WHO bestätigt über 100 Angriffe auf Gesundheitswesen in der Ukraine

Der WHO-Regionaldirektor versicherte, dass die Organisation die Ukraine bei den laufenden humanitären Maßnahmen und "gemeinsam mit den lokalen und nationalen Behörden beim Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Gesundheitssystems" unterstützen werde.  [EPA-EFE/SERGEI ILNITSKY]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit der russischen Invasion am 24. Februar mehr als 100 Angriffe auf das Gesundheitswesen in der Ukraine verzeichnet. Dabei kamen mehr als 70 Menschen ums Leben und das Gesundheitssystem wurde langfristig geschädigt, heißt es in einem Bericht vom Donnerstag (7. April).

Von den insgesamt 103 Angriffen, die seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vor knapp 42 Tagen verübt wurden, waren 89 auf Gesundheitseinrichtungen und 13 auf Transportmittel, einschließlich Krankenwagen, gerichtet.

„Es ist eine wirklich traurige Ironie, dass wir diesen Meilenstein von über 100 Angriffen auf die Gesundheit in der Ukraine am Weltgesundheitstag verzeichnen“, sagte Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, der am Donnerstag das humanitäre Zentrum Lwiw im Westen der Ukraine besuchte.

Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte auf einer Pressekonferenz, die WHO sei „empört darüber, dass die Angriffe auf die Gesundheitsversorgung andauern“, und fügte hinzu, dies sei ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht.

Die Angriffe haben bisher 73 Todesopfer und 51 Verletzte gefordert.

Jarno Habicht, WHO-Vertreter in der Ukraine, betonte, dass „das Gesundheitspersonal im ganzen Land sein Leben riskiert, um denjenigen zu helfen, die medizinische Dienste benötigen, und dass sie und ihre Patient:innen niemals zur Zielscheibe werden dürfen.“

Er fuhr fort: „Wenn Menschen daran gehindert werden, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, weil die Einrichtungen zerstört wurden oder weil sie befürchten, zur Zielscheibe zu werden, verlieren sie die Hoffnung.“

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Langfristige Folgen für das Gesundheitssystem

Die Angriffe auf das Gesundheitswesen wirken sich unmittelbar auf die Zahl der Toten und Verletzten aus und haben langfristige Folgen für das ukrainische Gesundheitssystem, heißt es in der Meldung der WHO.

„Die Situation ist ganz anders als noch vor sechs Wochen, als wir mit den Behörden darüber diskutierten, wie man die Primärversorgung reformieren, die Krankenhäuser modernisieren und digitale Dienste sicherstellen kann, damit wir tatsächlich Fortschritte machen können“, sagte Habicht.

Die WHO ist seit 1994 in der Ukraine vor Ort und arbeitet an der Stärkung des Gesundheitssystems des Landes, wobei der Schwerpunkt auf der primären Gesundheitsversorgung und der Finanzierung des Gesundheitswesens liegt.

Kluge sagte, dass „die ukrainische Regierung seit 2015 und bis zum 24. Februar dieses Jahres dabei ist, das gesamte Gesundheitssystem zu reformieren und auf eine allgemeine Gesundheitsversorgung hinzuarbeiten.“

Er fügte hinzu, dass die Ukraine „hervorragende Fortschritte bei der Bekämpfung von Tuberkulose (TB) und HIV“ gemacht habe.

„Die Ukraine ist ein Beispiel für vorbildliche Verfahren in Osteuropa, da die Tuberkulose-Inzidenz in den letzten 15 Jahren um fast die Hälfte zurückgegangen sei, dank der Investitionen in moderne Diagnosetechnologien zur raschen Erkennung von Tuberkulose-Infektionen und in wirksame Behandlungsschemata für multiresistente Tuberkulose“, so Kluge.

Der WHO-Regionaldirektor versicherte, dass die Organisation die Ukraine bei den laufenden humanitären Maßnahmen und „gemeinsam mit den lokalen und nationalen Behörden beim Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Gesundheitssystems“ unterstützen werde.

„Gesundheit erfordert Frieden, Wohlbefinden erfordert Hoffnung, und Heilung braucht Zeit. Ich spreche im Namen der gesamten WHO-Familie, wenn ich sage, dass es mein innigster Wunsch ist, dass dieser Krieg schnell und ohne weitere Verluste an Menschenleben zu Ende geht. Tragischerweise ist dies nicht die Realität“, schloss er seine Rede bei der Pressekonferenz am Donnerstagmittag. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Angriffe auf das Gesundheitswesen auf 91 gestiegen.

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[Bearbeitet von Alice Taylor]

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