Aufstände: Kosovo-Albaner protestieren gegen serbischen Minister

Rief zu einer Beruhigung der Lage auf: Kosovos Präsidentin Jahjaga. [© European Parliament (CC BY-NC-ND 2.0)]

Im Kosovo ist ein serbischer Ressortchef wegen einer verächtlichen Bemerkung über die Albaner zum Ziel heftiger Proteste geworden. Doch nicht nur die Äußerungen sind Aufhänger für die Demonstrationen.

Mehr als 80 Verletzte und zahlreiche Verhaftungen, darunter auch die Festnahme des Bürgermeisters von Prishtina, Shpend Ahmeti, sind die Ergebnisse der gestrigen Proteste im Kosovo.

Tausende Demonstrierende forderten gemeinsam mit der albanischen Bewegung Vet?vendosje (Selbstbestimmung) den Rücktritt des Ministers Aleksandar Jablanovic, dessen Äusserungen die albanische Bevölkerung schockiert hatte. Bereits seit Samstag hatte es Proteste gegeben.

Mütter als Wilde bezeichnet

Auslöser der Proteste war eine abfällige Bemerkung des serbischen Ministers Aleksandar Jablanovic über albanische Mütter, die wegen ihrer im Kosovo-Krieg vermissten Angehörigen zu Protesten auf die Strasse gingen.

Jablanovic, einer von drei ethnischen Serben im Kabinett von Ministerpräsident Isa Mustafa, hatte Anfang Januar die in der kosovarischen Stadt Gjakova protestierenden Mütter als „Wilde“ bezeichnet. Albanische Mütter hatten sich zu den dort versammelten Demonstranten gesellt, die serbische Pilger während des orthodoxen Weihnachtsfestes daran hindern wollten, zu einem Kloster im Westen Kososos zu pilgern. Die Protestierenden argumentierten, unter den Pilgern seien auch „Kriegsverbrecher“.

Neben dieser verbalen Beleidigung behauptete Jablanovic, er würde sich nicht an die serbischen Massaker im jahr 1999 erinnern.

Während des Kosovo-Krieges wurden über eine Million Albaner aus dem Land vertrieben und mehr als 10.000 Menschen getötet. Hinzu kommen mehr als 5.600 Vermisste.

Fortsetztung rassistischer Politik

Der Minister entschuldigte sich schließlich unter dem öffentlichen Druck für die Beleidigung. Dennoch rief die der Opposition angehörige Bewegung Vet?vendosje (Selbstbestimmung) zusammen mit dem Verein „Die Rufe der Mütter“ zu weiteren Protesten auf.

Die Demonstranten kritisierten, Jablanovics Äußerungen seien eine „Fortsetzung einer Rassismuspolitik“ Serbiens gegenüber den Albanern, die“ ihre Wurzeln in dem Diskriminierungssystem Jugoslawiens“ hätte. Weitere Proteste wurden in allen Städten Kosovos angekündigt. Kosovos Präsidentin Atifete Jahjaga rief dagegen zur Ruhe auf. Die chaotischen und gewaltsamen Szenen seien „nicht hinnehmbar“, so Jahjaga.

Ein weiterer Anlass für die landesweiten Demonstrationen sind die bevorstehenden Verhandlungsgespräche zwischen Serbien und Kosovo, die am 9. Februar in Brüssel stattfinden werden. Auch das Bergwerk Trepça im Norden des Kosovo ist ein Streitpunkt.

Streit um die größte Bergmine Europas

Trepça, die auch „Schatz des Balkans“ genannt wird, ist der größte Minenkomplex auf dem Balkan. Die Kleinstadt befindet sich in der Nähe von Mitrovica, einer Stadt im Norden Kosovos.

Die Bergmine fördert Gold, Silber, Zink, Nickel, Eisen, Kobalt und andere Mineralien und ist reicher an Bodenschätzen, als alle anderen Minen im Balkan – und auch in Europa. Experten schätzen, dass der Trepça-Komplex, dem neben den Minen auch 41 Metall verarbeitende Betriebe und ein Kraftwerk angehören, einen Wert von fünf Milliarden Dollar hat.

Während der jugoslawisch-serbischen Zeit galt Trepça als Wirtschaftswunder und größtes gewinnbringendes Kombinat. In den neunziger Jahren, als sich die politische Situation in Kosovo zunehmend verschlechterte, wurde Trepça das Symbol des politischen Widerstandes. Als 1989 die Autonomie Kosovos aufgehoben wurde, wurden rund 23.000 albanische Minen-Arbeiter entlassen. Die albanischen Bergarbeiter traten samt ihren Vorgesetzten vergeblich in Hungerstreik. Im August 2000 besetzten KFOR-Truppen gegen den Widerstand serbischer Arbeiter das Unternehmen.

Heute ist das Industrie-Kombinat stillgelegt und wird weiterhin von KFOR-Soldaten geschützt. Da sich das Bergwerk an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien befindet, ist es zu einem Streitpunkt zwischen den Albanern und den Serben geworden. Doch nicht nur die Albaner und die Serben beanspruchen die Kontrolle über die Anlagen. Großes Interesse zeigen auch internationale Konzerne.

Über das Schicksal von Trepça soll Berichten zufolge am 9. Februar in Brüssel verhandelt werden. Die EU will überdies bei den neuen Gesprächen zwischen den zwei zerstrittenen Nachbarländern Anfang Februar vermitteln. Schwerpunkt der Verhandlungen soll die Integration der serbischen Minderheit in das von Albanern bewohnte Kosovo werden.

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