Coronavirus: Das Neueste aus Europa, den USA und dem Rest der Welt

Coronavirus-Updates.

Willkommen zu diesem Newsfeed. Die Redaktion von EURACTIV Deutschland bietet Ihnen hier eine Auswahl ihrer Artikel sowie Berichte der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters.

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24. November 2020

Österreich im Lockdown – Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit steigen

In Österreich ist mit dem zweiten vollständigen Lockdown die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit weiter angestiegen.

Derzeit seien rund 449.000 Menschen auf Jobsuche und rund 219.000 in Kurzarbeit, sagte Arbeitsministerin Christine Aschbacher am Dienstag. Die Zahl der Menschen, die das staatlich geförderte Arbeitszeit-Modell in Anspruch nehmen, sei gegenüber der Vorwoche deutlich gestiegen, sagte die Ministerin. Vor einer Woche, zu Beginn des zweiten harten Lockdowns, waren rund 443.000 Menschen auf Jobsuche und 170.000 Menschen in Kurzarbeit.

“Die Situation am Arbeitsmarkt ist ernst”, sagte Aschbacher. Neben der saisonalbedingt steigenden Arbeitslosigkeit komme die krisenbedingte Arbeitslosigkeit hinzu, erklärte die konservative Ministerin. In den kommenden Monaten seit mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Unklar ist noch, was auf den Wintertourismus zukommt, an dem Hunderttausende Jobs in Österreich hängen. Der harte Lockdown mit geschlossenen Geschäften, Restaurants, Hotels sowie einer Ausgangssperre gilt vorerst bis zum 6. Dezember. Wann die Skigebiete tatsächlich in die Saison starten können, ist noch nicht absehbar. Der Tourismus ist für die Alpenrepublik eine wichtige Einnahmequelle und macht rund 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Im vergangenen Jahr zählte das Land im Schnitt insgesamt rund 4,4 Millionen Erwerbstätige.

EU wird diese Woche Vertrag mit Moderna zu Corona-Impfstoff billigen

Die EU-Kommission wird diese Woche einen weiteren Vertrag über die Lieferung eines Corona-Impfstoffs billigen. Wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag mitteilte, soll das US-Unternehmen Moderna „bis zu 160 Millionen Dosen“ liefern. Sie sagte dabei nicht, ob diese Zahl nur fest vereinbarte Lieferungen oder auch Optionen enthält. Details sollen nach der Genehmigung durch die Kommission am Mittwoch bekannt gegeben werden.

Die EU-Kommission schließt im Auftrag der Mitgliedstaaten Liefervereinbarungen mit Impfstoffherstellern. Der Vertrag mit Moderna ist der sechste. Zuvor hatte Brüssel schon Abkommen mit den Anbietern Johnson&Johnson, Sanofi-GSK und AstraZeneca, Pfizer-Biontech und Curevac geschlossen.

Der Impfstoff von Moderna zählt derzeit zu den aussichtsreichsten Kandidaten. Das US-Unternehmen hatte Mitte November mitgeteilt, dass sein Impfstoff-Kandidat eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent besitzt. Das Unternehmen hofft auf eine Zulassung in den kommenden Wochen.

Im Sommer hatte die EU-Kommission bereits Vorverhandlungen mit Moderna abgeschlossen. Damals ging es um eine feste Liefervereinbarung für 80 Millionen Dosen und eine Option für 80 Millionen weitere.

Würden alle Impfstoffe zum Erfolg führen, beliefen sich die fest vereinbarten Lieferungen an die EU auf über 1,3 Milliarden Dosen, mit Optionen wären es sogar über 1,9 Milliarden. Bei den meisten Impfstoffen sind zwei Dosen nötig, um einen Schutz vor dem Corona-Virus zu garantieren.

Die EU hat zugesichert, Impfstoffe auch an ärmere Länder weiterzugeben, die sie sich nicht leisten können. Ziel sei es, „sicherzustellen, dass jeder auf der Welt Zugang zu Impfstoffen hat“, sagte von der Leyen. Ihr zufolge arbeitet die EU derzeit noch am Abschluss eines siebten Vertrags mit einem weiteren Hersteller.

Qantas plant Corona-Impfpflicht für Fluggäste – Lufthansa nicht

Die australische Fluggesellschaft Qantas plant eine Impfpflicht für Passagiere auf Interkontinentalflügen.

