Eine Weltraumarmee für Europa?

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Acht Milliarden Dollar möcjte Donald Trump in Weltraumstreitkräfte ivestieren, um die Dominanz seines Landes im Weltall zu sichern. [Foto: Shutterstock]

Die USA planen, acht MIlliarden Dollar in den Aufbau von Weltraumstreitkräften  zu investieren. Denn in Zukunft werden Satelliten immer mehr in Kriegshandlungen einbezogen werden. Die EU ist dagegen noch völlig wehrlos.

Als die Europäische Raumfahrtagentur ESA kürzlich vom südamerikanischen Weltraumbahnhof Kourou aus die letzten von 26 Galileo-Satelliten in ihre Erdumlaufbahnen schoss, war das ein denkwürdiger Moment. Denn nun wird die Europäische Union gegen Ende des Jahres weltweit eine vollwertige Alternative zum militärisch kontrollierten US-Navigationssystem GPS anbieten können. Das hat einen ganz praktischen Jedermann-Nutzen: bereits jetzt haben Handy-Hersteller wie Samsung, Apple und Huawei ihre neusten Modelle mit europäischer Galileo-Technologie bestückt. „Das ist die beste Reaktion, die wir erwarten konnten“, freut sich ESA-Direktor Carlo des Dorides.

Politisch gesehen sind die Galileo-Satelliten ein weiterer Schritt zur weiteren Unabhängigkeit Europas. Wahrlich ein Grund zum Feiern. Dennoch stellen sich Fragen. Zum Beispiel, wie Europa seine sein finanziell intensivstes Großprojekt vor militärischen Angriffen zu schützen gedenkt. Würde man die Supersatelliten nämlich ausschalten oder auch nur vorübergehend „blind“ machen, würden zentrale Bereiche unserer Gesellschaft ausfallen: Verkehrslenkung, Katastrophenschutz, Schiffsnavigation etc.

"Die EU ist militärisch gut aufgestellt – aber ineffektiv"

Trump schnaubt vor Wut, denn Deutschland weigert sich, die vereinbarten zwei Prozent Verteidigungsausgaben zu erfüllen. Das sei ohnehin die falsche Strategie, meint Verteidigungsexperte Arne Lietz.

Auch bei Galileo geht es um die Vorherrschaft im Weltall – wer wird dort in naher Zukunft das Sagen haben? US-Präsident Donald J. Trump jedenfalls setzt derzeit alles daran, dass die US Army nicht nur auf dem Globus, sondern auch im außerirdischen Bereich die Supermacht bleibt. Sein kühner Plan ist die Verwirklichung dessen, was wir bisher nur aus der Science-Fiction kennen: der Aufbau einer „Space Force“ als sechste Teilstreitkraft der USA neben Heer, Luftwaffe, Marine, Küstenwache und Marineinfanteriekorps.

USA, China und Russland besitzen Technologie zur Verteidigung im Weltraum

„Die Zeit ist reif, um das nächste großartige Kapitel in der Geschichte unserer Streitkräfte zu schreiben und uns auf das nächste Schlachtfeld vorzubereiten,“ schwärmt Trumps Vize Mike Pence und kalkuliert erste Aufbaukosten in Höhe von acht Milliarden US-Dollar über fünf Jahre verteilt ein. Kommt es dazu, nimmt eines der ehrgeizigsten Militärprojekte in der Menschheitsgeschichte seinen Lauf – vorausgesetzt, das zustimmungspflichtige US-Abgeordnetenhaus sagt „Yes“. Dort ist nun eine heftige Debatte um Trumps militärisch hochfliegenden Pläne entbrannt.

Europa beschäftigt sich indessen militärisch mit Klein-Klein und ist nicht einmal in der Lage, aus den Armeen der 28 EU-Mitgliedsländer eine konventionelle gemeinsame Streitkraft zusammenzuzimmern. Egoismen verhindern die Standardisierung von Panzern und Flugzeugen. Bedenkenträgerei macht den Aufmarsch von NATO-Truppen über Grenzen hinweg zum Problem. Auf das, was sich weit über unseren Landmassen und Meeren in der Stratosphäre und darüber hinaus abspielt, gucken nur Wenige.

Dabei ist eins klar: ob bemannt oder unbemannt – der Kosmos wird über kurz oder lang zur Kampfzone werden. Pence: „Es ist nicht genug, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben. Wir müssen die Dominanz der USA erreichen. Und das werden wir.“

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Was da kommt, das dürfen wir uns freilich nicht wie bei „Starwars“ vorstellen, wo heldenhafte Sternenkrieger in hochgerüsteten Raumschiffen hyperschnell von Gestirn zu Gestirn und von Zeit zu Zeit eilen. Todd Harrison, Direktor der unabhängigen Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) rechnet zunächst eher mit Aktionen ohne Besatzung: „Es dreht sich alles um unbemannte, ferngesteuerte Satelliten. Alle Krieger werden auf der Erde bleiben. Nur die Operationen verlagern sich in den Weltraum.“

Hauptkombattanten im Weltraum werden dabei die USA, China und Russland sein. Alle drei haben längst Technologien zum Abschuss von Satelliten getestet. Genauso stehen atomar bestückbare Gleitfluggeräte mit Hyperschallgeschwindigkeit vor der Reife, die alle derzeitigen Abwehrsysteme überlisten können, weil diese zu langsam sind.

Und wo bleibt Europa? Das, was Trump da „unverzüglich“ angeordnet hat, wird noch einige Jahre bis zum Start brauchen. Wir sollten die Zeit hier am Ostufer des Atlantiks nutzen und uns rasch Gedanken darüber machen, was es für uns bedeutet, wenn der Raum zwischen den Galaxien zum Aufmarschgebiet wird. Könnten wir uns verteidigen?

Im Science-Fiction-Film „Elysium“ enden Millionen Menschen als reine Arbeitstiere auf einer kaputten Erde. Regiert werden sie von privilegierten Reichen aus einer sicheren Raumstation heraus. Käme es so weit, hätten uns Europäern auch die tollen Galileo-Satelliten nichts genutzt.

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