortwörtlich nannte der US-Präsident die WHO eine „Marionette Chinas“. „Sie ist chinazentriert, um es netter auszudrücken“, sagte Trump in der vergangenen Woche. „Sie hat uns viele schlechte Ratschläge gegeben.“

Zudem hatte er WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus angegriffen. „Es ist klar, dass die wiederholten Fehltritte von Ihnen und Ihrer Organisation bei der Reaktion auf die Pandemie die Welt äußerst teuer zu stehen gekommen sind“, schrieb der US-Präsident im Online-Dienst Twitter.

Die USA waren bislang der größte Beitragszahler der WHO. Die US-Zahlungen an die Organisation belaufen sich laut Trump auf rund 450 Millionen Dollar (412 Millionen Euro) jährlich.

Gewerkschaft: Renault will weltweit 15.000 Stellen abbauen

Renault will in der Corona-Krise nach Angaben einer Gewerkschaft weltweit 15.000 Stellen abbauen.

Der gebeutelte französische Autobauer wolle am Feitag einen Plan zur Umstrukturierung vorstellen, sagte ein Vertreter der CFDT-Gewerkschaft dem TV-Sender BFM am Donnerstag. Allein Frankreich sei mit 4500 Arbeitsplätzen betroffen, die größtenteils über freiwillige Abfindungs- und Rentenprogramme abgebaut werden sollten. 2019 arbeiteten 48.500 Beschäftigte in Frankreich für das Unternehmen. Renault bekommt angesichts der Corona-Krise eine sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen zu spüren. Zudem will der Pkw-Hersteller Kosten senken, um seine Profitabilität zu erhöhen.

Virologe Drosten: Deutschland könnte zweiter Corona-Welle entgehen

Der Virologe Christian Drosten hält es für möglich, dass Deutschland eine zweite Corona-Welle erspart bleibt. „Vielleicht entgehen wir einem zweiten Shutdown“, sagte der Virologe vom Berliner Universitätsklinikum Charité dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ laut einer Meldung vom Freitag.

Die Wissenschaft habe inzwischen ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens. „Jetzt kennen wir das Virus genauer, wir wissen besser, wie es sich verbreitet.“ Dies geschehe über wenige sogenannte Superspreader, also Infizierte, die für viele Ansteckungen verantwortlich sind. „Und ein solches Infektionsgeschehen kann man besser kontrollieren als eine gleichförmige Ausbreitung unterm Radar, wie wir das am Anfang angenommen haben“, sagte Drosten. Es gebe jetzt eine „theoretische Möglichkeit“, dass die Deutschen „ohne zweite Welle durchkommen“.

Wichtig sei nach wie vor, einen möglichen Ausbruch früh zu erkennen und zu stoppen, indem sämtliche Kontaktpersonen in Quarantäne kommen, ohne sie vorher erst langwierig zu testen. Dafür könnte die Zeit der Quarantäne aber deutlich verkürzt werden. Kontaktpersonen müssten künftig nur eine gute Woche in der Isolation verbringen, denn die Inkubationszeit und die Zeit, in der ein Mensch ansteckend sei, sei deutlich kürzer als anfangs gedacht, betonte Drosten.

US-Wirtschaft bricht ein – Zwei Millionen Arbeitslose in einer Woche

In der Coronavirus-Krise steigt die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA nicht mehr ganz so stark.

In der vergangenen Woche stellten 2,12 Millionen Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Seit dem 21. März summierten sich die Anträge nun auf rund 40 Millionen. “Gerade die konsumabhängige US-Wirtschaft leidet unter diesem riesigen Heer von Beschäftigungslosen”, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. “Ein massiver Absturz des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal ist in Stein gemeißelt.” Bereits im ersten Quartal brach die US-Wirtschaft mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,0 Prozent ein – das stärkste Minus seit den Jahren der Finanzkrise 2007-09.

SPD will Kündigungsschutz für Mieter in Corona-Krise verlängern

Die SPD will den in der Corona-Krise geltenden Schutz von Mietern vor Kündigungen bei Zahlungsverzug um drei Monate verlängern. Eine Verlängerung dieser bislang Ende Juni auslaufenden Sonderregelung bis Ende September sei sinnvoll, da sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise „erst mit Zeitverzug voll zeigen“, sagte der SPD-Wohnungsbauexperte Bernhard Daldrup dem Magazin „Focus“ in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

Auch der Präsident des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten, bezeichnete eine Verlängerung des Kündigungsschutzes als „dringend erforderlich“. Die Lage werde „schleichend problematischer“ für die Mieter, sagte Siebenkotten dem „Focus“.

Der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jan-Marco Luczak, warnte hingegen vor einer Verlängerung der Sonderregelung. Dies wäre nach seiner Ansicht das „komplett falsche Signal“. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise müssten so gering wie möglich gehalten werden. Dazu gehöre, dass Vermieter wieder mit ihren Mieteinnahmen rechnen könnten, sagte der CDU-Politiker dem Magazin.

Für den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni gilt, dass Mietern und Pächtern nicht wegen ausgefallener Mietzahlungen aufgrund der Corona-Pandemie gekündigt werden kann. Die Miete bleibt für diesen Zeitraum aber weiterhin fällig, es können auch Verzugszinsen entstehen.

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28. Mai 2020

Frankreich lockert ab Dienstag Corona-Auflagen

Ab Dienstag treten in Frankreich weitere Lockerungen der Corona-Auflagen in Kraft. Dazu gehört die Öffnung vieler Restaurants und Cafés, wie Premierminister Edouard Philippe am Donnerstag in Paris ankündigte. Im Pariser Großraum und im Grenzgebiet zu Deutschland können zudem Parks wieder öffnen.

Das neuartige Coronavirus sei immer noch im ganzen Land präsent, sagte Philippe. Seine Ausbreitung sei aber „unter Kontrolle“. Für die Bürger bedeute dies: „Die Freiheit wird die Regel, die Einschränkung zur Ausnahme.“ Vor allem im Pariser Großraum sei in den kommenden Wochen noch größere Vorsicht geboten.

Die zweite Phase der Lockerungen beginnt nach dem langen Pfingstwochenende. Der Anstieg der Infektionen hatte sich zuletzt verlangsamt. Mit mehr als 28.000 Todesfällen ist Frankreich eines der am stärksten betroffenen Länder in Europa.

Austrian Airlines nehmen Flugbetrieb im Juni wieder auf

Am 15. Juni werden Austrian Airlines (AUA) wieder fliegen, beginnend mit europäischen Destinationen und Tel Aviv. Bis Ende Juni werden 40 Destinationen auf dem Programm stehen. Das wären 5 Prozent des Destinations-Katalogs vor der Corona-Pandemie.

Langstreckenflüge könnten bis Juli wieder aufgenommen werden, schrieb AUA-CCO Andreas Otto in einer Presseaussendung.