“Wir werden von international Reisenden verlangen, dass sie geimpft sind, bevor wir sie an Bord lassen”, sagte Qantas-Chef Alan Joyce am Dienstag dem Sender Channel Nine. “Wir glauben, das ist notwendig.” Die Allgemeinen Geschäftbedingungen würden entsprechend angepasst. Ob dies auch bei Inlandsflügen Voraussetzung werde, sei noch nicht entschieden. Die Lufthansa dagegen erklärte, die Einführung eines verbindlichen Impfnachweises für Fluggäste sei derzeit nicht geplant. Einreisevoraussetzungen zu regeln sei Sache von Regierungen.

Australien hat die COVID-Infektionszahl dank strikter Lockdown-Regeln auf weniger als 100 gedrückt. Deswegen werden Beschränkungen von Inlandsreisen gelockert. Die internationale Grenze ist seit März geschlossen. Rückkehrer aus dem Ausland müssen in Australien zwei Wochen lang in Quarantäne.

Der internationale Airline-Verband IATA, der am Dienstag seine Jahreshauptversammlung digital abhält, entwickelt unterdessen Apps zum Austausch von Reiseauflagen wie Corona-Testergebnisse oder Impfnachweise. Im ersten Halbjahr 2021 soll die Plattform für Smartphones mit Android und iOS verfügbar sein, hatte IATA-Sicherheitschef Nick Careen erklärt. Die Airlines dringen schon länger darauf, eine Testpflicht einzuführen, damit bei negativem Ergebnis keine Quarantäne verhängt wird.

Russischer Impfstoff Sputnik V soll weniger als 20 Dollar kosten

Russland plant für seinen Corona-Impfstoff Sputnik V im Ausland einen Preis von weniger als 20 Dollar.

Je Dosis solle der Impfstoff, der in zwei Dosen verabreicht wird, weniger als zehn Dollar kosten, wie am Dienstag aus dem offiziellen Twitter-Account von Sputnik V hervorging. Für russische Staatsbürger soll die Impfung kostenlos sein. Mehr als eine Milliarde Dosen sollen im kommenden Jahr von dem Vakzin hergestellt werden.

Der internationale Marktpreis wäre damit günstiger als der des Corona-Impfstoffs der Partner BioNTech und Pfizer, der auf der neuartigen mRNA-Technologie beruht und in Europa 15,50 Euro (gut 18 Dollar) pro Dosis kosten soll. Er wäre aber teurer als der Impfstoff von AstraZeneca, dessen Preis in Europa bei rund 2,50 Euro pro Dosis liegen soll.

Russland hatte mit “Sputnik V” bereits im August als weltweit erstes Land einen Corona-Impfstoff zugelassen und damit die Kritik von Experten auf sich gezogen, da dieser erst weniger als zwei Monate an Menschen getestet worden war. Mitte November hatte der russische Staatsfonds RDIF, der die Forschung finanziert, gemeldet, dass das Vakzin eine Wirksamkeit von 92 Prozent hat. Die Daten beruhten allerdings nur auf einer kleinen Zahl von 20 COVID-19-Fällen unter den Studienteilnehmern.

RDIF und das staatliche Gamaleja-Institut in Moskau, das den Impfstoff entwickelt hat, legten nun weitere Daten vor, die auf 39 Covid-19-Fällen beruhten und 18.794 Studienteilnehmern, die zwei Impfdosen erhielten. Demnach habe Sputnik V eine Wirksamkeit von 91,4 Prozent nach 28 Tagen und von über 95 Prozent nach 42 Tagen gezeigt. Vorwürfe, Russland nehme bei der Entwicklung Abkürzungen, hatte das Land zurückgewiesen und als westliche Kampagne gegen seinen Impfstoff bezeichnet.

EMA könnte bis Jahresende über COVID-19-Impfstoff entscheiden

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA könnte schon bald grünes Licht für einen ersten Corona-Impfstoff geben. Man sei dieser Entscheidung sehr nahe, sagt EMA-Chefin Emer Cooke in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung “Irish Independent”. “Vorausgesetzt, alles ist positiv – und wir müssen uns die Daten ansehen, um sicher zu sein -, könnten wir im besten Fall bis Ende des Jahres eine wissenschaftliche Meinung haben.” Ziel sei es, eine positive Empfehlung zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie die FDA abgeben zu können. Die US-Gesundheitsbehörde könnte voraussichtlich Mitte Dezember eine Entscheidung über den Impfstoff von den Partnern BioNTech und Pfizer fällen. Das Duo hatte am vergangenen Freitag eine Notfallgenehmigung in den USA beantragt.

