Corona-Update: Die Lage in Europa

Österreich liegt im europäischen Mittelfeld bei der Impfgeschwindigkeit. [CHRISTIAN BRUNA/EPA]

Einige Länder in Europa hat die „dritte Welle“ voll erwischt. In anderen sinken die Inzidenzen. Auch bei den Impfungen gehen die Zahlen auseinander. Und wie steht es um die Reisefreiheit in Europa?

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle.

Wie steht es um die „dritte Welle“?

Nach einer Erholung zum Jahresanfang ist die Sieben-Tages-Inzidenz in Europa seit Mitte Februar erneut um mehr als 40 Prozent auf nun etwa 240 Neuinfektionen gestiegen (Stand 18.03.2021). Innerhalb der Europäischen Union ist sie laut Statistikportal der Universität Oxford „Our World in Data“ sogar um 60 Prozent gestiegen – auf täglich 318 bestätigte Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der zurückliegenden sieben Tage. Doch die „dritte Welle“ rollt nicht überall heran.

Während Estland derzeit den dramatischsten Anstieg verzeichnet, dort hat sich die Inzidenz seit Anfang Februar auf derzeit über 1100 verdreifacht, ist das Infektionsgeschehen bei den Nachbarn Lettland, Litauen und Russland weiter rückläufig. Auch die Kurven in Großbritannien und der iberischen Halbinsel zeigen bisher keine Anzeichen einer dritten Welle.

Deutliche Inzidenz-Anstiege verzeichnen hingegen die Länder in Mittel- und Südosteuropa, angeführt von Tschechien, Montenegro und Ungarn. Auch in Deutschland hat sich der Inzidenzwert in den vergangenen vier Wochen nahezu verdoppelt, allerdings auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Derzeit sinkt die Zahl der Todesfälle im europäischen Durchschnitt weiter. Ob dies jedoch bedeutet, dass das Risiko eines tödlichen Verlaufs sinkt, wird sich erst in ein bis zwei Wochen überprüfen lassen, so lang ziehen sich tödliche Krankheitsverläufe nämlich meist hin.

Eine klare Korrelation zwischen dem Verlauf des Infektionsgeschehens und dem Fortschritt der Impfkampagne ist länderübergreifend übrigens bislang nicht zu erkennen.

Polnisches Team impft die NATO-Belegschaft

Mehr als 20 polnische Mediziner werden am kommenden Donnerstag nach Brüssel fliegen, um dort 3.500 Angestellte des NATO-Hauptquartiers mit dem Impfstoff von Astrazeneca aus polnischen Beständen zu impfen.

Wie laufen die Impfkampagnen?

Wenn Israel Impf-Weltmeister ist, ist Großbritannien Europameister. Per 19. März wurden im Vereinigten Königreich laut „Our World in Data“ 41,65 Impfdosen pro 100 Einwohner injiziert. Unter den europäischen Flächenstaaten folgt in dieser Liste Ungarn mit einem Wert von 20,65. Der europäische Durchschnitt liegt mit 12,92 etwas über dem der EU (12,54) und dem Wert Deutschlands (12,25).

Großbritannien hatte seine Impfkampagne zwei Wochen früher begonnen als die Länder der Europäischen Union. Die Impfungen erfolgen dort auch mit höherem Tempo, denn es werden keine Dosen für die Zweitimpfung zurückgehalten. Dadurch werden dort bereits Unter-60-Jährige geimpft, auch wenn sie zu keiner Risikogruppe gehören. Die Regierung in London rechnet damit, dass sie bis Juli allen Erwachsenen eine Impfung anbieten können.

Dabei funktioniert in Großbritannien offenbar nicht nur die Organisation besser. In den EU-Staaten mangelt es auch an Impfdosen. Einige Länder, darunter Ungarn, verimpfen mittlerweile auch das russische Vakzin Sputnik V, das die in der EU zuständige Behörde EMA noch nicht zugelassen hat.

EU-Vermittler kehrt mit leeren Händen aus Georgien zurück

Nach einer Woche mit zahlreichen Verhandlungen in Georgien kehrt der Sondergesandte des EU-Ratspräsidenten Charles Michel mit leeren Händen nach Brüssel zurück. Er hatte erfolglos versucht, Lösungen für die politische Pattsituation im Kaukasusland zu vermitteln.

Wie geht man mit dem Impfstoff von AstraZeneca um?