Bundestag beschließt Steuerhilfen für Gastronomen in Corona-Krise

Der Bundestag hat sich für eine von Gastronomen in der Corona-Krise dringend geforderte Steuerentlastung ausgesprochen. Er beschloss am Donnerstag die Senkung des Umsatzsteuersatzes für Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent, gültig vom 1. Juli dieses Jahres bis Ende Juni 2021. Das von der Regierungskoalition eingebrachte Corona-Steuerhilfegesetz soll zudem Eltern und Arbeitnehmer in Kurzarbeit stärker als bislang entlasten.

Die Steuersenkung für „Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen“ soll laut Bundesregierung am Ende nicht vornehmlich den Verbrauchern, sondern explizit den Gastronomiebetrieben zugute kommen. Auch Catering-Unternehmen, Supermärkte, Bäckereien und Metzgereien sollen davon profitieren, wenn sie fertige Speisen verkaufen. Die Steuermindereinnahmen des Bundes beziffert die Regierung auf insgesamt gut 2,7 Milliarden Euro.

Arzneimittelkommision warnt vor schneller Zulassung von Remdesivir

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Wolf Dieter Ludwig, hat vor einer schnellen Zulassung des Arzneimittels Remdesivir gegen COVID-19 gewarnt. „Wir wissen noch viel zu wenig über die Nebenwirkungen“, sagte Ludwig nach Angaben vom Donnerstag dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).

Remdesivir habe bisher lediglich gezeigt, dass es die Krankheitsdauer um vier Tage verkürzt. „Aber das Mindeste müsste doch sein, dass die Patienten, die es rechtzeitig bekommen, weniger schwer krank werden“, sagte Ludwig.

Eine US-Studie bestätigte unlängst eine verkürzte Behandlungsdauer von COVID-Patienten durch das antivirale Mittel Remdesivir. Weniger eindeutig war der Einfluss auf die Sterblichkeit. Remdesivir dringt in Viren ein und verhindert deren Vermehrung. In den USA und in Japan erhielt das Medikament eine Sonderzulassung.

Auch die EU-Arzneimittelbehörde EMA könnte das Mittel bald zur Behandlung von Corona-Patienten in Europa vorläufig zulassen. EMA-Chef Guido Rasi erklärte in der vergangenen Woche, dass seine Behörde „in den kommenden Tagen“ eine bedingte Marktzulassung für Remdesivir in Europa erteilen könne. Dem NDR sagte er, der Hersteller von Remdesivir, der Pharmakonzern Gilead, habe bisher aber noch keinen Antrag auf Zulassung eingereicht.

Ludwig kritisierte dieses Vorgehen. „Ich hätte mich gefreut, wenn man noch gezögert und abgewartet hätte, bis man im Sommer erste Ergebnisse aus großen Studien gehabt hätte“, sagte er. „Ich glaube, es ist einfach zu früh für diese Zulassung in Europa.“ In Deutschland können Ärzte das Medikament bisher nur im Rahmen von Studien oder Arzneimittelhärtefallprogrammen verordnen.

Easyjet will wegen Corona-Krise fast ein Drittel seiner Stellen streichen

Die britische Fluggesellschaft Easyjet will als Konsequenz aus der Corona-Krise fast ein Drittel ihrer Stellen streichen. 4500 Jobs sollten wegfallen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in London mit. Vor Easyjet hatten auch schon die Konkurrenten British Airways, Ryanair und Virgin Atlantic massive Stellenstreichungen angekündigt.

Wegen der weltweiten Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie hatte Easyjet seinen Flugbetrieb Ende März ausgesetzt. Ab dem 15. Juni will das Unternehmen aber zumindest eine geringe Zahl an Flügen wieder anbieten.

Maas – Reisewarnung für EU endet nach dem 15. Juni

Deutschland wird seine weltweit geltende Reisewarnung nach dem 15. Juni zumindest für die Europäische Union aufheben.

Das kündigte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch in einem Instagram-Interview an. “Wir werden uns danach damit beschäftigen, wie es mit den Drittländern weitergeht, also Ländern außerhalb der Europäischen Union. Dazu gehört auch die Türkei.”

Die Bundesregierung hatte zuvor einen ursprünglich für den (heutigen) Mittwoch angepeilten Beschluss über eine Aufhebung der generellen Reisewarnung verschoben. Eine Entscheidung könnte nun in der kommenden Woche fallen.

Frankreichs Regierung stellt weitere Lockerung von Corona-Maßnahmen vor

Die französische Regierung stellt am Donnerstag (16.00 Uhr) eine weitere Lockerung der Corona-Beschränkungen vor. Die zweite Phase soll am Dienstag nach Pfingsten beginnen. Die Bürger hoffen, dass Fahrten von mehr als 100 Kilometern um den Wohnort wieder erlaubt werden. Betreiber von Restaurants und Cafés werben dafür, dass sie erstmals seit zweieinhalb Monaten wieder öffnen können.

Der Anstieg der Infektionen hatte sich zuletzt verlangsamt. Mit mehr als 28.500 Todesfällen ist Frankreich eines der am stärksten betroffenen Länder in Europa. Am Donnerstag tagt zudem die deutsch-französische Parlamentarierversammlung (17 Uhr). Sie will sich in einer Videokonferenz mit der Lage an der Grenze befassen, deren vollständige Öffnung am 15. Juni geplant ist.

Zahl der Corona-Toten in den USA steigt auf mehr als 100.000

Die Zahl der verzeichneten Todesopfer durch die Coronavirus-Pandemie in den USA hat die Marke von 100.000 überschritten. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore stieg die Zahl der Corona-Toten bis zum Mittwochabend (Ortszeit) auf rund 100.400. Die Zahl der registrierten Infektionsfälle betrug fast 1,7 Millionen.

Die Vereinigten Staaten sind das mit Abstand am härtesten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Nachdem sich dort zuletzt die Zunahme der Zahl der Todesopfer über einige Tage hinweg deutlich verlangsamt hatte, nahm sie nun wieder stark zu: Die Johns-Hopkins-Forscher zählten 1401 weitere Corona-Tote binnen 24 Stunden. In den vorherigen drei Tagen hatte die tägliche Totenzahl noch unter 700 gelegen.

Spahn warnt vor gesellschaftlicher Polarisierung in Corona-Krise

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor einer ähnlichen gesellschaftlichen Polarisierung in Deutschland in der Corona-Krise wie durch die Flüchtlingskrise der Jahre 2015-16 gewarnt. Zu Beginn der Corona-Krise habe Deutschland „ein Wir-Gefühl erlebt“, jetzt aber müsse hinsichtlich des gesellschaftlichen Klimas aufgepasst werden, sagte Spahn der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstagsausgabe).

Alle Bürger müssten darauf achten, dass die Debatte über die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus „nicht wieder so polarisierend wird wie teilweise in der Diskussion über die Migration“, mahnte der CDU-Politiker. Spahn rief dazu auf, sich die abweichenden Meinungen von Mitbürgern anzuhören und zu „verstehen, warum jemand eine andere Position hat als man selbst“.

