Trotz aller Kritik an einigen „Extratouren“: Auch die EU wäre gut beraten, alles zu unternehmen, damit Großbritannien in der EU bleibt – und der Brexit damit ohne Wirkung.
Als das Vereinigte Königreich 1973 der Europäischen Union beitrat, nahm die Paneuropa-Union dies mit Genugtuung auf, obwohl ihr Gründer, Richard Coudenhove-Kalergi, dies bei deren Gründung 50 Jahre vorher in einer gänzlich anderen geopolitischen Situation nicht in Erwägung gezogen hatte.
Mit seiner reichen Geschichte und seiner universellen Kultur brachte das Vereinigte Königreich damit zum Ausdruck, dass es mit seiner wirtschaftlichen und finanziellen Macht einen konstruktiven Beitrag zum friedlichen Zusammenschluss der europäischen Staaten in einem gemeinsamen Projekt leisten und im Gegenzug dem Misstrauen und den Rivalitäten, die ihr Verhältnis zum europäischen Kontinent geprägt hatte, ein Ende setzen wollte.
In 41 Jahren Mitgliedschaft bei diesem historischen und revolutionären Abenteuer trug das Vereinigte Königreich weitgehend dazu bei, dass ein großer freier und geregelter Markt entstehen konnte, der den freien Verkehr von Menschen, Gütern und Kapital in der Europäischen Union ermöglichte.
Im Gegensatz dazu hörte das Vereinigte Königreich jedoch niemals auf, gemeinsame politische Lösungen, die von ihren Partnern gewünscht wurden und die aus der Zugehörigkeit zur Union und zu den Verträgen, die sie ratifiziert hatte, entstanden, einzuschränken und in gewissen Fällen zu verhindern.
London verzichtete freiwillig, seine Expertise beizutragen
Außerhalb der Euro- und der Schengenzone geblieben, verzichtete London freiwillig darauf, einerseits seine monetäre Kompetenz und andererseits seine Expertise beizutragen.
Im Augenblick, wo die Europäische Union sich großen Herausforderungen und mehreren Bedrohungen und Konflikten in seiner unmittelbaren Umgebung ausgesetzt sieht, braucht sie mehr denn je Unterstützung und Solidarität.
Deshalb wäre es für die Europäische Union selbstmörderisch in dieser besonders gefährlichen Situation, in der nationalistische Strömungen und rassistische Xenophobie wiedererstehen, ihre Schwächung zu akzeptieren und auf die Solidarität zwischen den europäischen Völkern zu verzichten. Dem Vereinigten Königreich sollten also jene erfüllbaren Zugeständnisse gewährt werden, die es verlangt, um in der Union zu verbleiben.
Der Autor
Alain Terrenoire ist ein französischer Jurist und Politiker und ehemaliges Mitglied des EU-Parlaments. Seit 2004 ist er internationaler Präsident der Paneuropa-Union