Die EMA hat bereits mit einer fortlaufenden Überprüfung von Daten aus den klinischen Studien der Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca begonnen. Diese haben alle positive Daten zur Wirksamkeit ihrer Vakzine aus den zulassungsrelevanten Studien veröffentlicht. Cooke sagte, die Impfstoffe seien sehr schnell entwickelt worden, was aus wissenschaftlicher Sicht “sehr vielversprechend” sei. Das bedeute aber auch, dass diese Ergebnisse so gründlich wie möglich geprüft werden müssten, ohne die üblichen wissenschaftlichen Standards außer Acht zu lassen.

Die EMA will auch eine öffentliche Informationskampagne zur Förderung der Impfstoffakzeptanz starten. Zudem hat sie für den 11. Dezember ein virtuelles öffentliches Treffen anberaumt, um mögliche Bedenken zu adressieren und Fragen zu beantworten. “Wir halten es für wichtig, dass die Öffentlichkeit Vertrauen in das Regulierungssystem hat”, sagte Cooke.

Lockdown drückt Frankreichs Geschäftklima auf 5-Monats-Tief

In Frankreich ist die Stimmung der Wirtschaft wegen des neuen Lockdowns auf ein Fünf-Monats-Tief gerutscht.

Das Barometer für das Geschäftsklima sank im November auf 79 Punkte von 92 Zählern im Vormonat, wie das Statistikamt Insee am Dienstag mitteilte. Vor allem die Dienstleister leiden derzeit unter den Folgen der Corona-Krise, während die Industrie etwas glimpflicher davonkommt. Frankreich ist stark von der Virus-Pandemie betroffen und hat Ende Oktober erneut massive Einschränkungen verhängt. Da sich die Zahlen der Neuinfektionen zuletzt etwas verbessert haben, wird erwartet, dass Präsident Emmanuel Macron noch am Abend einige Lockerungen ankündigt.

Länder verabreden Teil-Lockdown bis 20. Dezember – Lockerung an Weihnachten

Die Bundesländer haben sich auf eine Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 20. Dezember, aber auch eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen an Weihnachten und Silvester geeinigt.

In dem der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorliegenden Papier für die Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel heißt es, dass es regional die Möglichkeit zu einer früheren Öffnung geben soll, wenn die Zahl der Neuinfektionen dort unter die sogenannte 50er-Inzidenz sinkt. Die Kontaktregeln werden verschärft, vom 23. Dezember bis zum 1. Januar aber vorübergehend gelockert. Dann sollen “Treffen eines Haushaltes mit haushaltsfremden Familienmitgliedern oder haushaltsfremden Personen bis maximal zehn Personen insgesamt” erlaubt sein. Kinder bis 14 Jahre sind ausgenommen. Ein generelles Böllerverbot soll es nicht geben, dafür aber keine öffentlichen Feuerwerke, um Massenansammlungen in der Silvesternacht zu vermeiden. In Regionen mit sehr vielen Infektionen soll in Schulen eine generellere Maskenpflicht ab der 7. Klasse eingeführt werden. Am 15. Dezember sollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die 16 Ministerpräsidenten hatten sich am Montagabend auf eine gemeinsame Linie für die Verhandlungen mit dem Bund über weitere Corona-Maßnahmen verständigt. Noch am heutigen Dienstag soll es Abstimmungen zwischen den Staatskanzleien und dem Bundeskanzleramt geben. Am Mittwochvormittag wollen dann erneut die Ministerpräsidenten beraten bevor sie in die Gespräche mit Merkel gehen. Dort sollen dann die endgültigen Entscheidungen fallen. Die Kanzlerin will am Donnerstag eine Regierungserklärung im Bundestag abgeben. Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag 13.554 Neuinfektionen und damit knapp 900 weniger als vor einer Woche. Die Zahl der Todesfälle stieg binnen 24 Stunden um 249. Die sogenannte Sieben-Tagesinzidenz lag laut RKI am Montag bei 143,1. Der Wert gibt an, wie viele Menschen sich innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Einwohnern rechnerisch angesteckt haben. Bund und Länder streben an, den Wert wieder unter die Schwelle von 50 zu drücken.