Eine zusätzliche Verzögerung bei der Impfkampagne hat es in vielen Ländern wegen der Wirren um den Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca gegeben. Von Anfang an hatte das Vakzin nicht nur in Deutschland ein Akzeptanzproblem: Zum einen gilt es als weniger wirksam als die Produkte von BioNTech-Pfizer und Moderna. Zudem ruft es bei vielen Patienten stärkere Nebenwirkungen hervor, wie kurzes Fieber und Unwohlsein. Das hat beispielsweise in Deutschland dazu geführt, dass Menschen Impftermine verstreichen ließen, wenn sie erfuhren, dass sie das AstraZeneca-Vakzin erhalten sollten.

Mitte März dann wurden einzelne Fällen bekannt, bei denen der Impfstoff lebensgefährliche Blutgerinsel im Gehirn ausgelöst haben könnte – insbesondere bei Frauen mittleren Alters. Daraufhin setzten weltweit viele Länder die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff aus. Großbritannien – wo das Mittel entwickelt wurde – nicht.

Mittlerweile verimpfen einige Länder, darunter Deutschland, das Medikament wieder. Spanien will im Laufe der kommenden Woche weitermachen. In Frankreich soll das Präparat nur noch Menschen über 55 Jahren verabreicht werden. Das Thromboserisiko nimmt allgemein nach dem 50. Lebensjahr signifikant ab. Die skandinavischen Staaten wollen weitere Untersuchungen abwarten, bevor sie entscheiden.

Deutschland und andere EU-Länder nehmen Astrazeneca-Impfungen wieder auf

Die Impfungen mit dem Präparat sollen noch im Laufe des Freitags fortgesetzt werden – allerdings mit Warnhinweisen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ankündigte.

Wie wird die Reisefreiheit eingeschränkt?

Die gute Nachricht: Einige beliebte Urlaubsregionen gelten – zumindest aus Sicht der die deutschen Behörden – derzeit nicht mehr als Risikogebiet, darunter die spanische Insel Mallorca, die Algarve in Portugal und die kroatische Halbinsel Istrien. Das einzige Land, das gerade insgesamt nicht als Risikogebiet gilt, ist Island.

Theoretisch ist Urlaub auch anderswo möglich, aber das deutsche Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor nicht unbedingt notwendigen Reisen in die meisten europäischen Länder, weil das Robert-Koch-Institut in Berlin sie weiterhin ganz oder teilweise als Risiko- oder gar Hochinzidenzgebiete eingestuft.

Für alle, die Europas Grenzen überqueren wollen, sind die Regularien kompliziert, wie das Beispiel Deutschland zeigt. Die Einreise aus Risiko- oder Hochinzidenzgebieten in die Bundesrepublik ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums an diverse Bedingungen geknüpft: Zunächst muss man eine Einreise digital anmelden, ersatzweise ist auch die Papierform zulässig. Nach der Einreise sind mindestens fünf Tage häusliche Quarantäne einzuhalten. Zudem muss man binnen 48 Stunden nachweisen, dass man nicht mit COVID-19 infiziert ist.

Sechs Fakten zu den Corona-Zertifikaten der EU

Die EU-Kommission will eine unionsweite Impfbescheinigung für Reisen aufsetzen. Das vorgeschlagene Impfzertifikat solle dabei nicht als „zweiter Reisepass“ angesehen werden. Es gibt jedoch nach wie vor Bedenken.

Einen weiteren Test können die deutschen Behörden bis zehn Tage nach der Einreise fordern, insbesondere wenn die Quarantäne nach fünf Tagen enden soll, sonst dauert sie zehn Tag. Einreisen aus Regionen, in denen eine neue Virusvariante grassiert, sind derzeit nahezu ausnahmslos verboten.

In anderen europäischen Ländern gelten teils noch strengere Einreisebedingungen. Die meisten verbietet Reisen ohne triftigen Grund ganz, fast alle verlangen negative Corona-Test, vor allem, wenn Einreisende länger als 48 Stunden im Land bleiben will. Das gilt insbesondere für klassische Oster-Urlaubsländer wie Österreich und Griechenland. In der Schweiz müssen Einreisende aus Risikogebieten ohne Umschweife in eine zehntägige Quarantäne. Ab diesem Montag zählt für die Schweizer Behörden in Deutschland nur noch das Bundesland Thüringen dazu.

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