In deutschen Städten gibt es seit Wochen regelmäßig Demonstrationen gegen die Auflagen zur Eindämmung der Pandemie, obwohl die Restriktionen schrittweise gelockert werden. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes versammeln sich auf solchen Kundgebungen zunehmend Extremisten vor allem aus dem rechtsextremen Spektrum.

Französisches Parlament billigt Einsatz von Warn-App gegen Coronavirus

Das französische Parlament hat dem Einsatz einer Warn-App zur Eindämmung des Coronavirus zugestimmt. Nationalversammlung und Senat in Paris billigten am Mittwochabend die Anwendung der App mit dem Namen „StopCovid“. Sie warnt Nutzer, wenn sie sich in der Nähe von Corona-Infizierten aufgehalten haben. Dafür wird die drahtlose Bluetooth-Technologie genutzt.

Die Regierung will den Einsatz der App in den kommenden Tagen starten. In Deutschland hat sich die Entwicklung einer ähnlichen App verzögert.

In der Nationalversammlung stimmten 338 Abgeordnete für den Einsatz der App, bei 215 Gegenstimmen und 21 Enthaltungen. Im Senat wurde die Anwendung der App mit 186 Stimmen gebilligt, es gab dort 127 Nein-Stimmen und 29 Enthaltungen. Kritiker der App im französischen Parlament wenden ein, dass sie die Datenschutzrechte der Bürger verletze.

Justizministerin Nicole Belloubet war am Mittwoch in einer Rede vor Nationalversammlung solcher Kritik entgegengetreten. Sie nannte die App ein „Werkzeug im Dienst des Bürgers“. Die Freiheitsrechte seien nicht bedroht.

Die Nutzung der App ist freiwillig. Smartphonenutzern steht sie ab dem Wochenende zum Herunterladen zur Verfügung, pünktlich zur weiteren Lockerung der Corona-Auflagen nach Pfingsten.

>> Mehr dazu: Frankreichs Regierung stellt Corona-Warn-App vor

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27. Mai 2020

COVID-Zahlen in Österreich nehmen weiter ab

Österreich verzeichnet eine positive Entwicklung bei der Zahl der Coronavirus-Infektionen. Am Mittwochabend waren nur noch 718 Personen als krank gemeldet. 116 werden noch in Krankenhäusern behandelt, davon 32 auf der Intensivstation.

Entsprechend wird der Lockdown weiter zurückgenommen. Ab Freitag sind Hochzeiten und Beerdigungen mit bis zu 100 Personen wieder erlaubt. 

Frankreich verbietet Einsatz von Malariamittel Hydroxychloroquin bei COVID-19

Frankreich verbietet das umstrittene Malariamittel Hydroxychloroquin zur Behandlung von COVID-19.

Die Regierung zog am Mittwoch ein Dekret zurück, das Krankenhausärzten die Verabreichung des Mittels zur Behandlung schwerer Formen der durch das neuartige Coronavirus verursachten Lungenkrankheit COVID-19 erlaubte. Frankreich hatte Ende März entschieden, den Einsatz des Wirkstoffs im Krankenhaus und unter besonderen Umständen zu erlauben.

Erst vor zwei Tagen hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO angekündigt, eine große klinische Studie mit dem Malariamittel an COVID-19-Patienten wegen Sicherheitsbedenken zu stoppen. Bis Mitte Juni erwartet sie eine Überprüfung der Daten. Dann soll eine endgültige Entscheidung über den Nutzen von Hydroxychloroquin getroffen werden.

Das renommierte medizinische Fachmagazin “The Lancet” hatte kürzlich berichtet, dass Patienten, die Hydroxychloroquin erhielten, eine erhöhte Sterblichkeitsrate und unregelmäßigen Herzschlag hatten.

Zehntägige Staatstrauer um Corona-Tote in Spanien

In Spanien beginnt am Mittwoch eine zehntägige Staatstrauer um die Opfer der Corona-Pandemie. Es ist die längste offizielle Trauerperiode in Spanien seit dem Sturz von Diktator Francisco Franco und der Wiederherstellung der Demokratie 1977. Unter anderem sollen an allen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast wehen.

Die Regierung hatte mit der Ausrufung der Staatstrauer gewartet, bis auch in den besonders betroffenen Metropolen Madrid und Barcelona die strikten Ausgangsbeschränkungen aufgehoben wurden. Spanien ist eines der am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas. Die Zahl der Infizierten liegt nach Angaben der Behörden vom Dienstag bei mehr als 236.000, es starben mehr als 27.000 Menschen.

Kontaktbeschränkungen werden bis zum 29. Juni verlängert

Bund und Länder haben sich auf eine Verlängerung der wegen der Corona-Pandemie verhängten Kontaktbeschränkungen bis Ende Juni verständigt. Die Maßnahmen sollen bis zum 29. Juni gelten, wie das Bundespresseamt am Dienstagabend mitteilte.

Die von den Chefs der Staatskanzleien und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) erzielte Einigung sieht gewisse Lockerungen vor. Demnach können die Länder ab dem 6. Juni erlauben, dass sich bis zu zehn Menschen oder die Angehörigen zweier Haushalte im öffentlichen Raum treffen dürfen. Am Montag waren die Beratungen der Staatskanzleien über das weitere Vorgehen noch ohne Ergebnis geblieben.

Es werde weiterhin empfohlen, „die Zahl der Menschen, zu denen man Kontakt hat, möglichst gering zu halten und den Personenkreis möglichst konstant zu belassen“. Auch bei privaten Treffen zu Hause in geschlossenen Räumen sollten die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden, hieß es in dem Bund-Länder-Beschluss. Die Zahl der Gäste solle an der „Möglichkeit zur Einhaltung der Abstandsregel bemessen werden“.

Auch eine ausreichende Belüftung sei wichtig. Wenn möglich sollten private Zusammenkünfte im Freien abgehalten werden, da hier ein erheblich geringeres Infektionsrisiko bestehe.

Dem nun vereinbarten Beschluss liege die Erkenntnis zugrunde, dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus auch einen Monat nach Beginn der Lockerungsmaßnahmen auf niedrigem Niveau liege. „Dieser Erfolg beruht wesentlich darauf, dass in allen relevanten Bereichen Abstands- und Hygieneregeln umgesetzt und eingehalten worden sind“, hieß es in dem Papier.

WHO-Regionalbüro besorgt über rasanten Anstieg der Corona-Fälle in Brasilien

Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (Paho) hat sich besorgt über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Teilen Südamerikas geäußert. Die Verbreitung des Virus scheine sich in Brasilien, Peru und Chile „weiter zu beschleunigen“, teilte die Paho, die als Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fungiert, am Dienstag mit. Insbesondere die Lage in Brasilien sei alarmierend, da die wöchentliche Zunahme der Corona-Infektionen in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie erreicht habe.

Insgesamt wurden in Lateinamerika bislang fast 800.000 Corona-Fälle verzeichnet. 143.000 Menschen starben. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen liegt höher als in Europa oder den USA. Lateinamerika habe sich „ohne Zweifel“ zu einem Epizentrum der Corona-Pandemie entwickelt, erklärte die Paho.