Die Länder fordern vom Bund, dass er weiter für die angeordneten Schließungen von Gastronomie sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen zahlt. Die Hilfe für Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen soll im Dezember “auf Basis der Novemberhilfe verlängert und das Regelwerk der Überbrückungshilfe III entsprechend angepasst” werden, heißt es in dem Papier. Für November rechnet der Bund mit bis zu 15 Milliarden Kosten für die Entschädigung des Verdienstausfalls. Da der Dezember der umsatzstärkste Monate für viele Gastronomen ist, wird mit einem höheren Betrag für die Fortführung gerechnet. Für mittelbar betroffene Unternehmen solle es Hilfen bis Mitte 2021 geben, fordern die Ministerpräsidenten. In die entsprechenden Förderprogramme seien ausdrücklich auch Schausteller und Marktkaufleute einzubeziehen.

Besonders gefährdete Gruppen soll der Bund ab Anfang Dezember gegen eine geringe Eigenbeteiligung mit insgesamt 15 FFP2-Masken ausstatten. “Im Rahmen der Teststrategie werden je Pflegebedürftigem 20 Schnelltest pro Woche vorgesehen”, heißt es zudem. Da damit gerechnet wird, dass bereits im Dezember Impfstoffe zur Verfügung stehen, wird der Bund aufgefordert, die Länder “auch personell zu unterstützen, Fragen der Impfaufklärung und Haftung schnellstens zu klären und ein elektronisches Impfregister einzurichten”. Der Bund wird zudem um eine Prüfung gebeten, inwieweit der Einsatz von mehr Schnelltests die Quarantäne-Zeit abkürzen kann.

Die Länder können den Beginn der Schulferien auf den 19. Dezember vorziehen. Bei Infektionen von Schülern soll künftig stärker in “Clustern” gehandelt werden. Die mit dem Schüler oder der Schülerin in Kontakt stehende Personen sollen fünf Tage in Quarantäne, die dann durch einen negativen Test aufgehoben werden kann. “Wegen des zeitlich befristeten und anders strukturierten Kontakts werden die Lehrer nicht in die Clusterisolation einbezogen”, heißt es.

Dosierungsfehler könnte sich als Glück für AstraZeneca erweisen

Ein Dosierungsfehler bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs könnte sich für AstraZeneca als Glücksfall herausstellen.

Denn eigentlich aus Versehen verabreichten Wissenschaftler den Studienteilnehmern eine nur halb so hohe Dosis des Impfstoffkandidaten wie vorgesehen. Im Nachhinein erwies sich gerade die niedrigere Dosierung bei der ersten von zwei Impfungen als besonders wirksam im Schutz gegen COVID-19, wie die am Montag veröffentlichten Zwischenergebnisse großangelegter Tests zeigten. “Der Grund, warum wir die halbe Dosierung genommen haben, ist ein glücklicher Zufall”, sagte Mene Pangalos, Chef der nicht-krebsbezogenen Forschung und Entwicklung bei AstraZeneca, der Nachrichtenagentur Reuters.

Kurz nachdem AstraZeneca sich mit der Universität Oxford Ende April bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Corona zusammentat, wurde das Mittel in Großbritannien an Probanden getestet, wie Pangalos erzählte. Die Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- oder Armschmerzen seien milder als erwartet gewesen. “Also sind wir nochmal an den Anfang gegangen und haben gecheckt.” Dabei sei herausgekommen, dass die Dosierung halb so hoch wie vorgesehen war. Weil man den Test mit diesen Personen aber nicht abbrechen wollte, habe man mit einer zweiten Impfung mit der vollen Dosierung weitergemacht.

Gerade dieses Impfschema – eine erste Impfung mit halber Dosis gefolgt von einer vollen Dosis nach einem Monat – habe in der zulassungsrelevanten Studie mit tausenden Probanden eine Wirksamkeit von 90 Prozent gezeigt, erklärte AstraZeneca am Montag. Die Variante mit zwei volldosierten Impfungen ist den Ergebnissen zufolge nur zu 62 Prozent wirksam. Allerdings seien noch mehr Daten erforderlich, betonte Andrew Pollard, Leiter der Impfstoffgruppe der Universität Oxford, gegenüber dem Sender BBC. “Ich denke, das ist ein wirklich aufregendes und verblüffendes Ergebnis, mit dem wir uns weiter befassen müssen.”

