Warum ist Multilateralismus so wichtig?

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Dass es den Vereinten Nationen gelungen ist, die Lebensqualität von Menschen überall auf der Welt deutlich zu verbessern, ist der Unterstützung durch viele Partner zu verdanken, die an den Erfolg der Zusammenarbeit glauben. [EPA/ARMIN WEIGEL]

Am 23. September werden sich die Regierungschefs und Staatsoberhäupter in New York zu einem UN-Gipfel einfinden, um die Notwendigkeit einer schnelleren Umsetzung des weltweiten Versprechens zur Schaffung einer gerechteren und nachhaltigeren Welt zu betonen, was in der Agenda 2030 und den dazugehörigen 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDG) festgelegt wurde.

Ulrika Modéer ist Untergeneralsekretärin und Direktorin des Büros für externe Angelegenheiten und Fürsprache und Ahunna Eziakonwa, Untergeneralsekretärin und Direktorin des Regionalbüros für Afrika, Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). 

Die heutigen weltweiten Herausforderungen – zum Beispiel Klimawandel, Armut, Ungleichheit oder Migration – wachsen und betreffen reiche und arme Länder gleichermaßen. Schätzungen zufolge wird der Klimawandel bis 2050 für 143 Millionen zusätzliche Migranten allein in Lateinamerika, Subsahara-Afrika und Südostasien sorgen. Naturkatastrophen, Terrorismus, Cyberkriege und Pandemien nahmen noch nie so stark wie heute zu. Laut einem neuen Bericht des UNDP leben zwei Drittel der nach mehrdimensionalen Kriterien armen Weltbevölkerung – 886 Millionen Menschen – in Ländern mit mittlerem Einkommen und etwa 440 Millionen in Ländern mit niedrigem Einkommen. In Europa sind 110 Millionen Bürger bzw. 22,4 Prozent der Gesamtbevölkerung von Armut und sozialer Ausgrenzung gefährdet.

Diese Herausforderungen erfordern schnelle und gemeinsam durchgeführte Maßnahmen. Erstere können nur dann gemeistert werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Und genau an dieser Stelle spielt der Multilateralismus eine tragende Rolle, und zwar mehr denn je. Indem sich die gesamte Welt für Menschenrechte, Friedenssicherung und nachhaltige Entwicklung für alle einsetzt, können wir eine bessere Zukunft für den Planeten und dessen Bevölkerung sicherstellen.

Leider steckt der Multilateralismus aktuell in der Krise. Wir müssen eine abnehmende koordinierte Hilfsbereitschaft sowie eine Welle des Chauvinismus und Protektionismus feststellen, wodurch die internationale Zusammenarbeit allgemein gefährdet wird. All diese Faktoren stellen ein Hindernis zur Lösung komplexer Herausforderungen dar, von denen die Ärmsten, vor allem in Entwicklungsländern, betroffen sind.

In den vergangenen Jahren sind die finanziellen Hilfen aus der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) für multilaterale Entwicklungsorganisationen kontinuierlich gestiegen und haben 2016 den historischen Höchstwert von 63 Milliarden US-Dollar erreicht. Dennoch könnten Zweifel am Multilateralismus die Tendenz umkehren. Für die meisten von uns, die viel Hoffnung in den Multilateralismus setzen, ist nicht alles verloren, doch es muss mehr getan werden.

Genau aus diesem Grund werden Deutschland und Frankreich auf der UN-Generalversammlung in New York die Kampagne „Allianz für den Multilateralismus“ ins Leben rufen, um die globale Zusammenarbeit in Zeiten von aufkommendem Nationalismus und Isolationismus zu fördern. Das Hauptziel dieser Kampagne ist es, zu zeigen, dass Länder, die den Multilateralismus unterstützen, und die Vereinten Nationen weiterhin eine wichtige Stellung in der Welt einnehmen.

Dass es den Vereinten Nationen gelungen ist, die Lebensqualität von Menschen überall auf der Welt deutlich zu verbessern, ist der Unterstützung durch viele Partner zu verdanken, die an den Erfolg der Zusammenarbeit glauben.

Viele Entwicklungspartner, einschließlich der Europäischen Union (EU) und ihrer Mitgliedstaaten, haben eine entscheidende Rolle im Vorantreiben der Anstrengungen in Bezug auf nachhaltige Entwicklung gespielt, und so die Vereinten Nationen bei der Bewältigung der allgemein dringlichsten Herausforderungen unterstützt. 2017 zeichneten sich die EU und ihre Mitgliedstaaten als weltweit größte Geberländer der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit mit einer Gesamtsumme in Höhe von 75,7 Milliarden Euro verantwortlich. Gemäß dem derzeit gültigen Finanzrahmen (2014-2020) hat die EU Afrika Entwicklungshilfe in Höhe von 26,1 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Im kommenden Finanzrahmen (2021-2027) sind dagegen bis zu 32 Milliarden Euro vorgesehen.

Die EU und ihre Entwicklungspartner unterstützen Afrika nach wie vor bei der Bewältigung dringender Entwicklungsherausforderungen in Bereichen wie Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, Energie und Gefahrenabwehr. Im Juli dieses Jahres leitete das UNDP in Partnerschaft mit der EU, Deutschland, Schweden und dem Vereinigten Königreich Maßnahmen zur Verbesserung der Stabilität in der Tschadseeregion ein. Diese bestanden in der Einrichtung eines Multimillionen-Dollar-Fonds zur Erhöhung der Stabilität in der Region des Tschadseebeckens.

Des Weiteren führten im Mai 2019 die UNO, die EU, die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank eine Bewertung des Schadensausmaßes der tropischen Zyklone Idai und Kenneth mit anschließenden Hilfsmaßnahmen durch, die Teile von Mosambik, Malawi und Simbabwe verwüstet hatten. Der Treuhandfonds im Wert von fast 1,2 Milliarden US-Dollar ermöglichte die Grundversorgung der Bevölkerung und den Wiederaufbau der Infrastruktur.

Bei der UN-Generalversammlung 2018 haben die Vereinten Nationen und die Europäische Union ihre strategische Partnerschaft und ihre Grundwerte in Form dieser vier gemeinsamen Erklärungen bekräftigt: [1] stärkerer Einsatz für den Multilateralismus und eine regelbasierte Weltordnung; [2] eine erneuerte Partnerschaft zur Umsetzung der Agenda 2030; [3] vorausschauende Prioritäten zur gemeinsamen Friedenssicherung und [4] Krisenmanagement und eine intensivere trilaterale Kooperation mit der Afrikanischen Union. Im Juni dieses Jahres betonten die EU-Mitgliedstaaten die Notwendigkeit von EU-Maßnahmen zur Stärkung eines regelbasierten Multilateralismus, da ein wirkungsvoller Multilateralismus immer noch die beste Möglichkeit zur Durchsetzung nationaler und gemeinsamer Interessen sei.

Wenn wir unser Versprechen in Bezug auf die SDG halten und niemanden im Stich lassen möchten, ist die internationale Zusammenarbeit die richtige Wahl, um unsere gemeinsamen Werte zu bewahren und die Welt zu einem sichereren und faireren Ort für alle zu machen.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.