Paho-Chefin Carissa Etienne rief die südamerikanischen Länder auf, im Kampf gegen das Coronavirus nicht nachzulassen. Für die meisten Staaten sei jetzt „nicht die Zeit, die Beschränkungen zu lockern oder Präventivmaßnahmen zu reduzieren“.

Brasilien ist mit fast 375.000 bestätigten Corona-Fällen das Land mit der zweithöchsten Zahl an gemeldeten Infektionen weltweit nach den USA. Mehr als 23.000 Menschen starben. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt, weil in Brasilien vergleichsweise wenig getestet wird.

Brasilien: Luftaufnahme der neuen Gräber, die zur Bestattung der Opfer der COVID-19-Pandemie ausgehoben wurden. [EPA-EFE/PAULO WHITAKER]

Frankreichs Regierung stellt Corona-Warn-App vor

Die französische Regierung stellt am Mittwoch die geplante Corona-Warn-App „StopCovid“ vor (15 Uhr). Im Anschluss ist eine Debatte in der Nationalversammlung geplant. „StopCovid“ soll ab der kommenden Woche auf Handys nutzbar sein. Die App warnt Nutzer, wenn sie sich in der Nähe von Corona-Infizierten aufgehalten haben. Dafür wird die drahtlose Bluetooth-Technologie genutzt. In Deutschland ist eine ähnliche Anwendung noch in der Entwicklung.

Der französische Senat dürfte sich am Donnerstag mit der Anwendung befassen. Da die Nutzung der App freiwillig ist, hat die Regierung auf einen Gesetzentwurf verzichtet. Sie will aber die Stellungnahme des Parlaments abwarten. Die französische Datenschutzbehörde hat die App bereits gebilligt.

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26. Mai 2020

Coronavirus breitet sich rasant in Lateinamerika aus

In Lateinamerika breitet sich das neuartige Coronavirus weiter rasant aus. In Chile wurden innerhalb von 24 Stunden fast 5000 neue Infektionsfälle verzeichnet, ein neuer Höchststand, wie die Gesundheitsbehörden am Montag (Ortszeit) mitteilten. In Brasilien, dem Land mit der zweithöchsten Zahl an gemeldeten Infektionen weltweit nach den USA, blieb die Lage angespannt.

Brasilien meldete zuletzt 23.473 Tote, gefolgt von Mexiko mit 7.633 und Peru mit 3.629 Toten. Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer mitunter weitaus höher liegt, weil etwa in Brasilien vergleichsweise wenig getestet wird. Insgesamt sind in Lateinamerika und der Karibik bisher mehr als 41.000 Menschen an COVID-19 gestorben, die Zahl der Infizierten wird mit 766.000 angegeben.

In Ecuador hatten am Montag in mehreren Städten rund 2.000 Menschen gegen die Corona-Beschränkungen und deren wirtschaftliche Folgen protestiert. Die Demonstranten trugen Masken und hielten sich weitgehend an die empfohlenen Abstandsregeln.

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador warnte, dass die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise 2020 eine Million Arbeitsplätze in Mexiko kosten könnte.

Keine gemeinsamen Absprachen von Merkel und Länderchefs mehr zum Coronavirus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Bundesländer werden vorerst nicht mehr in großer Runde über die Corona-Krise beraten. Solche Gespräche würden im Moment wenig bringen, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), am Dienstag in München. Nach Angaben von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wird das weitere Vorgehen nun alleinige Sache der Bundesländer und ihrer Landkreise.

Das bereits einige Zeit andauernde Auseinanderdriften der Bundesländer hatte zuletzt mit der Ankündigung von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), die allgemeinen Corona-Beschränkungen aufzuheben, einen neuen Höhepunkt erreicht. Ramelow kündigte nach einer Sitzung seiner Landesregierung an, nun „aus dem Krisenmodus in den Regelmodus übergehen“ zu wollen. Trotz Kritik will er den Ausstieg aus den Corona-Verboten weiter betreiben.

Ursprünglich war für die Tage nach Pfingsten eine Runde erwartet worden, in der die Ministerpräsidenten mit Merkel über die aktuell noch bis zum 5. Juni geltenden Kontaktbeschränkungen beraten. Diese Runde gibt es nun nicht. Am Montag konnten sich die Chefs der Staatskanzleien zudem nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen, weshalb offen ist, was ab dem 5. Juni gilt. Söder sagte, die Beamten berieten weiter – „man bleibt im Dauergespräch“. Bayern wolle die Kontaktbeschränkungen fortsetzen.

Söder kritisierte einen „Wettlauf“ der Bundesländer, der das Vertrauen der Bürger beschädigt habe. [EPA-EFE/ANDREAS GORA]

5,5 Millionen Corona-Infizierte weltweit – Verdopplung binnen eines Monats

Weltweit haben sich mittlerweile mehr als fünfeinhalb Millionen Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Von den 5.505.307 nachgewiesenen Ansteckungen wurden mehr als zwei Drittel aus Europa und den USA gemeldet, wie eine Aufstellung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben am Dienstag zeigte. Damit hat sich die Zahl der weltweit Infizierten binnen eines Monats verdoppelt, allein in den vergangenen elf Tagen kamen mehr als eine Million Fälle hinzu.

In Europa wurden 2.047.401 Infektionen und 172.824 Todesfälle registriert. In den USA sind es 1.662.768 Infizierte und 98.223 Todesopfer. Weltweit gab es demnach bisher 346.188 Todesfälle. Die tatsächlichen weltweiten Infektions- und Opferzahlen dürften weitaus höher liegen, da nicht alle Betroffenen auf Sars-CoV-2 getestet werden.

Das weltweit nach den USA und Brasilien am stärksten betroffene Land ist Russland. Dort wurde am Dienstag die höchste tägliche Todeszahl seit dem Corona-Ausbruch im Land registriert. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden starben binnen 24 Stunden 174 Menschen an COVID-19. Damit stieg die offizielle Opferzahl auf 3807, insgesamt 362.342 Ansteckungen wurden demnach nachgewiesen.

Lufthansa-Tochter Eurowings baut 300 Jobs in der Verwaltung ab

Die Lufthansa-Tochter Eurowings will wegen der Flaute im Zuge der Coronakrise etwa jeden dritten Arbeitsplatz in der Verwaltung abbauen.

“Wir haben in der Verwaltung rund 1000 Stellen und davon werden wir rund 300 streichen”, sagte Eurowings-Chef Jens Bischof am Montagabend in der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. Eurowings wolle die Kosten senken und auch dazu beitragen, dass die Muttergesellschaft das mit der Bundesregierung vereinbarte neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket möglichst schnell zurückzahlen könne.

Ingesamt beschäftigt der Billigflieger etwa 4000 Mitarbeiter. Zahlen für einen Jobabbau in anderen Bereichen nannte Bischof nicht.

