EU hofft: 1.500 Verkehrstote weniger durch automatischen Notruf

Die Zahl der Verkehrstoten fällt zwar - aus Sicht der EU aber nicht schnell genug. Das eCall-System soll die Todesfälle weiter senken. [Shutterstock]

Ab dem 31. März müssen alle Neuwagen mit dem neuen europäischen eCall-System ausgestattet werden, das bei einem schweren Verkehrsunfall automatisch den Notruf 112 wählt. EURACTIV Frankreich berichtet.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren Auto, haben einen Unfall und werden bewusstlos. Sie sind also darauf angewiesen, dass jemand für Sie Hilfe ruft – und besonders in ländlichen Gebieten ist das Risiko hoch, dass dies zu lange dauert.

Doch bald sollen Autos dank Sensoren in den Airbags automatisch 112 rufen: Ab dem 31. März müssen alle neuen Fahrzeugmodelle in der EU mit der sogenannten eCall-Technologie ausgestattet sein.

Im Jahr 2015, in dem das EU-Parlament das entsprechende Gesetz verabschiedete, starben insgesamt 26.100 Personen auf europäischen Straßen, rund 135.000 wurden schwer verletzt. Im Folgejahr sank die Zahl der Todesopfer leicht, auf 25.500.

„Leider ist die Zahl der Todesfälle auf den europäischen Straßen immer noch unannehmbar hoch. Mit eCall wird die Reaktionszeit der Rettungsdienste in ländlichen Gebieten um 50 Prozent und in städtischen Gebieten um 40 Prozent verkürzt, was zu einer Verringerung der Zahl der Todesopfer führt, die auf bis zu 1.500 pro Jahr geschätzt wird,“ erklärte die für das Dossier im EU-Parlament zuständige tschechische Abgeordnete Olga Sehnalová damals.

Tempolimit: EU plant automatische Bremssysteme

Die EU-Kommission denkt darüber nach, automatische Bremssysteme für neue Fahrzeuge einzuführen, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Dadurch würden Raser automatisch ausgebremst.

Im Jahr 2016 ereigneten sich 55 Prozent der tödlichen Unfälle auf Landstraßen, also in Gebieten, in denen die Rettungskräfte meistens mehr Zeit brauchen, um am Unfallort anzukommen. Ziel des eCall-Systems ist es, ein Eingreifen in der „goldenen Stunde“ zu beschleunigen. Damit wird die erste Stunde nach einem Unfall, wenn die Überlebenschancen noch verhältnismäßig hoch sind, bezeichnet.

Der automatische Anruf erfolgt über die europäische Notrufnummer 112, die grenzüberschreitend verwendet wird. Die ab April startende dreijährige Übergangszeit soll genutzt werden, um ein einheitliches System zu schaffen, mit dem insbesondere die Sprachbarrieren in der gesamten EU sowie in Island, Norwegen und der Schweiz beseitigt werden.

Persönliche Daten

Zum Zeitpunkt der Abstimmung hatte die Einführung des Systems vor allem bei Datenschützern für Aufsehen gesorgt, die unter anderem vor Missbrauch der Technologie, der Aufzeichnung von Gesprächen und der möglichen Nachverfolgung von Fahrzeugbewegungen warnten.

„Das eCall-System ebnet den Weg für private Dienste, die vom Fahrzeug gesendeten Daten zu nutzen. Außerdem könnten Behörden es zur Überwachung der Fahrer verwenden. Es wäre daher der korrekte Ansatz gewesen, wenn ein jeder Fahrzeughalter der Nutzung des Systems in seinem Fahrzeug zustimmen müsste – aber diese Möglichkeit war in der europäischen Verordnung nicht vorgesehen,“ hatte beispielsweise Jan Philipp Albrecht, Sprecher für Justiz und Inneres der Grünen im EP, kritisiert.

Angesichts dieser Argumentation einigte sich das Parlament auf gewisse Garantien: Die Notrufsysteme sollten daher „so konzipiert sein, dass kein Austausch personenbezogener Daten zwischen ihnen möglich ist. Wenn derartige Dienste erbracht werden, sollten sie den geltenden Sicherheits-, Sicherungs- und Datenschutzvorschriften genügen und für die Verbraucher stets optional bleiben,“ heißt es in der endgültigen EP-Gesetzesfassung zu eCall.

Die abgerufenen Informationen werden als „minimal“ bezeichnet. Sie umfassen die Geolokalisierung des Unfallortes, den Fahrzeugtyp, den verwendeten Kraftstoff und -wiederum „optional“ – Daten des Bordsystems. Darüber hinaus wissen die Notrufdienste auch, ob der eCall automatisch oder manuell ausgelöst wurde.

Autonome Autos und überwachte Schulkinder

Um im Zeitalter selbstfahrender Autos die Verkehrssicherheit nicht aus dem Blick zu verlieren, setzt die Industrie auf sogenannte Schutzranzen für Kinder. Datenschützer schlagen Alarm.

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