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18/01/2017

Boris Johnson: Vor Brexit-Antrag erst „den eigenen Laden in Ordnung bringen“

EU-Innenpolitik

Boris Johnson: Vor Brexit-Antrag erst „den eigenen Laden in Ordnung bringen“

Der britische Außenminister Boris Johnson

Foto: Stuart Boulton / shutterstock

Großbritannien hat laut seinem Außenminister Boris Johnson noch viel Arbeit vor sich, bevor es den Antrag auf den Brexit stellen kann. Eine Umfrage unter britischen Firmenchefs verheißt für die Zeit danach nichts Gutes.

Zunächst müsse der eigene Laden in Ordnung gebracht werden und dies dauere, sagte der britische Außenminister Boris Johnson am Sonntag dem Sender BBC. Danach dürfe sich der Austrittsprozess jedoch nicht länger hinziehen. Vergangene Woche hatte Johnson erklärt, er rechne mit einem Antrag nach Artikel 50 des Vertrags von Lissabon Anfang kommenden Jahres. Premierministerin Theresa May hat wiederholt erklärt, ihre Regierung werde den Antrag nicht mehr in diesem Jahr stellen.

Der am Wochenende von der Parteibasis im Amt bestätigte Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, forderte die Regierung auf, das Parlament umfassend über ihre Austritts-Strategie zu informieren. Ebenfalls in der BBC reagierte er auf Äußerungen Mays, die Volksvertretung werde in das Verfahren zwar eingebunden, die Verhandlungen werde aber sie führen und auch das letzte Wort darüber haben, welches Abkommen ihr Land abschließe.

Zusatzlasten für den EU-Haushalt durch den Brexit sind politisch sensitiv

Das Vereinigte Königreich ist nach Deutschland und Frankreich in absoluter Höhe der größte Nettozahler der EU. Der Brexit wird den EU-Haushalt folglich belasten.

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Der Chef des EU-Parlaments, Martin Schulz, sprach sich zuletzt dafür aus, die Austrittsverhandlungen vor der Europawahl 2019 abzuschließen. Die Gespräche darüber sollten spätestens 2017 beginnen.

Umfrage: Britische Firmenchefs erwägen wegen Brexit Abwanderung

Unterdessen zeigt eine Umfrage: Gut drei Viertel der britischen Firmenchefs erwägt nach dem Brexit-Votum die Verlagerung von Geschäftsteilen ins Ausland.

76 Prozent der 100 befragten Chefs von Unternehmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Pfund denken darüber nach, den Firmensitz oder Teile des Betriebs aus Großbritannien abzuziehen, wie aus einer am Montag veröffentlichten Erhebung der Beratungsgesellschaft KPMG hervorgeht. Zwar beurteilten 86 Prozent die Aussichten ihres Unternehmens und 69 Prozent die Aussichten für die britische Konjunktur positiv. Die Firmenchefs bereiteten aber wegen der Unsicherheit nach dem Votum für einen britischen EU-Austritt auch Notfallpläne vor. Denn mehr als die Hälfte von ihnen rechnet mit Beeinträchtigungen für die Firmen nach einem Brexit.