„Brexilanten“: Immer mehr Briten beantragen zweite Staatsbürgerschaft

Von Königreich zu Königreich: Briten bemühen sich verstärkt um die schwedische (Zweit-) Staatsbürgerschaft. [Shutterstock]

Da nach wie vor nicht klar ist, welche Rechte Briten nach dem Brexit in den verbleibenden EU-Ländern haben, scheinen sich immer mehr von ihnen nach alternativen Staatsbürgerschaften umzusehen. Aus Schweden wurde nun zum zweiten Mal eine Rekordzahl an potenziellen „Brexilanten“ gemeldet.

Laut Angaben der schwedischen Migrationsbehörde verdreifachte sich die Zahl der britischen Staatsbürger, die die schwedische Staatsbürgerschaft beantragten, im Referendums-Jahr 2016 von 511 auf 1616. Auch 2017 setzte sich der Trend fort: Bislang wollten 1718 Briten Schweden werden. Damit haben sich seit dem Referendum im Juni 2016 fast 3000 Menschen von den Inseln auf die schwedische Staatsbürgerschaft beworben.

Auch aus anderen EU-Staaten werden derartige auffällige Anstiege von Fällen gemeldet, in denen Briten entweder eine zweite Staatsbürgerschaft erhalten oder ihre bisherige komplett aufgeben wollen.

Letzteres hängt von den Systemen der jeweiligen Staaten ab. So erlaubt Schweden seit 2001 die doppelte Staatsbürgerschaft; in Ländern wie dem bei Briten beliebten Spanien muss der alte Pass hingegen „eingetauscht“ werden.

Während in Spanien die Wechsel-Anträge aus diesem Grund weniger stark gestiegen sind, gab es in Irland zwischen Juni 2016 und jetzt fast 9000 solcher Anträge – im Vergleich zu 689 Ersuchen im kompletten Jahr 2015, teilte die irische Botschaft in London mit.

Das deutsche Statistische Bundesamt hat für 2017 noch keine Daten veröffentlicht, doch bereits 2016 gab es einen deutlichen Anstieg an Briten, die Deutsche werden wollten: Von 622 Anträgen im Jahr 2015 schnellte die Zahl auf 2685. Der Nachbarstaat Dänemark meldet eine Verdopplung der Anträge zwischen 2015 und 2016.

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Gar nicht so einfach

Im Falle von Schweden warten allerdings Hindernisse auf die (noch) britischen Staatsbürger. Das Land steckt in einem tiefen Streit über die Reisefreiheit sowie persönliche Rechte.

Nach Ansicht der EU Rights Clinic, einer Vereinigung, die sich für die Umsetzung von EU-Rechten einsetzt, bricht Schweden mit seiner strikten Anwendung von Regelungen zur sogenannten „personnummer“ EU-Recht. Mit dieser Nummer wird praktisch alles – von der Gesundheitsvorsorge bis zum Bankkonto – abgewickelt. Sie wird derzeit nur an EU-Bürger vergeben, die beweisen können, dass sie seit mindestens einem Jahr in Schweden leben. Nach EU-Recht sollten EU-Bürger allerdings bereits nach drei Monaten für die personnummer berechtigt sein.

Die Europäische Kommission hatte den Fall bereits 2007 untersucht. Daraufhin beteuerte die schwedische Führung, man wolle das Problem lösen. Auch beim Europäischen Parlament sind eine Reihe von Petitionen und Beschwerden eingegangen.

Mitte November hatte die EU Rights Clinic eine weitere Beschwerde an die Kommission gerichtet. Demnach sollten Vertragsverletzungsverfahren gegen Stockholm eingeleitet werden, da die Bewegungsfreiheit angegriffen und Menschen aufgrund der limitierten Vergabe der personnummer die Teilhabe am alltäglichen Leben verwehrt werde.

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