Eurowings hat wie die gesamte Branche starke Einbußen durch die Folgen der Coronakrise. Normalerweise habe Eurowings 70.000 bis 80.000 Fluggäste pro Tag, berichtete Bischof. Den Tiefpunkt habe die Airline im April mit 1000 Fluggästen am Tag gesehen.

Bayern droht Thüringen im Streit um Corona-Lockerungen mit Gegenmaßnahmen

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat Thüringen mit Gegenmaßnahmen gedroht, sollte das Bundesland die Corona-Schutzmaßnahmen weitgehend aufheben. Die Pläne des thüringischen Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) seien „unverantwortlich“, sagte Herrmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Er warnte: „Wir werden sicher nicht tatenlos zusehen, wie Ramelow große Erfolge im Kampf gegen das hochgefährliche Corona-Virus sorglos zunichte macht.“

Worin die angedrohten Gegenmaßnahmen bestehen könnten, konkretisierte Herrmann allerdings nicht. Ramelow hatte am Wochenende angekündigt, er wolle die allgemeinen Corona-Beschränkungen in seinem Bundesland aufheben. Damit würden landesweite Regeln zu Mindestabständen und Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten. Die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften soll aber bestehen bleiben, wie Ramelow später klarstellte. Mit seinem Vorstoß löste der Ministerpräsident viel Kritik aus.

Bericht: TK verzeichnet im März höchsten Krankenstand seit 20 Jahren

Im März haben sich offenbar so viele Arbeitnehmer in Deutschland krank gemeldet wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Darauf deutet eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zu ihren Versicherten hin, über welche die Zeitungen der Funke Mediengruppe in ihren Dienstagsausgaben berichten. Die Kasse erklärt die stark überdurchschnittliche Zahl mit präventiven Krankmeldungen wegen des Coronavirus.

Dem Zeitungsbericht zufolge verzeichnete die TK im März einen Anteil der krankgeschriebenen Beschäftigten von 6,84 Prozent. Dies sei der höchste Stand seit 20 Jahren gewesen. 2019 hatte das Jahreshoch demnach 5,3 Prozent betragen.

Als Grund für die Krankschreibungen wurden laut TK vor allem Erkältungskrankheiten genannt, wie die Funke-Blätter berichten. TK-Vorstandsmitglied Jens Baas geht demnach davon aus, dass viele Menschen mit Erkältungssymptomen sich an die Empfehlung hielten, vorsorglich zu Hause zu bleiben, um ihre Mitmenschen nicht möglicherweise mit dem Coronavirus anstecken.

Macron stellt Hilfsplan für Frankreichs Autoindustrie vor

Als Folge der Corona-Krise will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Dienstag einen Hilfsplan für die Automobilbranche vorstellen. Im Gespräch sind unter anderem Kaufprämien für Hybrid- oder Elektrofahrzeuge. Der angeschlagene Renault-Konzern soll zudem eine staatliche Kreditbürgschaft in Höhe von fünf Milliarden Euro erhalten.

Zur Auflage für die Hilfen macht die Regierung den Erhalt der rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze bei den Autoherstellern sowie Zuliefer- und Servicebetrieben. Außerdem soll Frankreich bei der Elektromobilität führend werden. Die Hersteller in Frankreich leiden unter den massiv eingebrochenen Neuwagenverkäufen.

Deutsche Post plant umfassende vorbeugende Coronavirus-Tests

Die Deutsche Post wird als erster deutscher Konzern tausende Mitarbeiter ohne konkreten Anlass auf das Coronavirus testen lassen. Das Unternehmen schlage den Weg einer „prophylaktischen Teststrategie“ ein, kündigte Vorstandsmitglied Tobias Meyer in der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vom Dienstag an. Deutlich mehr als 10.000 Mitarbeitern solle angeboten werden, sich vorsorglich testen zu lassen, „dies vor allem in größeren Betriebsstätten“.

Nach Angaben Meyers werden die Betriebsärzte der Post die Tests voraussichtlich in einem Teil der 36 Paketzentren und möglicherweise auch in Briefverteilzentren anbieten. Das Unternehmen habe in Deutschland zuerst rund 4000 Mitarbeiter getestet, nachdem es in deren direktem Umfeld zu einer Infektion mit dem Coronavirus gekommen sei. Dabei habe es keine ungewöhnlichen Ergebnisse gegeben.

Schweden meldet mehr als 4000 Corona-Todesfälle

Die Zahl der Corona-Todesfälle in Schweden ist auf 4029 gestiegen. Das meldeten die schwedischen Gesundheitsbehörden am Montag. Das nordeuropäische Land, das zuletzt durch weniger strikte Maßnahmen gegen das neue Coronavirus auf sich aufmerksam machte, verzeichnet mittlerweile eine wesentlich höhere Sterberate als seine skandinavischen Nachbarländer.

Der Website Worldometer zufolge zählt Schweden aktuell 399 Corona-Todesfälle pro eine Million Einwohner. In Norwegen sind es 43 Tote pro eine Million, in Dänemark 97, in Finnland 56. Das Land mit seinen 10,3 Millionen Einwohnern liegt aber immer noch hinter anderen europäischen Ländern wie Frankreich mit 435 Todesfällen pro eine Million Einwohner, Großbritannien und Italien mit jeweils 542 oder Spanien mit 615 Toten pro eine Million Einwohner.

Der schwedische Chef-Virologe Anders Tegnell betonte, beim Vergleich von Sterberaten sei Vorsicht geboten. „In Schweden wird jeder, bei dem COVID-19 nachgewiesen wurde und der im Laufe von 30 Tagen stirbt, als COVID-19-Toter gezählt, unabhängig von der Todesursache“, sagte Tegnell der Nachrichtenagentur AFP.

Der schwedischen Regierung war zuletzt vorgeworfen worden, durch den Verzicht auf konsequente Maßnahmen mit dem Leben ihrer Bürger zu spielen. Die schwedischen Gesundheitsbehörden hatten darauf beharrt, ihr Vorgehen sei langfristig nachhaltig und drastische kurzfristige Maßnahmen nicht effektiv genug, um deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu rechtfertigen. Insgesamt wurden in Schweden bislang nach offiziellen Angaben 33.843 Coronavirus-Infektionen registriert.

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25. Mai 2020

WHO setzt klinische Tests mit Hydroxychloroquin wegen Sicherheitsbedenken aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat klinische Tests des Malariamittels Hydroxychloroquin zur Behandlung von COVID-19 wegen Sicherheitsbedenken ausgesetzt. Die Tests in mehreren Ländern seien „vorübergehend“ eingestellt worden, während die Sicherheit des Medikaments überprüft werde, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Pressekonferenz am Montag. Die Entscheidung sei nach der Veröffentlichung einer Studie gefallen, wonach eine Behandlung mit Hydroxychloroquin möglicherweise die Sterblichkeitsrate erhöht.

Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich hatte für die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloroquin und Chloroquin keinen Nutzen bei COVID-19-Patienten zeigen. Vielmehr wiesen die erhobenen Daten den Forschern zufolge auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Zudem erhöhten die Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Österreich: Außenminister erwartet die Öffnung der Ostgrenzen Mitte Juni 

Dies kündigte Außenminister Alexander Schallenberg auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien an. 