Ärzte weiter für Einsatz von Remdesivir bei Corona-Patienten

Trotz einer kritischen WHO-Studie wollen Intensiv- und Notfallmediziner sowie Pneumologen in Deutschland das Medikament Remdesivir zunächst weiter zur Behandlung bestimmter Corona-Patienten einsetzen.

Das geht aus neuen Leitlinien zur stationären Behandlungen vonCOVID-19-Patienten hervor, die mehrere medizinische Gesellschaften am Montag veröffentlichten. “Bei hospitalisierten, nicht beatmeten Patienten mit COVID-19 Pneumonie und Sauerstoffbedarf, kann eine Therapie mit Remdesivir erfolgen”, heißt es in der Empfehlung. “Allerdings ist das eine ganz schwache Empfehlung”, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der Nachrichtenagentur Reuters. Es bleibe den Ärzten freigestellt, ob sie das Mittel der US-Firma Gilead verwenden wollen, das ursprünglich gegen eine Ebola-Erkrankung entwickelt wurde.

Die WHO war vergangene Woche zu dem Urteil gekommen, dass Remdesivir keine Wirkung zeige und hatte sich gegen einen Einsatz bei einer Behandlung im Krankenhaus ausgesprochen. Auch das Bundesgesundheitsministerium hatte aber betont, man warte vor einer Änderung der eigenen Politik auf eine Neubewertung durch die EU-Behörden. Die deutschen Ärzte erwähnen in ihren Leitlinien den neuen WHO-Befund deutlich. Janssens übte aber auch Kritik an der WHO. “Bei der Bewertung eines Medikaments mit einer so hohen Auswirkung erwarte ich schon sauberes wissenschaftliches Arbeiten”, sagte er. So sei die Studie noch nicht abschließend überprüft worden.

Die EU-Kommission hatte Anfang Oktober einen Vertrag mit Gilead über die Lieferung von bis zu 500.000 Dosen Remdesivir in den kommenden sechs Monaten unterzeichnet.

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23. November 2020

Regierung in Luxemburg plant Teil-Lockdown bis Mitte Dezember

Angesichts der hohen Corona-Infektionsrate will die Regierung in Luxemburg einen Teil-Lockdown bis Mitte Dezember verhängen. Der Plan sieht vor, dass Bars, Restaurants, Kinos und Fitnessstudios bis zum 15. Dezember geschlossen bleiben, wie Ministerpräsident Xavier Bettel am Montag mitteilte. Das Parlament werde am Mittwoch über die Maßnahmen abstimmen. Bei einer Zustimmung würden die geplanten Einschränkungen bereits am Donnerstag in Kraft treten.

Geschäfte sollen weiterhin geöffnet bleiben. Die Kunden sind jedoch verpflichtet, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten. In Luxemburgs Nachbarländern gelten bereits ähnliche Maßnahmen.

„Die Situation ist nicht katastrophal, aber wir wollen einen Handlungsspielraum behalten, insbesondere um mittelfristig eine normale Krankenhausversorgung zu gewährleisten“, sagte Bettel.

Luxemburg hat nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl die höchste Infektionsrate in der EU. Die ECDC registrierte in dem Land eine 14-Tage-Inzidenz von 1279 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Derzeit gilt in Luxemburg eine nächtliche Ausgangssperre von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr und die Beschränkung von maximal vier Besuchern pro Haushalt.

Grünen-Haushälter kritisiert soziale Schieflage der Corona-Hilfen

Die von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für 2021 geplante Neuverschuldung von etwa 160 Milliarden Euro stößt bei den Grünen auf Zustimmung.

Ihr haushaltspolitischer Sprecher, Sven-Christian Kindler, warf der Bundesregierung am Montag zugleich vor, die Corona-Hilfen hätten eine soziale Schieflage. Es fehle ein einmaliger Aufschlag bei den Hartz-IV-Zahlungen, um für Arbeitslose und Angestellte im Niedriglohnbereich unter anderem erhöhte Kosten etwa für Hygieneartikel auszugleichen. “Ein Krisenaufschlag von 100 Euro für Erwachsene und 60 Euro für Kinder ist hier der richtige Weg”, sagte Kindler.

