Alfa-Chef Lucke hält Euro-Austritt Deutschlands für „unverantwortbar“

Ex-AfD Chef Bernd Lucke am Sonntag bei der Gründung seiner neuen Partei "Alfa". Foto: dpa

Jahrelang forderte der Ex-AfD-Chef Bernd Lucke den deutschen Ausstieg aus der Euro-Zone. Als Vorsitzender der neuen Alfa-Partei will er von einer umgehenden Rückkehr zur nationalen Währung nichts mehr wissen.

Bernd Lucke, Vorsitzender der neu gegründeten Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) und Ex-AfD-Chef, lehnt einen sofortigen Ausstieg Deutschlands aus dem Euro ab. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte Lucke, dass ein solcher Schritt „europaweit zu einer Bankenkrise führen würde. Denn die D-Mark würde ja gegenüber dem Euro aufwerten. Das hätte die Konsequenz, dass jeder in der Rest-Euro-Zone sein Geld abheben würde, um es dann in D-Mark umzutauschen, gegebenenfalls durch deutsche Strohmänner.“

Den Aufwertungsgewinn „von schätzungsweise 30 Prozent wird sich ja niemand entgehen lassen wollen. Das kann zum Kollaps des Finanzsystems in Europa führen“, warnte Lucke. „Deshalb ist es nicht verantwortbar, leichtfertig einen Euro-Austritt Deutschlands zu fordern, ohne zu wissen, wie es geht.“

AfD light?

Die AfD vertritt in ihrem Parteiprogramm eine weitaus striktere Haltung gegenüber dem Euro als die neue Alfa. Erst kürzlich hatten sich führende AfD-Politiker für einen Austritt der Bundesrepublik aus dem Währungsgebiet starkgemacht. Lucke wirft der AfD daraufhin „fehlende wissenschaftliche Kompetenz“ vor.

Der einstige AfD-Gründer Bernd Lucke hatte am Sonntag kurz nach dem Rückzug aus seiner bisherigen Organisation eine neue Partei „Alfa“ gegründet. Sie wurde bei einem Treffen des von Lucke gegründeten Vereins „Weckruf 2015“ aus der Taufe gehoben.

Lucke, der sich dem wirtschaftsliberalen Flügel der AfD zugerechnet hatte, war im Streit mit dem nationalkonservativen Flügel um seine Rivalin Frauke Petry unterlegen.

„Schwarze Liste gegen problematische Leute“

Nicht nur in der Euro-Frage will sich Lucke von der alten AfD abgrenzen. So führt die ALFA „eine Art Schwarze Liste“ für „problematische Leute“ aus der AfD, die nicht als Mitglied aufgenommen werden sollten, sagte Lucke am Morgen im Deutschlandfunk. Zudem plane die ALFA eine „Probezeit“ für neue Mitglieder, die der Partei nicht bekannt seien. Damit will Lucke nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus seinen Erfahrungen bei der AfD ziehen.

Seine alte Partei, die AfD, sei „entgleist, sie ist zur Pegida-Partei ausgerufen worden, und antiwestliche, prorussische Kräfte haben das Sagen übernommen“, sagte Lucke. Er habe nichts gegen „ein vernünftiges Nationalbewusstsein“. Er sei aber gegen Islam- und Fremdenfeindlichkeit. Deutschland müsse fest im westlichen Wertesystem verankert bleiben.

Weitere Informationen