Schallenberg machte zwar keine Versprechungen, sagte aber, dass „vorausgesetzt, dass die Zahlen sich weiterhin so positiv entwickeln wie bisher„, die Grenzkontrollen bald gelockert werden könnten. Er betonte jedoch, dass die endgültige Entscheidung bei den StaatschefInnen liege.

Auch die Grenzen zu Deutschland und der Schweiz sollen Mitte Juni geöffnet werden. Weiterhin gibt es keinen Zeitplan für die südlichen Grenzen zu Slowenien und Italien.

Japan hebt Ausnahmezustand ganz auf – Zweites Konjunkturpaket geplant

Japan hebt den Ausnahmezustand auch in den restlichen Landesteilen auf.

Die Notmaßnahme sollte für Tokio und vier weitere Regionen am Montag beendet werden, wie Ministerpräsident Shinzo Abe mitteilte. Japan sei es gelungen, die Ausbreitung des Virus in weniger als zwei Monaten unter Kontrolle zu bringen. Der Ausnahmezustand könne aber wieder verhängt werden, wenn die Infektionszahlen wieder zunähmen. Am 14. Mai hatte die Regierung für den größten Teil des Landes die Kontaktsperren gelockert, die Hauptstadt und vier weitere Präfekturen aber noch unter Beobachtung belassen. Japan zählte dem Rundfunksender NHK zufolge zuletzt etwas mehr als 16.600 Infektionen und 839 Todesfälle. Damit konnte es die Epidemie stärker eindämmen als andere Länder.

Abe mahnt aber, dass es noch eine beträchtliche Zeit bis zur Rückkehr zu einem normalen Leben dauern werde. Die Pandemie hat die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in eine schwere Rezession und Abes Popularität auf mehrjährige Tiefststände gestürzt. Der Regierungschef kündigte ein zweites Hilfspaket zur Unterstützung der Wirtschaft an, dass der Zeitung “Nikkei” zufolge ein Volumen von umgerechnet rund 850 Milliarden Euro haben und durch einen zweiten Nachtragshaushalt finanziert werden soll. Die Regierung hat bereits im vorigen Monat ein Konjunkturpaket über rund eine Billion Euro geschnürt. Beide Pakete zusammen würden die Gesamtausgaben im Kampf zur Bewältigung der Coronakrise auf etwa 40 Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts nach oben treiben.

Abe hob den Ausnahmezustand in Japan nach einem dramatischen Rückgang der Coronavirus-Fälle auf. [EPA-EFE/KIMIMASA MAYAMA]

Frankreich will „massiv“ in Krankenhäuser investieren

Die französische Regierung hat als Konsequenz aus der Corona-Krise „massive Investitionen“ in die öffentlichen Krankenhäuser zugesagt. Premierminister Edouard Philippe stellte am Montag einen „weitreichenden Hilfsplan“ für die angeschlagenen Kliniken und eine deutlich bessere Bezahlung für das Gesundheitspersonal in Aussicht. Die Regierung wolle sich für den großen Einsatz von Ärzten und Pflegern erkenntlich zeigen, sagte er.

Philippe äußerte sich zum Auftakt von mehrwöchigen Video-Verhandlungen der Regierung mit rund 300 Vertretern von Krankenhäusern und Gewerkschaften. Mitte Juli sollen die Gespräche in konkrete Entscheidungen münden. Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor „Fehler“ bei der Gesundheitsreform eingeräumt und eine Corona-Prämie von bis zu 1500 Euro pro Mitarbeiter versprochen.

In der Corona-Krise war das französische System mit seinen rund 7000 Intensivbetten schnell ans Limit gekommen. Besonders im Pariser Großraum und im Grenzgebiet zu Deutschland waren die Krankenhäuser überlastet.

Kanzleramt will Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verlängern

Das Bundeskanzleramt will die Corona-Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verlängern, dabei aber auch weitere Lockerungen ermöglichen. „Bei privaten Zusammenkünften zu Hause in geschlossenen Räumen“ und beim „Aufenthalt im öffentlichen Raum“ sollen sich bis zu zehn Menschen – oder die Angehörigen zweier Hausstände – treffen dürfen, wie aus einer AFP vorliegenden Beschlussvorlage von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) für Beratungen mit den Staatskanzleien der Länder am Montag hervorgeht.

USA verbieten Einreisen aus Brasilien

Angesichts des dramatisch gestiegenen Ausmaßes der Corona-Pandemie in Brasilien verbieten die USA Einreisen aus dem südamerikanischen Land. US-Präsident Donald Trump wolle auf diese Weise verhindern, dass Menschen nach ihrem Aufenthalt in Brasilien zum Auslöser weiterer Infektionen in den Vereinigten Staaten würden, erklärte das Weiße Haus am Sonntag.

Das Einreiseverbot gilt für ausländische Staatsbürger, die sich in den zwei Wochen vor ihrer geplanten Einreise in die USA in Brasilien aufgehalten haben. Der Handel ist nach Angaben des Weißen Hauses nicht von der Maßnahme betroffen. Trumps Sicherheitsberater Robert O’Brien sagte dem Sender CBS: „Angesichts der Situation in Brasilien werden wir jede nötige Maßnahme ergreifen, um das amerikanische Volk zu schützen.“

Die USA hatten wegen der Corona-Pandemie bereits Einreisen unter anderem aus China, der EU und Großbritannien verboten. Brasilien rückte zuletzt hinter den USA auf den zweiten Platz der Länder mit den weltweit meisten verzeichneten Coronavirus-Infektionen vor.

Mehr als 40.000 Corona-Tote in Lateinamerika und Karibik

Die Zahl der registrierten Todesopfer durch die Corona-Pandemie in Lateinamerika und der Karibik ist auf mehr als 40.000 gestiegen. Dies ergab in der Nacht zum Montag eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf der Basis von Behördenangaben. Innerhalb von nur zwei Wochen hat sich damit die Gesamtzahl der in dieser Weltregion verzeichneten Corona-Toten verdoppelt.

Brasilien ist das am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Region. Bis Sonntagabend (Ortszeit) wurden dort 22.666 Todes- und 363.211 Infektionsfälle gezählt. Dahinter liegen Mexiko (7394 Tote und 68.620 Infizierte) und Peru (3456 Tote und 119.959 Infizierte)

Zeitung: Bund plant weitere Hilfen für Mittelstand in Corona-Krise

Die Bundesregierung plant laut einem Zeitungsbericht weitere Hilfen für mittelständische Betriebe in der Corona-Krise. Firmen mit bis zu 249 Mitarbeitern sollen in den nächsten sechs Monaten Soforthilfen von monatlich bis zu 50.000 Euro erhalten, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ“) in ihrer Montagsausgabe unter Berufung auf ein Eckpunktepapier der Regierung berichtet.

