Britische Airlines warnen vor Brexit-Bruchlandung

Großbritanniens Fluggesellschaften fürchten Turbulenzen, wenn das Land im März 2019 aus der EU austritt. [EPA-EFE/SASCHA STEINBACH]

Die britische Luftfahrtindustrie erwartet einen chaotischen Brexit. Der Sektor mit einem jährlichen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Die britische Luftfahrtindustrie ist die größte in Europa und weltweit die Nummer zwei hinter den USA.

Sie ist auch einer der Wirtschaftssektoren, der besonders auf Regulierungen angewiesen ist und dementsprechend durch einen harten, ungeordneten Brexit besonders geschädigt werden könnte – beispielsweise, wenn das Vereinigte Königreich aus den Programmen des europäischen Lufttraums und der Vereinheitlichung des Flugverkehrsmanagements (Single European Sky Air Traffic Management Research, SESAR) ausgeschlossen würde.

Die bestehenden Regeln der Welthandelsorganisation würden kein ausreichendes Auffangnetz darstellen. Ohne ein entsprechendes Ersatzabkommen mit der EU würden britische Airlines somit ihren Status als Luftfahrtunternehmen des europäischen Wirtschaftsraums (EWR) verlieren und dürften keine innereuropäischen Flüge mehr durchführen.

Einige Flugunternehmen wappnen sich bereits für das Worst Case-Szenario: Easyjet will einen gesonderten EU-Ableger aufbauen – zu geschätzten Kosten von rund 11,4 Millionen Euro. Der irische Konkurrent Ryanair hat derweil Anfang dieses Monats einen Antrag auf eine britische Luftfahrt-Betriebsgenehmigung gestellt.

In einem am Montag veröffentlichten Bericht des Industrieverbandes European Business Aviation Association (EBAA) heißt es, ein „Beibehalten des Status Quo“ nach dem Brexit sei das einzige Modell, das eine massive Beeinträchtigung der britischen Luftfahrtindustrie verhindern würde.

Eine weitere Mitgliedschaft Großbritanniens im EWR sei sowohl für britische als auch für europäische Luftfahrtunternehmen „höchst wünschenswert“; eine Einigung nach dem Vorbild des Abkommens zwischen der Schweiz und Brüssel wäre zumindest eine „gute Alternative“, so die EBAA. Letzteres sei jedoch ein „unwahrscheinliches Szenario“.

Schleppende Brexit-Verhandlungen: Transportindustrie warnt vor "tiefem Graben"

Wenn es bei den Brexit-Verhandlungen bis September 2018 keine Einigung gibt, kommt es zu „tiefen Gräben“ im europäischen Straßen-, Luft- und Schiffsverkehr, warnen Industrievertreter gegenüber EURACTIV.com.

Während die britischen Airlines und die nationale Behörde für zivile Luftfahrt Teil der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bleiben wollen, hat die Regierung von Theresa May mehrfach erklärt, Großbritannien könne mit dem Austritt aus dem Binnenmarkt kein Mitglied irgendeiner EU-Agentur bleiben.

Auch die Europäische Kommission machte vergangene Woche deutlich, dass eine Mitgliedschaft in der EASA nach dem Brexit „nicht möglich“ sei. Stattdessen könne ein Luftfahrtabkommen geschlossen werden, dass den Vereinbarungen der EU mit den USA und Kanada ähnelt.

In einer Rede im September hatte Andrew Haines, Chef der britischen Behörde für zivile Luftfahrt, erklärt: „Es ergibt keinen Sinn, erneut eine nationale Regulierungsbehörde aufzubauen. Im besten Fall würde diese Behörde den Großteil der europäischen Regeln kopieren, was einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Im schlimmsten Fall baut man unnötige Hindernisse auf.“

Auch Robert Balthus, Geschäftsführer der EBAA, sagte gegenüber EURACTIV, die EASA werde die Haupt-Agentur für den europäischen Flugverkehr bleiben. Er erinnerte auch daran, dass Großbritannien eines der „stärksten Gründungsmitglieder“ der Agentur mit Sitz in Köln war.

Bauchgefühl reicht nicht

Balthus kritisierte eine der Lieblingsphrasen der britischen und europäischen Verhandler: „Diese Aussage, dass nichts vereinbart ist, bevor alles vereinbart ist, ist sehr gefährlich. Diese Unsicherheit hat einen großen Einfluss auf jeden Teil unseres aktuellen Handelns.“

Er unterstrich: „Unsere Mitglieder müssen wissen, wo wir tatsächlich stehen…Ein bloßes Bauchgefühl ist einfach nicht genug.“

Bei einem Treffen der EU-Außenminister am Montag wurden die Richtlinien für eine mögliche zweijährige Übgergangsphase nach dem Brexit angenommen. Der britische Brexitminister David Davis hofft nun, dass eine solche Übergangsperiode, in der Großbritannien weiterhin Zugang zum gesamten EU-Binnenmarkt haben würde, Ende März beschlossen wird.

Aus Sicht von Balthus wäre ein solcher Übergang zwar ein wichtiger Schritt, doch er und der Rest der Industrie bereiten sich eindeutig auf Turbulenzen vor: „Das System funktioniert, wie es ist….jegliche Änderungen werden unser Leben schwieriger machen.“

Er warnte: „Wir wollen, dass die britischen und die EU-Führungen ganz klar verstehen, was passieren wird.“

Fluglinien: Der Auszug aus Großbritannien beginnt

Die englische Fluglinie Easyjet zieht die Konsequenzen aus dem Brexit. Sie hat in Österreich um eine Fluglizenz angesucht.