Corbyn will sich Entschluss über neues Brexit-Referendum anschließen

Der EU-kritische Labour-Chef Jeremy Corbyn macht sich nicht selber für ein neues Referendum stark, will sich dem Willen der Partei aber beugen. [EPA-EFE/Tolga Akmen]

Da sich in Großbritannien die Rufe nach einem neuen Brexit-Referendum mehren, hat sich der Chef der oppositionellen Labour-Partei bereit erklärt, der anstehenden Entscheidung der Partei Folge zu leisten.

Bis kommenden Mittwoch möchte die Labour-Partei auf einem viertägigen Parteitag in Liverpool darüber abstimmen, ob sie ein neues Referendum fordern wird. Zwar rufe er selbst nicht zu einem neuerlichen Referendum auf, er werde sich der Entscheidung jedoch beugen, sagte Corbyn dem „Sunday Mirror“. In Liverpool demonstrierten derweil rund 5000 Menschen für ein zweites Brexit-Referendum.

Laut einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage für die Zeitung „The Observer“ sind 86 Prozent der Labour-Anhänger dafür, die Bevölkerung in einem zweiten Referendum über die Ergebnisse der Austrittsverhandlungen mit der EU abstimmen zu lassen. Nur acht Prozent der Labour-Anhänger sind gegen ein solches Referendum. Mehrere Labour-Abgeordnete und ranghohe Parteivertreter, darunter Londons Bürgermeister Sadiq Khan, haben sich ebenfalls für ein zweites Brexit-Referendum ausgesprochen.

Das Tauziehen um den Brexit

Täglich hören die Briten neue Warnungen vor einem No-Deal-Weltuntergang. Der Weg aus der EU hinaus ist immer noch ein sehr weiter.

In Liverpool fand am Sonntag eine Großdemonstration für ein zweites Referendum statt, bei der Plakate wie „Es ist noch nicht zu spät“ oder „Jeremy, hör auf uns“ hochgehalten wurden. Corbyn müsse auf die Parteimitglieder hören, sagte die 60-jährige Demonstrantin Claire Hallett: „Als Parteichef kann er nicht nur nach seiner eigenen Meinung gehen, er muss die Meinung der Partei vertreten.“ Corbyn sprach sich angesichts der Schwäche der konservativen Premierministerin Theresa May derweil für Neuwahlen aus. „Die Regierung sieht nicht sehr stark aus“, sagte er der BBC. Labour sei für Neuwahlen bereit.

Weiteres wichtiges Thema des viertägigen Labour-Parteitags dürften Antisemitismusvorwürfe sein. Corbyn zählt zum Linksaußen-Flügel der Partei, der als äußerst propalästinensisch gilt. Schon seit seiner Wahl 2015 wird ihm vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen antisemitische Äußerungen in den eigenen Reihen vorzugehen. Auch Corbyn selbst sah sich immer wieder dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt. Im August hatte Corbyn schließlich ein „echtes Problem“ mit Antisemitismus in seiner Partei eingeräumt. Anfang September nahm die Parteispitze eine internationale Antisemitismus-Definition in ihre Statuten auf.

Es sei derzeit „schwierig“, als Jüdin Mitglied der Labour-Partei zu sein, sagte die Abgeordnete Ruth Smeeth bei einem Treffen des Jewish Labour Movement am Rande des Parteitags am Sonntag. „Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommen würde. Doch wir werden diesen Kampf gewinnen.“

Weitere Informationen

Angst vor dem "No Deal"-Brexit

In Salzburg kommen die Staats- und Regierungschefs der EU zu einem informellen Gipfel zusammen. Es wird auch um den Brexit gehen, denn die Zeit drängt. Ratspräsident Donald Tusk warnt vor "einer Katastrophe".

"Sackgasse" beim Thema Geld: Fünfte Brexit-Verhandlungsrunde bringt kaum Fortschritte

EU-Chefverhandler Barnier teilte mit, beim EU-Gipfel kommende Woche könnten Gespräche über zukünftige Handelsbeziehungen noch immer nicht gestartet werden.

Subscribe to our newsletters

Subscribe