Kleinen und mittelgroßen Betrieben soll demnach für den Zeitraum Juni bis Dezember eine „weitergehende Liquiditätshilfe“ gewährt werden, um ihre Existenz zu sichern. Antragsberechtigt sind der Zeitung zufolge Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbstständige und Freiberufler, deren Umsätze im April und Mai um durchschnittlich mindestens 60 Prozent im Vergleich mit den entsprechenden Vorjahresmonaten eingebrochen sind.

Unternehmen, die bereits Soforthilfe des Bundes oder der Länder in Anspruch genommen, aber weitere Umsatzausfälle haben, dürften neue Anträge stellen, zitiert die „NOZ“ aus dem Papier. Das Gesamtvolumen des Bundesprogramms werde bis August mit 25 Milliarden Euro beziffert. Wieviel es danach kosten werde, hänge vom Infektionsgeschehen ab.

Labor in Wuhan weist Verantwortung für Coronavirus-Ausbruch zurück

Das Hochsicherheitslabor in Wuhan, das von den USA als Ausgangspunkt für die Corona-Pandemie bezeichnet wurde, hat entsprechende Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Solche Anschuldigungen unter anderem von US-Präsident Donald Trump seien eine „reine Erfindung“, sagte Labor-Leiterin Wang Yanyi in einem am Samstagabend vom staatlichen Fernsehsender CGTN ausgestrahlten Interview.

Das Wuhan-Institut für Virologie beherbergt die größte Virusbank Asiens. Es liegt wenige Kilometer von einem Fisch- und Wildmarkt entfernt, von dem aus sich das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 chinesischen Angaben zufolge im Dezember ausgebreitet hatte. Das hatte Spekulationen ausgelöst, das Virus könnte aus dem Labor gekommen oder sogar absichtlich geschaffen worden sein.

US-Außenminister Mike Pompeo sprach von „überwältigenden Beweisen“, dass das Virus aus dem Labor stammt, ohne jedoch Details zu nennen. Die chinesische Regierung weist dies vehement zurück.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das neuartige Coronavirus ursprünglich von Fledermäusen stammt und durch ein anderes Tier auf den Menschen übersprang. Wang sagte nun in dem am 13. Mai aufgezeichneten Interview, ihrem Labor sei es gelungen, Coronaviren von Fledermäusen zu isolieren. Es verfüge über drei lebende Coronavirus-Stämme von Fledermäusen, von denen aber keiner mit dem Erreger von COVID-19 übereinstimme.

Ein Forscherteam ihres Labors versuche zudem seit 2004, die Quelle des Coronavirus zurückzuverfolgen, das für die Sars-Pandemie vor 17 Jahren verantwortlich war, sagte Wang weiter. „Wir wissen, dass das Sars-Gen nur zu 80 Prozent mit Sars-CoV-2 übereinstimmt. Das ist ein deutlicher Unterschied“.

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24. Mai 2020

Österreich: Kanzler will Regionen unterschiedlich schnell öffnen

Sebastian Kurz (ÖVP) erwähnte diese Idee erstmals in einem Interview mit dem Web-TV-Sender „oe24.tv„. Künftig könnten sich einige Landesteile früher öffnen als andere, denn „mittlerweile ist es Realität, dass die Entwicklung unterschiedlich ist“, sagte Kurz. Zwischen Samstag und Sonntag seien in sechs von neun Bundesländern keine Neuinfektionen aufgetreten, teilte das Kanzleramt der Zeitung „Der Standard“ mit.

Wien, selbst ein Bundesland, gehört nicht zu diesen sechs Staaten. Die Regierung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Kritik am Krisenmanagement der Stadt geübt – BeobachterInnen vermuten, dass dies mit den Wien-Wahl im Herbst zusammenhängen könte. Deren Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) antwortete Standard, er sei „gespannt“ auf die konkreten Pläne des Kanzlers und fügte hinzu, eine Lockerung der Sperrmaßnahmen müsse wissenschaftlich begründet sein.

China warnt USA im Streit um Coronavirus vor „neuem Kalten Krieg“

Angesichts zunehmender Spannungen zwischen den USA und China hat die Regierung in Peking vor einem „neuen Kalten Krieg“ gewarnt. Washington bringe mit seinen „Lügen“ über das Coranavirus die Beziehungen zwischen beiden Ländern „an den Rand eines neuen Kalten Krieges“, sagte Außenminister Wang Yi am Sonntag vor Journalisten. Neben dem Streit über die Verantwortung für die Corona-Pandemie wird das Verhältnis zwischen den USA und China durch ein von Peking geplantes neues Sicherheitsgesetz für Hongkong belastet.

„Uns ist aufgefallen, dass einige politische Kräfte in den USA die US-chinesischen Beziehungen in Geiselhaft nehmen und unsere beiden Länder an den Rand eines neuen Kalten Krieges bringen“, sagte Wang bei einer Online-Pressekonferenz am Rande des Nationalen Volkskongresses in Peking. Der Außenminister führte nicht aus, welche „politischen Kräfte“ er meint – es war aber offensichtlich, dass seine Vorwürfe in Richtung von US-Präsident Donald Trump gehen, der China für den Corona-Ausbruch und die großen Opferzahlen durch die Pandemie verantwortlich macht.

„Neben der Verwüstung durch das neue Coronavirus gibt es auch ein politisches Virus, das sich in den USA verbreitet“, sagte Wang weiter. Dieses führe dazu, dass China „bei jeder Gelegenheit angegriffen und verleumdet“ werde. „Ich rufe die USA auf, aufzuhören, Zeit zu verschwenden und wertvolles Leben zu verschwenden.“

Vorwürfe Washingtons, das Virus stamme aus einem Labor in Wuhan, wies Wang erneut scharf zurück. Er warf den USA vor, Gerüchte über den Ursprung des Virus zu verbreiten, um China zu „stigmatisieren“. Sein Land sei „offen“ für eine internationale Zusammenarbeit bei der Suche nach dem Ursprung, versicherte der Außenminister. Diese Suche müsse aber „frei von jeder politischen Einmischung“ sein.

Die USA – allen voran Trump – hatten mehrmals öffentlich den Verdacht geäußert, das Virus stamme aus einem Hopchsicherheitslabor im zentralchinesischen Wuhan. Dieses wies die Verdächtigungen am Sonntag erneut zurück. Die meisten Experten weltweit unterstützen die Annahme der chinesischen Behörden, dass das Virus auf einem Wildtiermarkt in Wuhan auf den Menschen übersprang.

„New York Times“ erinnert auf Titelseite namentlich an Corona-Tote

Während sich die USA der Marke von 100.000 Corona-Toten nähern, hat die „New York Times“ (NYT) am Sonntag auf ihrer Titelseite unter Nennung von Namen an 1000 der Verstorbenen erinnert. „Die 1000 Menschen hier spiegeln nur ein Prozent der Todesfälle wider, keiner von ihnen war nur eine Zahl“, schrieb das Blatt in einer kurzen Einführung auf der Titelseite, die ausschließlich aus Text bestand.“

„Ich wollte etwas, auf das die Menschen noch in hundert Jahren zurückblicken, um das Ausmaß zu verstehen, das wir gerade durchleben“, erklärte „NYT“-Ressortleiter Marc Lacey.