Die höhere Kreditaufnahme nannte der Haushaltsexperte “verständlich und richtig”. Zur Krisenbekämpfung seien Kredite unverzichtbar. Scholz plant nach Angaben aus der Koalition für das kommende Jahr mindestens 160 Milliarden Euro an neuen Schulden, wie Reuters am Sonntag berichtet hatte. Dabei sind rund 39,5 Milliarden Euro als “Corona-Unternehmenshilfen” vorgesehen. Die Haushaltspolitiker des Bundestages kommen am Donnerstag zusammen, um letzte Änderungen am Haushaltsentwurf für 2021 vorzunehmen.

EZB – Unternehmen wegen COVID-Krise erheblich verwundbarer

Die EZB warnt angesichts der zweiten Pandemie-Welle vor einer vorschnellen Rücknahme der Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft im Euro-Raum.

Falls die Erholung ausgebremst werde und das Wachstum schwächer als erwartet ausfalle, könnte ein früher Ausstieg aus den Hilfsmaßnahmen die Zahl der Firmenpleiten erheblich steigen lassen, schreibt die Notenbank in einem am Montag veröffentlichten Artikel aus ihrem Finanzstabilitätsbericht. Dies hätte auch Folgen für Banken. Bei einem abrupten Ende der Maßnahmen würden zudem Finanzierungsrisiken zunehmen. Firmen würden dann voraussichtlich noch verwundbarer sein als während des Höhepunkts der globalen Finanzkrise.

Bislang haben laut Europäischer Zentralbank (EZB) die Hilfsmaßnahmen Firmenpleiten aber im Zaum gehalten. Dazu gehörten Kreditgarantien der Regierungen und die Aussetzung von Insolvenzantragspflichten. Unternehmen sollten weiter in der Lage sein, ihre Schulden zu bedienen. Dies setze voraus, dass die Kreditkosten niedrig blieben und sich die Wirtschaftsaktivität und die Zahlungsströme letztendlich erholten, schreiben die Experten.

Die EZB hat zur Eindämmung der Pandemiefolgen umfangreiche geldpolitische Stützungsschritte für Unternehmen auf den Weg gebracht – darunter ein inzwischen 1,35 Billionen Euro schweres Pandemie-Anleihenkaufprogramm. Im Rahmen dieses PEPP getauften Programms erwarb sie unter anderem bis Ende September Firmenanleihen im Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro und kurzfristige Schuldentitel der Unternehmen (Commercial Paper) im Volumen von mehr als 31 Milliarden Euro.

Spahn rechnet mit ersten Corona-Impfungen noch im Dezember

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass noch in diesem Jahr die ersten Bürger in Impfzentren gegen das Corona-Virus immunisiert werden können.

“Es gibt Anlass zum Optimismus, dass es noch in diesem Jahr eine Zulassung für einen Impfstoff in Europa geben wird. Und dann können wir mit den Impfungen sofort loslegen”, sagte Spahn dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (RND/Montag). Er habe die Länder gebeten, dass die Impfzentren bereits Mitte Dezember einsatzbereit seien. Das scheine zu klappen. “Ich habe lieber ein startbereites Impfzentrum, das noch ein paar Tage außer Betrieb ist, als einen zugelassenen Impfstoff, der nicht gleich genutzt wird”, so Spahn weiter.

Deutschland habe sich über die EU-Kommission, bilaterale Verträge und Optionen inzwischen mehr als 300 Millionen Impfdosen für Deutschland gesichert. “Auch bei zwei Dosen pro Impfung hätten wir dann genug für die eigene Bevölkerung und könnten mit anderen Ländern teilen”, sagte Spahn.

Länder auf Kurs zu längerem Teil-Lockdown bis 20. Dezember

Bund und Länder werden am Mittwoch mit großer Sicherheit weiterreichende Corona-Maßnahmen beschließen.

In einer Ländervorlage von Sonntag, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, ist von einer weiteren Schließung von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen bis zum 20. Dezember die Rede. Wenn in einem Bundesland die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz jedoch unter 35 fällt, sollen dort Restaurants auch vorher wieder öffnen dürfen. Sowohl Finanzminister Olaf Scholz (SPD) als auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatten zuvor gesagt, dass sie von einer Verlängerung der Schließung rechnen. Bis zum Abend blieb jedoch zunächst unklar, welche der 16 Landesregierungen die jüngsten Vorschläge mittragen.

