Die Ukraine ist nur der erste Schritt in Russlands Krieg gegen Europa

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Kyiv under attack [Twitter / @olgatokariuk]

Russland und Belarus haben bei dem Einmarsch in die Ukraine internationale Kriegsverbrechen begangen, und sollte das Land fallen, steht die Zukunft Europas auf dem Spiel, schreibt Roman Rukomeda.

Roman Rukomeda ist ein politischer Analyst. Im Folgenden berichtet er aus erster Hand über den ersten Tag der russischen Invasion der Ukraine.  

Der Donnerstagmorgen begann für die Ukraine mit einer massiven militärischen Aggression durch die russichen Streitkräfte. Sie griffen die friedlich schlafenden ukrainischen Städte mit Raketen an und töteten Dutzende von Zivilisten und Militärangehörigen.

Russland – und Belarus, da die russischen Truppen auch aus diesem Land aus in die Ukraine eindrungen – haben Militärverbrechen gegen die Ukraine und gegen die Menschheit begangen und sind somit Aggressorstaaten. Sie haben gegen das Völkerrecht, internationale Verträge und die Grundsätze der modernen zivilisierten Welt verstoßen. Sie haben bereits Hunderte von friedlichen Ukrainer:innen getötet.

Im Moment kämpfen die ukrainischen Streitkräfte an allen Fronten und setzen alle möglichen Waffen ein, um dem Aggressor maximalen Schaden zuzufügen. Staat und Gesellschaft sind mobilisiert.

Das russische und weißrussische Militär ist aus allen möglichen Richtungen in den Osten, Süden und Norden eingedrungen. Etwa 17 der 24 Regionen der Ukraine werden angegriffen. Die Russen setzten sowohl ballistische Raketen und Luftangriffe als auch direkte Angriffe vom Land aus ein.

Es scheint, dass das russische Militär darauf abzielt, so viel ukrainisches Territorium wie möglich zu erobern und gleichzeitig dem ukrainischen Verteidigungsapparat größtmöglichen Schaden zuzufügen. Zivile Opfer machen den Aggressoren nichts aus.

Der russische Blitzkrieg ist jedoch gescheitert. Die Streitkräfte der Ukraine werden bis zum Ende standhalten, die Politiker:innen und die öffentliche Verwaltung haben sich geeinigt und die ukrainische Gesellschaft ist geschlossen. Niemand wird kapitulieren oder eine russische Aggression dulden.

Zu Beginn hatten viele Menschen in Kiew große Angst. Aber da die Regierung und die Behörden ständig Mitteilungen herausgeben und fast stündlich über die Lage informieren, hat sich das Verhalten der Menschen mehr oder weniger stabilisiert.

Seit der Einführung des Kriegsrechts heute in der Ukraine verändert sich das Leben mit mehr Einschränkungen. Bislang funktionieren in Kiew und in den übrigen ukrainischen Städten alle notwendigen Dienste, alles funktioniert – sogar das Internet und die Mobiltelefonverbindung.

Auf den Straßen nach Kiew gibt es noch einige Probleme aufgrund von Staus, da viele Menschen die Stadt verlassen wollen. Aber im Allgemeinen haben die Behörden die Situation unter Kontrolle.

Heute früh gab es einen Versuch, den Militärflughafen in der Nähe von Kiew zu erobern. Dieser Versuch scheiterte. Drei russische Hubschrauber wurden abgeschossen und zerstört, und jetzt jagt das Militär die beteiligten Soldaten.

Im ganzen Land weitet die ukrainische Territorialverteidigung ihre Präsenz aus. Eine Teilmobilisierung von Militärreservisten wurde Militär eingeleitet. Es gibt Gespräche über die Möglichkeit, eine allgemeine Mobilisierung anzukündigen, wenn es hart auf hart kommt.

Bis jetzt sind die Ukrainer:innen nicht in Panik geraten. Wir konzentrieren uns darauf, unserer Gesellschaft und unseren Streitkräften zu helfen. Die Ukraine wird gewinnen, denn es ist unmöglich, ein Volk von 40 Millionen Menschen zu vernichten, das bereit ist, sich bis zum bitteren Ende zu verteidigen.

Äußerst wichtig für die Ukraine ist die Reaktion der NATO, der EU und der gesamten zivilisierten Welt auf diese Aggression, da es sich nicht nur um einen direkten Angriff auf die Ukraine, sondern auf ganz Europa handelt.

Russland und seine politische Führung, seine Streitkräfte und Belarus gelten von heute an internationale Kriegsverbrecher. Wenn die Ukraine fällt, werden sie dort nicht Halt machen. Sie werden weiter auf andere europäische Staaten vorrücken.

Für die NATO und Europa ist es an der Zeit, Russland vollständig zu isolieren, diesen Staat so weit wie möglich zu schädigen und der Ukraine militärisch, finanziell und mit allen anderen Mitteln beizustehen.

Wenn Putins Regime nicht militärisch und politisch besiegt wird und Putin und seine Gefolgsleute nicht vor einem internationalen Gericht als Kriegsverbrecher verurteilt werden, wird es keinen Frieden in der Ukraine, in Europa und in der Welt geben.

Die internationale Unterstützung für die Ukraine ist jetzt entscheidend.

Es ist die letzte Chance für die NATO, die EU und die UNO, den Beginn eines neuen europäischen und möglicherweise weltweiten Krieges zu verhindern.

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