Anti-Islam-Bewegung: Pegida-Initiator Bachmann tritt zurück

Tritt wegen abfälliger Bewerkungen über Ausländer zurück: Pegida-Chef Lutz Bachmann [© dpa]

Er stand wegen ausländerfeindlichen Bemerkungen bei Facebook in der Kritik. Nun tritt Pegida-Organisator Lutz Bachmann von seinen Funktionen bei der Anti-Islam-Bewegung zurück.

Wegen abfälliger Bemerkungen über Ausländer ist der Initiator der islamkritischen Pegida-Bewegung, Lutz Bachmann, zurückgetreten.

„Ich entschuldige mich aufrichtig“, erklärte Bachmann am Mittwoch nach einer Pegida-Mitteilung auf Facebook. Es handele sich um unüberlegte Äußerungen, die er nicht wiederholen würde. Pegida zufolge trat Bachmann von seinem Amt als Vereinsvorsitzender zurück. Er soll Ausländer auf Facebook als „Viehzeug“ und „Dreckspack“ bezeichnet haben. Zudem tauchte ein Foto auf, das ihn mit Seitenscheitel und Schnauzbart im Hitler-Stil zeigt. Ungeachtet des Skandals wollte am Mittwochabend eine Pegida-Schwesterbewegung in Leipzig gegen eine angebliche Überfremdung Deutschlands demonstrieren. Die Organisatoren hatten angekündigt, 60.000 Menschen mobilisieren zu wollen.

Gegen Bachmann ermittelt die Dresdner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes auf Volksverhetzung. Sein Verein wies Bachmanns Facebook-Beiträge zurück. „Sie tragen nicht dazu bei, Vertrauen zu den Zielen und Protagonisten von Pegida zu entwickeln“, erklärte Mitbegründerin Kathrin Oertel. Bei der Hitler-Pose handelte es sich nach ihren Worten um Satire, die jedem Bürger freistehe. Eine pauschale Beleidigung fremder Menschen sei dagegen ein anderer Fall.

Vizekanzler Sigmar Gabriel rief wegen der Enthüllungen alle Pegida-Anhänger zur Umkehr auf. „Wer sich in der Politik wie Hitler maskiert, ist entweder ein ziemlicher Idiot oder ein Nazi. Jeder sollte sich überlegen, ob er solchen Rattenfängern hinterher läuft“, sagte der SPD-Vorsitzende der „Bild“. Innenminister Thomas de Maiziere warnte: „Solchen Leuten läuft man nicht hinterher.“ Man müsse aber zwischen Organisatoren und Demonstranten unterscheiden. Unter den Teilnehmern gebe es viele Menschen, die dringend das Gespräch suchten. „Und das müssen wir führen“, sagte der CDU-Politiker.

Leipzig rechnet mit 100.000 Demonstranten

Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Die Bewegung hatte in den vergangenen Wochen montags in Dresden demonstriert. Dabei gingen insgesamt Zehntausende Menschen auf die Straße. In der sächsischen Landeshauptstadt und vielen anderen Städten gab es Gegenaktionen, bei denen für mehr Toleranz geworben wurde.

In Leipzig waren am Mittwoch 19 Gegenkundgebungen geplant. Die Stadt ging insgesamt davon aus, dass sich 100.000 Menschen versammeln. Bei einem der größten Polizeieinsätze seit 1990 waren rund 4000 Beamte im Einsatz. Am Montag war die Pegida-Demonstration in Dresden ausgefallen, weil es den sächsischen Behörden zufolge eine konkrete Anschlagsgefahr und Morddrohungen gegen Bachmann gab.

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