Wie im TV: Afrika wirbt in „der Höhle der Löwen“ um ausländische Investitionen

Daniel Duncan, Vizepräsident der Elfenbeinküste [Matthew Tempest/Flickr]

Drei Entwicklungsländer Afrikas sind während der EU Development Days im Stile des TV-Formats „Höhle der Löwen“ gegeneinander angetreten, um um Investitionen ausländischer Firmen zu werben.

Minister aus Uganda, Guinea und der Elfenbeinküste stellten einer Gruppe von staatlichen und privaten Investoren die Vorzüge ihrer Länder in 30-minütigen ‚Pitches‘ vor – ganz wie im bekannten Fernseh-Vorbild. Obwohl die drei Staaten in Sachen ausländischer Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) wohl direkt hinter den Investor-Lieblingen Kenia und Ruanda kommen, stellten sie sich als friedlich, stabil und sicher dar, um dringend benötigtes Kapital anzulocken.

Da die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit wohl vermehrt auf den Schultern der Privatwirtschaft zu liegen scheint, mahnten private Investoren an, dass das Nichtvorhandensein von Bürgerkrieg und anderen Konflikten, wie in der Demokratischen Republik Kongo, Somalia und dem Südsudan, nur ein Startpunkt sei. Zukünftige Erfolge hingen unter anderem von der Transport- und Energie-Infrastruktur, einer Erleichterung der Geschäfte, Landrechten und der Rolle von weiblichen Unternehmerinnen ab.

Die ugandische Jugendministerin Nakiwala Florence Kiyingi erklärte, sie wisse, dass „das Kapital bei einem einzigen Gewehrschuss weg“ sei.

Szene aus der britischen Version der „Höhle der Löwen“

Tibou Camara, Technologie-Minister aus Guinea, vermarktete sein Land als „Tor zu Westafrika“ und warb um Investoren für Strom aus Wasserkraft. Guinea hat mehr als 2000 Flüsse. „Wenn Sie Gewinne machen, dürfen Sie diese auch mit nach Hause nehmen“, versprach er. Dank einer einzigen Zugangsstelle für FDI könnten westliche Unternehmen ihre Zweigstellen in Guinea „innerhalb von 24 Stunden“ registrieren.

Er hob das Cybersicherheitsgesetz von 2016 und eine ähnliche Verordnung für digitale Transaktionen seines Landes hervor und unterstrich, dass die Hauptstadt Conakry nun ein „sicheres Ökosystem“ für Investoren böte. Darüber hinaus habe das Land Zugang zum Atlantik sowie zu sechs direkten Nachbarstaaten. „Wenn [Investoren] sich entschieden haben, nach Guinea zu kommen, werden sie nie wieder wegwollen – wir sind ein Land des Friedens, des Wohlstands und der Liebe, und Sie befinden sich im Herzen Afrikas“, so der Minister.

Weiter nannte Camara Steuererleichterungen für ausländische Firmen und erklärte, dass derzeit nur 10 Prozent des guineischen Agrarlandes genutzt werde. Unternehmen aus dem Ausland könnten Land kaufen; derzeit werde noch „an Reformen gearbeitet“, die lokalen Landwirten und Einwohnern und den Investoren eine „sichere Ko-Existenz“ sichern sollen.

Guinea müsse mehr in seine Straßen und die Stromerzeugung aus Wasserkraft investieren; das sei eine „große Herausforderung“, gab Camara zu. Er verwies jedoch auch auf die 77 Prozent der Bevölkerung, die unter 35 Jahre alt sind sowie auf den Bau des neuen Sheraton Hotels, das 150 Millionen Dollar kostete. Dies seien vielversprechende Zeichen für die Zukunft.

Uganda, das einzige Binnenland der drei ‚Bewerberstaaten‘ nannte als besonderen Reiz eine Bahnverbindung, die derzeit gebaut wird und die die Transportzeit aus dem Land bis zur Küste von derzeit 21 auf drei Tage verkürzen soll.

Funktioniert die Entwicklungshilfe der EU?

Die EU ist noch immer weltweit der größte Geber von Entwicklungsgeldern und humanitärer Hilfe. Doch die Sparpolitik einiger Mitgliedsstaaten, die Flüchtlingskrise und die Verschlechterung des internationalen Sicherheitsumfeldes stellen Europas Solidarität auf eine harte Probe.

Derweil hob der Vizepräsident der Elfenbeinküste, Daniel Duncan, das 9-prozentige Wachstum des BIP seines Landes seit 2012, eine Inflation von 2 Prozent und die Unternehmenssteuer von 9 Prozent hervor. Er pries auch einen besonderen Fond für Unternehmerinnen, den die First Lady des Landes eingerichtet hat und unter dem bisher 17 Millionen Dollar an 110000 Unternehmerinnen verteilt wurden.

Die ehemalige französische Kolonie wolle bis 2020 zum „aufstrebenden Markt“ und Schwellenland werden. Dafür verlasse es sich auf den Status als einer der weltgrößten Kakao-, Kaffee- und Cashewnuss-Exporteure sowie auf die 500 Kilometer lange Atlantikküste für den Tourismus und die schon vorhandenen 7000 Kilometer Glasfaserkabel. Die IT-Branche mache derzeit ungefähr 7 Prozent des BIP der Elfenbeinküste aus, doch dies solle bis 2020 auf 15 Prozent mehr als verdoppelt werden, so Duncan.

„Ich denke, wir sind die Besten und auf Augenhöhe mit Kenia und Ruanda“, warb der Vizepräsident in seinem Pitch bei den Investoren.

 

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