Wie Guinea aus der Ebola-Epidemie gelernt hat

Medizinisches Personal in Schutzanzügen im Patientenbereich eines Ebola-Behandlungszentrums in Conakry, Guinea, am 13. Oktober 2014. [EPA/KIRSTIN PALITZA]

Die Ebola-Epidemie, die zwischen 2014 und 2016 mehr als 11.000 Menschen in Westafrika tötete, hat es Experten ermöglicht, eine Reihe von Schlussfolgerungen zu ziehen, um die Gesundheitsdienste vor Ort zu verbessern. Ein Report von EURACTIVs Medienpartner efe-epa.

Gemeinsam mit Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besuchte eine Delegation des EU-Parlaments kürzlich Guineas Hauptstadt Conakry, um die Hauptpfeiler des Gesundheitssystems des Landes und die Änderungen zu verstehen, die vorgenommen wurden, um ähnliche Gesundheitskatastrophen wie 2014-16 abzuwenden.

„Nachdem ich die Ergebnisse gesehen habe, denke ich, dass das Land und seine Regierung zusammen mit den NGOs und der EU-Delegation vor Ort gute Arbeit leisten,“ sagte der Leiter der Parlaments-Delegation, Norbert Neuser, gegenüber EFE.

„Zwei Jahre nach der Ebola-Krise kann ich sagen, dass Lehren gezogen wurden. Und das wird auch unsere Botschaft an das Europäische Parlament sein,“ so Neuser. Er leitete die Delegation, die außerdem aus der Deutschen MEP Maria Noichl und Adam Szejnfeld aus Polen bestand.

Ebola: "Der Virus ist noch immer da"

Ebola forderte in Westafrika 11.000 Menschenleben, löste weltweit Panik aus und veranlasste die EU und ihre Staaten zu Milliarden-Hilfen. Manche Lehren seien in der Hysterie untergegangen, warnt der Autor Paul Richards im Interview mit EURACTIV Brüssel.

Die Ebola-Epidemie hatte die Mängel des guineischen Gesundheitswesens hervorgehoben. Diese sind zum großen Teil auf Unterfinanzierung zurückzuführen. Im Jahr 2012 waren nur 1,98 Prozent des Staatshaushaltes für den Gesundheitssektor vorgesehen. Dies wiederum führte zu einer geringen Zahl an Gesundheitspersonal – mit nur 3,59 Ärzten und Krankenschwestern pro 100.000 Einwohnern – und einem Mangel an Medikamenten und Geräten sowie zu einem fehlerhaften Risikofrüherkennungssystem.

„Beim letzten Ausbruch haben wir dreieinhalb Monate gebraucht, um überhaupt festzustellen, dass wir einen Ebola-Ausbruch im Land hatten. Stellen Sie sich das mal vor,“ echauffiert sich Sakoba Keita, Direktor der 2016 gegründeten Nationalen Agentur für Soziale Sicherheit.

Ebola führte 2015 zur Schließung von sechs Prozent der Krankenhäuser, unter anderem wegen des Todes von 115 Ärzten und Sanitätern. „Je knapper und unangemessener die Humanressourcen sind, desto weiter verbreitet und gefährlicher wird die Epidemie,“ erklärt Kaba Abdoulaye, Leiter des Büros für Strategie und Entwicklung im Gesundheitsministerium von Guinea.

Dank der globalen Solidarität und einer koordinierten Strategie der Regierung haben sich die niederschmetternden Statistiken inzwischen verbessert. Das Gesundheitsbudget hat sich im Jahr 2017 auf 7,4 Prozent fast vervierfacht und das Gesundheitspersonal ist um 120 Prozent gestiegen. Rund 27 Krankenhäuser und Gesundheitszentren sowie drei Laboratorien wurden neu gebaut.

Die Zentralapotheke Guineas erhielt im November dank des von der EU für den Zeitraum 2015-2023 finanzierten Gesundheitsförderungsprogramms Arzneimittel im Wert von 2,3 Millionen Euro. Das Programm wird durch zwei weitere europäische Projekte unterstützt, die das Gesamtbudget auf mehr als 115 Millionen Euro erhöhen.

Bei ihrem Besuch im Ignace Deen Hospital musste die Parlaments-Delegation jedoch feststellen, dass immer noch viel zu tun bleibt. Das alte Krankenhaus hat 400 Mitarbeiter, deren Gehälter im Jahr 2017 zwischen 200 und 350 Euro lagen. Sie betreuten insgesamt 8.749 Patienten – mit einem Budget, das größtenteils durch internationale Spenden aufgebracht wurde.

Auch über den Gesundheitssektor hinaus gibt es noch weitere „große Lücken“, so der Europaabgeordnete Szejnfeld mit Blick auf Müllentsorgung und Umweltschutz.

Tatsächlich bietet sich dem in Conakry Eintreffenden zunächst vor allem der Anblick riesiger Mengen an Müll, der sich in den Straßen stapelt. Die zwei Millionen Einwohner der Stadt produzieren rund 3.000 Tonnen Abfall pro Tag – und es gibt kein organisiertes Müllsammelsystem.

Die EU finanziert daher ein Projekt zur Professionalisierung der Abfallwirtschaft sowie ein Stadtentwicklungs- und Sanitärprogramm in Conakry.

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Die WHO hat den Ausbruch von Ebola in der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Die Europäische Kommission kündigte an, die EU könne Hilfe bereitstellen.

Die Weltgesundheitsorganisation will derweil das Land dabei unterstützen, seine Überwachungs- und Risikoerkennungskapazitäten zu erhöhen, damit  die Bevölkerung im Ernstfall besser und schneller vor Epidemien gewarnt und geschützt werden kann, erläutert Georges Alfred Ki-Zebro, der Vertreter der WHO in Guinea.

„Die wichtigste Lektion, die wir gelernt haben, ist die Bedeutung der Gesundheitssicherung in einer globalisierten Welt: Jedes gesundheitliche Ereignis – insbesondere übertragbare Krankheiten – das am entlegensten Ort auftritt, kann innerhalb von 24 Stunden in andere Teile der Welt übertragen werden,“ erklärt er.

Tatsächlich war die jüngste Ebola-Epidemie in einem kleinen Ort in Guinea ausgebrochen. Ein zweijähriger Junge, der mit Fledermäusen gespielt hatte, wurde plötzlich krank und starb einige Tage später.

Entsprechend den Traditionen der Region wurde der kleine Junge drei Tage lang von seiner Familie und seinen Nachbarn gestreichelt und geküsst. Dies löste die Ausbreitung der Krankheit aus; mit tragischen Folgen für Guinea und seine Nachbarländer: Insgesamt kam es zu fast 29.000 Infektionen, die zu mehr als 11.300 Todesfällen führten.

Neben der Stärkung der Überwachungsmechanismen fördert die WHO in Guinea auch das „One Health“-Konzept, das die Gesundheit sowohl von Menschen als auch Tieren beinhaltet.

Ziel ist es, der Bevölkerung verständlich zu machen, dass „ihre Gesundheit von Faktoren beeinflusst wird, die nicht nur medizinisch sind. Dazu zählen Hygiene, Abwasser, Kontrolle von Tierkrankheiten oder der rationelle Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika,“ so WHO-Vertreter Ki- Zebro.

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