Asylbewerber: Arbeitgeberpräsident fordert schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer drängt auf schnellere Integration von Asylbewerbern in Arbeitsmarkt. [blu-news.org/Flickr]

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat einen rascheren Zugang zum Jobmarkt für Asylbewerber gefordert. Der Städtetag sorgt sich unteredssen um die Unterbringung von Flüchtlingen: Er rechnet mit einem zusätzlichen Bedarf von mindestens 300.000 neuen Wohnungen pro Jahr in Deutschland.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat das deutsche Asylsystem scharf kritisiert.

Man müsse dafür sorgen, „dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt fern gehalten werden“, sagte Kramer der „Süddeutschen Zeitung“ laut Vorabbericht. Er forderte Deutschkurse vom ersten Tag an und ein Bleiberecht für junge Menschen in Ausbildung. „Bisher sperren wir sie quasi in den Aufnahme-Einrichtungen ein. Was erwarten Sie denn da für ein Resultat? So erzeugen Sie Streitigkeiten und Vandalismus.“ Die steigenden Flüchtlingszahlen wertete er als Chance für den deutschen Arbeitsmarkt. „Wir brauchen in den nächsten zwanzig Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird.“

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sagte „Bild“, die Firmen hätten so viele offene Stellen wie noch nie und es falle immer schwerer diese zu besetzen. Deutschland werde ohne Zuwanderung bis 2025 über 6,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren. Daher brauche es „ganz klar“ die qualifizierte Zuwanderung. „Mit einfachen und verständlichen Regeln. Wie man das nennt ist mir nicht wichtig. Hauptsache weniger Bürokratie und schnelle, gute Integration.“ Um den Ansturm von Flüchtlingen zu bewältigen, werde die BA zusätzliche Stellen erhalten.

Städtetag: 300.000 neue Wohnungen jährlich nötig wegen Flüchtlingen

Der Städtetag rechnet unterdessen wegen der hohen Flüchtlingszahlen mit einem jährlichen zusätzlichen Bedarf von mindestens 300.000 neuen Wohnungen in Deutschland.

„Darunter sollten mindestens 30.000 bis 40.000 geförderte Sozialwohnungen sein, im Moment sind es erst halb so viele“, sagte Städtetagspräsidentin Eva Lohse der „Rheinischen Post“.

Zugleich forderte die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin mehr Entlastung der mit der Flüchtlingsversorgung zunehmend finanziell überforderten Kommunen durch Bund und Länder. „Für eine Pro-Kopf-Pauschale des Bundes und der Länder an die Kommunen spricht, dass sie dynamisch mitwächst“, sagte die CDU-Politikerin. „Ein Sonderfonds für Asylbewerber und Flüchtlinge vom Bund für die Kommunen hätte den Vorteil, dass das Geld direkt bei den Kommunen ankäme und nicht bei den Ländern versickern kann“. Denkbar sei auch eine Kombination aus beidem.

Allein im August kamen in Deutschland mehr als 100.000 Flüchtlinge und Asylbewerber an. Bis Ende des Jahres erwartet die Bundesregierung nach eigenen Angaben 800.000 Flüchtlinge. Manche Landespolitiker gehen von einer Million aus.