Wie Supermärkte in Afrika die Gesundheit beeinflussen

Ein Supermarkt in der Stadt Kabalagala in Uganda [Foto: Andreas Marquardt/Shutterstock]

Übergewicht und chronische Krankheiten nehmen auch in Afrika zu. Schuld trägt das veränderte Essverhalten der Menschen – das auch mit der rasanten Zunahme von Supermärkten zusammenhängt.

Ernährungsprobleme in Afrika – dieses Thema verknüpfen die meisten Menschen zunächst mit Hunger und Mangelernährung. Und tatsächlich lebten laut dem State of Food Insecurity der FAO 2015 von 795 Millionen Hungernden weltweit 232,5 Millionen in Afrika. Fast ein Drittel der Hungernden lebt damit auf dem afrikanischen Kontinent, wobei dort der Anteil der Hungernden an der Bevölkerung mit 20 Prozent am höchsten ist (State of Food Insecurity, 2015) – unter anderem verursacht durch die Auswirkungen des Klimawandels, Umweltzerstörung, Krieg, bewaffnete Konflikte. Jeder vierte Mensch in Afrika südlich der Sahara, so warnt die Hilfsorganisation „SOS Kinderdörfer“, hungert.

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Es gibt auf dem Kontinent aber auch eine Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung, die ebenfalls fatale Folgen für die Gesundheit der Menschen hat: Immer mehr Menschen in Afrika sind übergewichtig, damit steigt das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes und Herzkreislaufstörungen. Einen wichtigen Grund dafür haben Agrarökonomen der Universität Göttingen in einer neuen Studie aufgezeigt: der steigende Marktanteil von Supermärkten in Afrika.

Die Wissenschaftler sammelten Daten von 550 zufällig ausgewählten Menschen in städtischen Regionen Kenias und befragten diese zu ihren Einkaufs- und Konsumgewohnheiten bei Lebensmitteln. Dann maßen die Forscher Körpergröße, Gewicht und verschiedene medizinische Parameter. Darüber hinaus flossen Einkommen, Bildungsgrad und andere Faktoren in die Studie mit ein.

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Höheres Gewicht und erhöhter Blutzucker bei Supermarkt-Käufern

Die Ergebnisse der in der Fachzeitschrift „PLoS ONE“ veröffentlichten Studie zeigen deutliche Unterschiede zwischen Menschen, die moderne Supermärkte nutzen, und denen, die ihre Lebensmittel ausschließlich auf traditionellen Märkten kaufen: Wer im Supermarkt einkauft, hat in der Regel einen höheren Body Mass Index (BMI) und wird mit einer größeren Wahrscheinlichkeit von 20 Prozentpunkten übergewichtig. Zudem hatten die Supermarktkunden erhöhte Blutzuckerwerte, die das Diabetesrisiko erheblich steigern.

Der Grund für diese Ergebnisse ist naheliegend: Supermärkte führen ein anderes Warensortiment als traditionelle Märkte, auch Werbung und Einkaufsatmosphäre können außerdem das Verhalten von Verbrauchern beeinflussen. „Supermarktkunden konsumieren mehr hochverarbeitete Lebensmittel und weniger frisches Gemüse“, erläutert die Hauptautorin der Studie, Kathrin Demmler vom Göttinger Graduiertenkolleg GlobalFood.

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Dennoch, so warnt der Leiter der Studie, Matin Qaim: „Supermärkte deswegen zu verbieten, wäre falsch.“ Diese können nämlich Qaim zufolge auch positive Effekte haben – mit Mitteln, über die auch in Deutschland immer wieder diskutiert wird: Eine bessere Regulierung könnte helfen, dass Werbe- und Verkaufsstrategien stärker auf gesunde und ausgewogene Ernährung ausgerichtet werden.

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Veröffentlichung: Kathrin M. Demmler et al. Supermarket purchase contributes to nutrition-related non-communicable diseases in urban Kenya. PLoS ONE 2017. Doi: 10.1371/journal.pone.0185148.

 

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