Die USA sind weltweit mit Abstand das am schwersten von der Pandemie betroffene Land. Bis Samstagabend wurden 1,6 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 97.000 Todesfälle registriert. Die Marke von 100.000 Toten dürfte in den kommenden Tagen erreicht werden.

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23. Mai 2020

Mehr als zwei Millionen Corona-Fälle in Europa

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Europa ist auf mehr als zwei Millionen gestiegen. Zwei Drittel der insgesamt 2.001.995 Corona-Fälle wurden in Russland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich verzeichnet, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben vom Samstag ergab. 173.133 Infizierte starben demnach.

Europa ist der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. Weltweit wurden mittlerweile mehr als 5,25 Millionen Infektionen und rund 339.000 Todesfälle registriert. Die Zahl der weltweiten Corona-Fälle verdoppelte sich damit binnen eines Monats. Alleine in den vergangenen drei Tagen wurden mehr als 250.000 neue Infektionen gemeldet.

Russland ist mit knapp 336.000 gemeldeten Infektionen und 3388 Todesfällen inzwischen zu einem neuen Krisenherd der Pandemie geworden. Weltweit wurden nur in den USA mehr Corona-Fälle verzeichnet. In den Vereinigten Staaten steckten sich bereits mehr als 1,6 Millionen Menschen mit dem neuartigen Erreger an, mehr als 96.000 Infizierte starben.

Besonders schwer betroffen sind in Europa außerdem Großbritannien (257.154 Fälle und 36.675 Tote), Spanien (234.824 Fälle und 28.628 Tote), Italien (229.327 Fälle und 32.735 Tote) und Frankreich (182.219 Fälle und 28.289 Tote).

Merkel verteidigt Corona-Einschränkungen als „notwendig“

Vor dem Hintergrund neuer Proteste gegen die Corona-Einschränkungen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die umstrittenen Maßnahmen verteidigt. „Dieses Virus ist eine Zumutung für unsere Demokratie“, sagte Merkel am Samstag. Dennoch seien die Beschränkungen „notwendig“ gewesen. Während ein Landkreis in Niedersachsen einen neuen großen Ausbruch des Virus meldete, stellte Thüringen das baldige Ende der generellen Corona-Einschränkungen in Aussicht. Erneut gingen deutschlandweit Gegner der Einschränkungen auf die Straße.

Merkel äußerte sich anlässlich des Verfassungstags zu den Maßnahmen von Bund und Ländern im Kampf gegn das Virus. Die Regierung mache es sich „natürlich mit den Beschränkungen von Grundrechten nicht einfach“, sagte sie in ihrem wöchentlichen Podcast. Deshalb sollten dies so kurz wie möglich sein. „Aber sie waren notwendig“, betonte Merkel.

Es sei gerade jetzt unerlässlich, die Prinzipien des Grundgesetzes zu achten, führte Merkel weiter aus. „Ganz besonders ist dabei der Artikel 1 wichtig: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dazu gehöre auch, eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern, was bislang gelungen sei.

Zahl der Corona-Fälle in Brasilien steigt rasant

In Brasilien geht die Zahl der Coronavirus-Infektionen weiter rasant in die Höhe. Das Land liegt jetzt nach den USA auf dem zweiten Platz weltweit, die Weltgesundheitsorganisation stuft Südamerika mittlerweile als neues Epidzentrum der Pandemie ein.

Nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministeriums wurden in dem südamerikanischen Land bis Freitag mehr als 330.000 Infektionen registriert, mehr als 21.000 Menschen starben. Damit überholte Brasilien Russland, das nun mit rund 326.000 registrierten Infektionen auf Platz drei liegt.

Binnen 24 Stunden starben in Brasilien mehr als tausend Menschen nach einer Infektion mit dem neuartigen Erreger. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen lag bei 20.803 binnen 24 Stunden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet die steigende Zahl der Coronavirus-Infektionen in Südamerika mit Sorge. Der Kontinent sei „zu einem neuen Epizentrum der Krankheit geworden“, sagte WHO-Experte Michael Ryan am Freitag in Genf. Dabei sei Brasilien „eindeutig am stärksten betroffen“.

Studie: Malariamittel erhöhen Sterblichkeitsrate bei COVID-19-Patienten

COVID-19-Patienten, die mit den Malariamitteln Hydroxychloroquin und Chloroquin behandelt werden, weisen einer groß angelegten Studie zufolge eine höhere Sterblichkeitsrate auf. „Hydroxychloroquin und Chloroquin zeigen keinen Nutzen bei COVID-19-Patienten“, erklärte Studienautor Mandeep Mehra vom Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Boston am Freitag. Vielmehr wiesen die erhobenen Daten auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Zudem erhöhten die Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Herzzentrums am Universitätsspital Zürich hatte für die am Freitag in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet.

Dabei unterschieden die Forscher vier Gruppen: Eine Gruppe erhielt Hydroxychloroquin, eine weitere Chloroquin. Die dritte Gruppe wurde mit einem der beiden Mittel in Kombination mit Antibiotika behandelt und eine Kontrollgruppe erhielt keines der Medikamente.

Die Sterblichkeitsrate der Kontrollgruppe lag bei neun Prozent. Bei den Patienten, die mit Hydroxychloroquin behandelt wurden, waren es 18 Prozent, bei jenen, die Chloroquin einnahmen 16,4 Prozent. In Kombination mit Antibiotika lag die Sterblichkeitsrate sogar bei 23,8 Prozent (Hydroxychloroquin) beziehungsweise 22,8 Prozent (Chloroquin).

Bei einer Behandlung mit den Malariamitteln hätten die Patienten folglich ein bis zu 45 Prozent höheres Risiko zu sterben, erklärten die Studienautoren.

Trump fordert sofortige Öffnung von Gotteshäusern in den USA

US-Präsident Donald Trump hat die Gouverneure in den Bundesstaaten aufgefordert, Gotteshäuser trotz der Corona-Pandemie sofort wieder öffnen zu lassen. Trump bezeichnete Kirchen und andere Gotteshäuser wie Synagogen und Moscheen auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus am Freitag als „essenzielle Orte, die essenzielle Dienste leisten“. Die Gouverneure müssten „das Richtige tun“ und deren sofortige Öffnung zulassen.

„Wenn sie das nicht tun, werde ich mich über die Gouverneure hinwegsetzen“, erklärte Trump. „In Amerika brauchen wir mehr Gebete, nicht weniger.“

Die Entscheidung, was essenzielle Einrichtungen sind, die während der Corona-Pandemie geöffnet bleiben können, war bisher den einzelnen Bundesstaaten und Verwaltungsbezirken vorbehalten. Vielerorts untersagten die Behörden Gottesdienste, um eine weitere Ausbreitung des neuen Coronavirus zu verhindern.

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