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23/01/2017

137.000 Menschen fliehen über das Mittelmeer

EU-Innenpolitik

137.000 Menschen fliehen über das Mittelmeer

Seit Jahresbeginn sind knapp 2.000 Migranten bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Foto: dpa

Rund 137.000 Menschen sind seit Jahresbeginn über das Mittelmeer nach Europa geflohen – ein Anstieg von 83 Prozent. Die große Mehrheit von ihnen hat Anspruch auf Asyl, erklärt der UN-Flüchtlingskommissar.

Etwa 137.000 Migranten sind nach UN-Angaben seit Jahresbeginn über das Mittelmeer nach Europa geflohen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Zahl der an den europäischen Küsten eintreffenden Flüchtlinge um 83 Prozent gestiegen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Mittwoch in Genf mit.

1.867 Menschen kamen in diesem Jahr bereits bei der Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben, davon allein 1.308 im April.

„Europa erlebt eine maritime Flüchtlingskrise von historischem Ausmaß“, teilte das UNHCR mit. Mit den warmen Sommermonaten dürfte die Zahl der Flüchtlinge überdies weiter steigen, die die gefährliche Überfahrt über das Meer wagen.

Die meisten der Migranten seien wegen Kriegen, Konflikten und Verfolgung auf der Flucht, hieß es von den Vereinten Nationen. UN-Flüchtlingskommissar António Guterres erklärte, bei den meisten Flüchtlingen handle es sich nicht um Wirtschaftsflüchtlinge. Ein Drittel der in Italien und Griechenland angekommenen Menschen seien Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

EU-Hilfen für Ungarn

Das Mittelmeer ist nicht die einzige Route für Migranten nach Europa. Auch Ungarn war in den vergangenen Monaten mit steigenden Flüchtlingszahlen konfrontiert. Die EU-Kommission hat Budapest nun finanzielle Hilfe und die Entsendung von Experten zugesagt. Der EU-Kommissar für Migration, Dimitris Avramopoulos, sagte am Dienstag in der ungarischen Hauptstadt, dafür seien knapp acht Milliarden Euro vorgesehen.

Avramopoulos, der sich nach einer Unterredung mit dem ungarischen Außenminister Peter Szijjarto äußerte, bezeichnete Ungarn als „Frontstaat“, der ebenso „unter Druck“ stehe wie Italien und Griechenland. Europa werde Mitgliedsländer, die Frontstaaten seien, „immer unterstützen“.

Ungarn sieht sich seit einiger Zeit mit der Ankunft zehntausender Flüchtlinge konfrontiert. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, aber auch aus dem Kosovo. Sie erreichen Ungarn meist über das Nachbarland Serbien und wollen anschließend oft weiter nach Deutschland, Österreich oder in nordeuropäische Länder.

Während 2012 rund 2.000 Flüchtlinge nach Ungarn kamen, waren es nach amtlichen Angaben zwischen dem 1. Januar und dem 22. Juni dieses Jahres bereits mehr als 60.000 Menschen. Mitte Juni hatte Budapest angekündigt, einen vier Meter hohen Zaun entlang der Grenze zu Serbien errichten zu wollen.

Die rechtskonservative ungarische Regierung unter Viktor Orbán sorgte mit ihrer Flüchtlingspolitik wiederholt für Schlagzeilen. So schickte sie ihren Bürgern einen Fragebogen zu, in dem Einwanderer mit Terrorismus in Verbindung gebracht wurden.

Der stellvertretende Vorsitzende der EU-Kommission, Frans Timmermans, sagte, die Aktion sei „bösartig und falsch“ und fördere „Vorurteile gegen Fremde“.