Brüssel bemängelt Frankreichs Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Frankreichs Jugendgarantie soll 100.000 Jugendlichen aus der Arbeitslosigkeit helfen. Foto: Margot Gabel/Flickr

Frankreich hat grünes Licht für die Finanzierung der Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit bekommen. Doch die EU-Kommission mahnt, es gebe noch zahlreiche Mängel auszumerzen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Das französische Programm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist von der EU-Kommission abgesegnet worden – zumindest grundsätzlich.

Frankreich profitiert somit als erstes Land von den sechs Milliarden Euro, die die EU bewilligt hat, um die Jugendarbeitslosigkeit in den davon am stärksten betroffenen Regionen zu bekämpfen. Konkret sollen in 20 der insgesamt 28 EU-Staaten jene Landesteile unterstützt werden, in denen mehr als 25 Prozent der jungen Menschen arbeitslos sind. Frankreich erhält dafür anteilig 620 Millionen Euro für die Jahre 2014 und 2015 aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus der Jugendbeschäftigungsgarantie.

Die europäischen Gelder sollen von Frankreich ins Leben gerufene Programme fördern, deren Ziel es ist, mehr Jugendliche in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen. Dazu gehören zum Beispiel die Projekte „Jugendgarantie“ und „Zweite Chance“. „Frankreich ist das drittgrößte Stifterland, nach Spanien und Italien“, sagte der französische Arbeitsminister, François Rebsamen.

Bemühungen sind ungenügend

Doch obwohl sich Frankreich die EU-Unterstützung gesichert hat, stellt die Europäische Kommission nach wie vor die Tauglichkeit der Maßnahmen in Frage. „Die öffentlichen Dienstleister, die Jugendbeschäftigung unterstützen sollen – sogenannte ‚Lokale Vertretungen‘ – tun sich damit schwer, Jobsuchenden passende Hilfe anzubieten“, betonte die EU-Kommission in ihren Empfehlungen zu Frankreichs nationalem Reformprogramm für 2014, die am zweiten Juni herausgegeben wurden. Der Kommission zufolge sind Frankreichs Bemühungen, die Maßnahmen zu erfüllen, „ungenügend“.

„Die tatsächliche Qualität der Hilfsmaßnahmen, die Seminare zum Schreiben des Lebenslaufs und Simulationen von Bewerbungsgesprächen beinhalten, ist momentan noch unübersichtlich. Zudem greift die Garantie nur einen geringen Teil der gesamten Jugendarbeitslosigkeit an. Schließlich sind insgesamt 674.000 junge Menschen als arbeitslos registriert“, stellt die Kommission fest.

Die Jugendgarantie erreicht nicht alle alle jungen Arbeitslosen

Momentan unterstützt die französische Jugendgarantie nur 10.000 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, die keinen Job, Studien- oder Ausbildungsplatz haben – sogenannte NEET. Ab Oktober sollen 20.000 weitere Menschen von dem Programm profitieren. Erst 2016 wird es schließlich ganz Frankreich umfassen. Eigentliches Ziel ist es, jährlich 100.000 junge Arbeitssuchende zu unterstützen.

Doch selbst wenn das französische Projekt seine Planziele erfüllen sollte, würde es nur eine Minderheit der NEET-Jugendlichen erreichen. Schuld daran ist der Kommission zufolge die mangelnde Koordination zwischen den Trägern der Jugendgarantie. „Frankreich hat keine zentrale Anlaufstelle für Informationen eingerichtet“, heißt es in den Empfehlungen.

Das europaweite Jugendgarantie-Programm wurde im Februar 2013 beschlossen, um die ausufernde Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen. Menschen unter 25 sollen dabei unterstützt werden, innerhalb der ersten vier Monate nach dem Schulabschluss einen Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsplatz zu finden. In Europa sind rund sechs Millionen junge Menschen ohne Arbeit. Sie kosten die EU-Länder Schätzungen zufolge jährlich rund 153 Milliarden Euro an Arbeitslosenleistungen, Verdienst- und Steuerausfällen.

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