Rebecca Harms: „Wir lassen Schottland nicht im Stich“

Rebecca Harms. [Europäisches Parlament]

Welche Möglichkeiten gibt es, Schottland in der EU zu halten? Mit dieser Frage im Gepäck ist die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon heute in Brüssel eingetroffen. EURACTIV sprach mit Rebecca Harms von der EU-Fraktion Die Grünen/EFA nur wenige Stunden vor Ihrem Treffen mit der Schottin.

Rebecca Harms ist Ko-Vorsitzende der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz (EFA) im EU-Parlament.

In wenigen Stunden treffen Sie sich mit Nicola Sturgeon. Sie ist hier, weil sie Wege finden möchte, Schottland nach dem Brexit in der EU zu halten. Was werden Sie ihr sagen?

Wir stehen erst am Anfang unserer Diskussionen. Das ist eine völlig neue Situation. Ich denke, sie hat mit ihrem Besuch die richtige Entscheidung getroffen. Immerhin hat die Mehrheit der schottischen Bevölkerung für den Verbleib in der EU gestimmt. Sie ist also hier, um eine Brücke zwischen Brüssel und der britischen Insel zu schlagen. Wir lassen Schottland nicht im Stich. Zunächst einmal müssen wir aber darüber verhandeln, was notwendig und machbar ist und welche Vorstellungen sie [Nicola Sturgeon] hat. Man darf nicht vergessen, dass Westminster und die Downing Street noch keine offizielle Entscheidung über das Einleiten des Austrittsprozesses bekannt gegeben haben.

Was meinen Sie mit „Wir lassen Schottland nicht im Stich“? Heißt das, dass sich alle pro-europäischen Parlamentsfraktionen, zu denen die Grünen/EFA ja gehören, gemeinsam für ein Schottland innerhalb der EU einsetzen werden?

Gestern (am 28. Juni) hat mein Kollege Alyn Smith [von der Scottish National Party, SNP] im Parlament gesagt: „Wir haben die EU nicht im Stich gelassen, wir haben für sie gekämpft und jetzt bitte ich Sie – lassen sie Schottland nicht im Stich.“ Dafür hat er Standing Ovations im EU-Parlament bekommen, wie ich es noch nie zuvor in diesem Gebäude gesehen habe. Die Mehrheit der Europaabgeordeten hat sich den Interessen der EU verschrieben. Wir können jedoch nicht über Schottland entscheiden, solange die Abläufe zwischen Großbritannien und Brüssel noch nicht geklärt sind. Aber die Tatsache, dass sie sich überhaupt an Brüssel wenden und für ihre Interessen einstehen, ist eine gute Sache.

Ermutigen Sie Schottland dazu, sich abzuspalten?

Es gibt da nichts zu ermutigen. Drehen Sie mir nicht die Worte im Mund um. Niemand muss sie ermutigen. 70 Prozent der Schotten sind wählen gegangen und die große Mehrheit von ihnen hat für die EU gestimmt.

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