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24/01/2017

Bundestag: Massaker an Armeniern war Völkermord

EU-Innenpolitik

Bundestag: Massaker an Armeniern war Völkermord

Bundestagspräsident Norbert Lammert.

[Heinrich-Böll-Stiftung/Flickr]

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren als Genozid bezeichnet – und seine Verurteilung der Geschehnisse noch schärfer formuliert als zuvor bereits Joachim Gauck.  Die Regierung in der Türkei bestreitet hingegen noch immer, dass es sich bei den Gräueltaten um einen Völkermord gehandelt habe.

Das Massaker osmanischer Truppen an Armeniern vor 100 Jahren war aus Sicht von Bundestagspräsident Norbert Lammert ein Genozid.

„Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat unter den Augen der Weltöffentlichkeit war ein Völkermord“, sagte Lammert in Berlin zum Auftakt einer Debatte zum Gedenken an die Ermordung Hunderttausender Armenier. Es sei nicht der einzige Völkermord im 20. Jahrhundert sagte der CDU-Politiker weiter in Anspielung auf die Vernichtung der Juden während der Nazi-Herrschaft in Deutschland. Aus Respekt vor den Opfern dürften die damaligen Verbrechen weder verdrängt noch beschönigt werden. Zuvor hatte er auf die Proteste in der Türkei verwiesen, aus deren Sicht es keinen Genozid an Armeniern gegeben hat.

Im Mittelpunkt der Bundestagsdebatte steht ein Antrag, in dem erstmalig die Massaker mit einem Genozid gleichgesetzt werden. Bereits am Donnerstagabend hatte Bundespräsident Joachim Gauck von einem Völkermord gesprochen. „Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist“, hatte Gauck bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom gesagt.

Die Türkei räumt ein, dass osmanische Truppen bei Massakern und Deportationen 1915 und 1916 armenische Christen töteten. Die Regierung bestreitet aber, dass es Hunderttausende waren und dass es ein Völkermord gewesen sein soll. Nach Schätzungen wurden damals möglicherweise bis zu eineinhalb Millionen Menschen umgebracht.