Europas Musterland für junge Araber ist Deutschland

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Deutschland ist für die arabische Jugend das populärste Land Europas, und das größte Vorbild in der arabischen Region sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer umfangreichen Studie von Burson-Marsteller, die soeben in Berlin vorgestellt wurde.

In der arabischen Welt sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) das Land, in dem die meisten jungen Araber (35 Prozent der Befragten) am liebsten leben würden, gefolgt von den USA und Kanada (je 18 Prozent) und Saudi-Arabien (16 Prozent). Auf Platz 5 befindet sich Deutschland (12 Prozent). Deutschland ist somit von allen europäischen Ländern das erstrebenswerteste Land, in dem man gerne wohnen würde.

Auch in der Frage, welches Land als bestes Modell diene und dem es nachzueifern gelte, liegen die Vereinigten Arabischen Emirate weit vor allen anderen arabischen Ländern. 36 Prozent der jungen Araber setzten die VAE an die Spitze, gefolgt von den USA und Kanada (je 17 Prozent), Japan (15 Prozent) und wiederum Deutschland (13 Prozent).

In der arabischen Region wohnen 200 Millionen junge Leute. 65 Prozent der Bevölkerung sind unter dreißig Jahre alt. Die Studie beruht auf persönlichen Interviews und Gesprächen mit 3.500 Menschen zwischen 18 und 24 Jahren in 16 arabischen Ländern. Der Arab Youth Survey wird jedes Jahr durchgeführt und soll arabischen Regierungen Datenmaterial für politische Entscheidungen zur Verfügung stellen.

Die VAE stehen schon lang an der Spitze der Staaten, denen es nachzueifern gilt. In den zehn Jahren, in denen die Umfrage alljährlich durchgeführt wird, behaupten die Emirate zum siebten Mal in Folge mit großem Abstand den Spitzenplatz. Mit den VAE verbinden die jungen Araber in erster Linie ein sicheres Leben (35 Prozent), großzügige Gehälter (30 Prozent), gute Jobaussichten (29 Prozent) und ein hochwertiges Bildungssystem (23 Prozent). Die VAE gelten zwar als teuer, sind aber für 21 Prozent ein idealer Ort, eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen.

In früheren Umfragen (2012 und 2013) hatte noch die Türkei als relativ erstrebenswertes Modell gegolten, in den vergangenen Jahren verlor die Türkei jedoch jegliche Anziehungskraft.

Riesige Unterschiede klaffen in der Frage, ob sich die arabische Welt in die richtige Richtung bewegt. Sehr negativ antworten die jungen Araber in Jordanien, Irak, Libanon, den Palästinensischen Gebieten und Jemen): 85 Prozent sind der Meinung, dass sich ihre Region im vergangenen Jahrzehnt in die falsche Richtung bewegt habe. Deutlich positiver ist die Einstellung in den Golfstaaten, wo 57 Prozent eine gute Perspektive erkennen und nur 34 Prozent eine schlechte.

Weitere Ergebnisse der Studie betreffen das Verhältnis junger Araber zur Religion und zum Medienkonsum. Fast alle halten zwar Religion für zentral im eigenen Leben, aber gleichzeitig für überschätzt im öffentlichen Leben, wo Religion weniger Rolle spielen sollte  (60 Prozent).

Wie dramatisch sich das Medienverhalten ändert, zeigt die Studie sehr deutlich: Noch vor drei Jahren war Fernsehen die größte Informationsquelle (60 Prozent), wogegen soziale Medien nur zu 25 Prozent eine Rolle spielten. Heute sind die sozialen Medien mit 63 Prozent zur Informationsquelle Nummer eins aufgestiegen, dagegen verliert TV an Relevanz (51 Prozent).

Sowohl der Botschafter der VAE in Berlin, Ali Al Ahmed, als auch Sunil John, Autor des Arab Youth Survey, betonen, dass Europa einen großen Fehler mache, wenn es die arabische Region als einen großen Block und alle Moslems als einheitliche Gruppe wahrnehme. „Wir sind sehr verschieden, alle haben unterschiedliche Geschichte. Eine Lösung für das eine arabische Land muss keineswegs auch die Lösung für ein anderes arabisches Land sein!“

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