Das Papier sieht auch weitere Kontaktbeschränkungen vor. So sollen private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten auf den eigenen und einen weiteren Haushalt, “jedoch in jedem Falle auf maximal fünf Personen beschränkt” werden. Kinder bis 14 Jahre seien ausgenommen. Vorgesehen ist ein Verbot des Verkaufs, Kaufs und Zündens von Feuerwerk zu Silvester. Für Schulen soll es eine Kombination von Verschärfungen mit gleichzeitiger regionaler Unterscheidung geben. So soll in Regionen mit einer Inzidenz von deutlich mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner ab der 7. Klasse und Berufschulen ein Mundschutz vorgeschrieben werden. Schulen ohne Infektionsgeschehen sollten davon aber ausgenommen werden. Darauf hatte vor allem Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gedrungen.

Die Vorstellungen ähneln früheren Vorschläge der SPD-Länderseite. In einem Punkt wird aber auch eine Anregung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufgegriffen: Bei einer Infektion in einer Klasse soll diese mit den betroffenen Lehrkräften für fünf Tage in Quarantäne geschickt werden. Diese kann dann mit einem negativen Schnelltest aufgehoben werden. Dies soll verhindern, dass mehr und mehr Schüler für Wochen in Isolation bleiben müssen.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Kanzlerin Angela Merkel hatten am Sonntag betont, dass die bisherigen Maßnahmen nicht den erhofften Rückgang der Infektionszahlen gebracht hätten. Allerdings hieß es am Abend, es gebe über einige Punkte keine Einigung. Eine Schalte der Staatskanzleien mit dem Bund soll erst am Dienstag stattfinden. Die Länder wollten sich zunächst untereinander abstimmen.

Die Verlängerung der Schließung von Gastronomie ist aus Ländersicht weniger problematisch, weil der Bund wie im November die Verdienstausfälle für die Gastronomie zahlen soll. Scholz wollte am Sonntagabend auf Nachfrage nicht sagen, auf welche Kosten sich eine weitere Schließung der Restaurants summierten. In dem Papier werden die Kosten allein für November mit 15 Milliarden Euro angeben. Bisher war man von Kosten bis 14 Milliarden ausgegangen. Der Dezember gilt als umsatzstärkster Monat der Gastronomie.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag 15.741 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen 24 Stunden – etwas weniger als vor einer Woche, als 16.947 neue Ansteckungen gemeldet wurden.

Zeitung – BioNTech-Impfstoff könnte in Kürze britische Zulassung bekommen

Der Corona-Impfstoff des Mainzer Biotechunternehmens BioNTech und des US-Pharmakonzerns Pfizer könnte einem Medienbericht zufolge bereits in den kommenden Tagen eine Zulassung in Großbritannien erhalten.

Die britischen Aufsichtsbehörden seien kurz davor, mit einer offiziellen Bewertung des Mittels zu beginnen, berichtete der “Telegraph” am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise. Der Nationale Gesundheitsdienst NHS sei angewiesen worden, sich für eine Verabreichung ab dem 1. Dezember bereitzuhalten. Das Gesundheitsministerium in London äußerte sich nicht dazu, ab wann mit ersten Impfungen begonnen werden könne.

Am Freitag hatten die beiden Unternehmen bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt. Die FDA will am 10. Dezember darüber beraten, ob sie grünes Licht für den Impfstoff gibt.

Auch Pharmariese AstraZeneca meldet Durchbruch bei Corona-Impfstoff

Der Pharmakonzern AstraZeneca und die Universität Oxford haben einen Durchbruch bei der gemeinsamen Entwicklung eines Corona-Impfstoffs gemeldet.

Das Unternehmen präsentierte am Montag vorläufige Studienergebnisse. Es stellte eine Wirksamkeit des Impfstoffs von etwa 90 Prozent in Aussicht. “Die Wirksamkeit und Sicherheit dieses Impfstoffs bestätigen, dass er hochwirksam gegen Covid-19 sein wird und unmittelbare Auswirkungen auf den aktuellen Gesundheitsnotstand haben wird”, erklärte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock wertete die Daten als “fantastische Nachrichten”. “Wir haben 100 Millionen Dosen bestellt, und wenn alles gutgeht, wird der Großteil der Auslieferung im neuen Jahr sein”, sagte er dem Sender Sky News.

Das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer waren die weltweit ersten Unternehmen, die erfolgreiche Daten aus der zulassungsrelevanten Studie mit einem Corona-Impfstoff vorgelegt hatten. Später zog der US-Biotechkonzern Moderna nach.

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21. November 2020

USA: 251.715 Corona-Todesfälle seit Beginn der Pandemie

Das U.S. Center for Disease Control and Prevention (CDC) teilte am Freitag mit, dass sich seit Beginn der Pandemie 11.650.817 Menschen in den USA mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben. 185.095 Fälle wurden innerhalb der letzten 24 Stunden registriert. Die Zahl der coronavirusbedingten Todesfälle stieg um 2.045 auf 251.715 angestiegen.

Donald Trump Jr. positiv auf COVID-19 getestet

Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten Donald Trump, wurde diese Woche positiv auf COVID-19 getestet, obwohl er nach Angaben seines Sprechers keine Symptome aufweist.

Trump Jr. wurde zu Beginn der Woche positiv getestet und befindet sich seit dem Ergebnis „in Quarantäne“, sagte der Sprecher.

„Er ist bisher völlig asymptomatisch und befolgt alle medizinisch empfohlenen COVID-19-Richtlinien“, so der Sprecher weiter.

Andrew Giuliani, der Sohn des persönlichen Anwalts des Präsidenten, Rudy Giuliani, teilte ebenfalls mit, dass er am Freitag positiv auf COVID-19 getestet wurde.

Appell an G20 zur Schließung von Milliardenlücke im globalen Kampf gegen Corona-Pandemie

Kurz vor dem G0-Gipfel sind die Teilnehmer aufgerufen worden, zur Schließung einer Milliardenlücke bei einer Initiative zur Bekämfung der Corona-Pandemie auch in Entwicklungsländern beizutragen. Die sieben führenden Industrienationen und 13 Schwellenländer könnten damit „unmittelbar Leben retten“, schrieben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, die norwegische Regierungschefin Erna Solberg und Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa in einem Brief, den die Nachrichtenagentur AFP am Freitag einsehen konnte.

Von der Leyen, Tedros, Solberg und Ramaphosa heben in dem auf den 16. November datierten Schreiben hervor, dass bei der WHO-Initiative ACT Accelerator eine Finanzierungslücke von 4,5 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) klaffe. ACT Accelerator soll in aller Welt eine gerechte Verteilung von Impfungen und anderen Gegenmitteln gegen das neuartige Coronavirus sowie von Ausrüstung zur Diagnostik von COVID-19 sicherstellen.

Die Autoren des Briefs riefen die G20-Staaten auf, bei ihrem in Saudi-Arabien virtuell ausgerichteten Gipfel am Wochenende zuzusagen, hier „substantiell zu investieren“. Dadurch könnten sie „den Grundstein legen für die Massenbeschaffung und -lieferung von Mitteln gegen COVID-19 in aller Welt und eine Exit-Strategie hinaus aus dieser globalen wirtschaftlichen und humanitären Krise liefern“.

Das Schreiben war an Saudi-Arabiens König Salman gerichtet, der dieses Jahr den Vorsitz des G20-Gipfels innehat. Eine Reaktion auf das Schreiben aus Riad gab es zunächst nicht.

Etwa ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie sind Massenimpfungen gegen den Erreger mittlerweile in greifbare Nähe gerückt. Das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer beantragten am Freitag eine Notfallzulassung ihres Corona-Impfstoffs in den USA, auch das US-Biotechnologieunternehmen Moderna will bald einen Impfstoff auf den Markt bringen.

Viele Experten befürchten aber, dass reiche Länder sich praktisch alle Impfdosen sichern und Entwicklungsländer das Nachsehen haben. Auch UN-Generalsekretär António Guterres mahnte am Freitag erneut, Corona-Impfstoffe müssten „alle erreichen“.

Der Kampf gegen die Corona-Krise steht am Samstag, dem ersten von zwei Gipfeltagen, ganz oben auf der Agenda der G20. An den Beratungen nimmt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.

Weltweit wurden bereits mehr als 55 Millionen Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Mehr als 1,3 Millionen Infizierte starben.

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