Frankreichs Klimapolitik endet dort, wo der Wald beginnt

Fortschreitende Wüstenbildung: Äthiopien ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder

Die am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder warten noch immer auf die finanzielle Unterstützung, die ihnen im Jahr 2015 in Paris zugesagt wurde. Ein Bericht von EURACTIV France.

18 Monate nach der Einigung auf das Klimaabkommen von Paris haben die am meisten betroffenen Länder Sorgen geäußert, es gebe zu wenig Fortschritte. Sie riefen die Industrienationen zum Handeln auf.

Kleine Inselstaaten im Pazifik, die durch die steigenden Meeresspiegel bedroht sind (wie Fidschi, die Marshallinseln und die Malediven), afrikanische Länder mit fortschreitender Wüstenbildung (beispielsweise Äthiopien und Ruanda) sowie andere Entwicklungsländer, die von extremen Klimaereignissen betroffen sind (Nepal, die Philippinen), haben sich zum Climate Vulnerable Forum (CVF) zusammengeschlossen und bei der Bonner Klimawandel-Konferenz, die letzten Donnerstag endete, gemeinsam Alarm geschlagen.

Globaler Klima-Risiko-Index: Afrika am stärksten von Klimawandel betroffen

Afrika hat in den letzten 20 Jahren am meisten unter extremen Wetterereignissen gelitten, so das Ergebnis des aktuellen Globalen Klima-Risiko-Index (KRI) der NGO Germanwatch. EURACTIV-Kooperationspartner Journal de l’Environnement berichtet.

Verhandlungspartner aus der ganzen Welt diskutierten zehn Tage lang in der ehemaligen deutschen Hauptstadt, wie die Anwendung des Klimaabkommens vorangetrieben werden kann. Die internationale Gemeinschaft hatte sich 2015 verpflichtet, die globale Erwärmung auf 1,5°C gegenüber vorindustriellen Zeiten zu beschränken. Bisher sind die implementierten Maßnahmen aber dafür nicht ausreichend.

Ziele

„Für uns ist das Einhalten des Ziels von 1,5°C eine Frage des Überlebens. Das Pariser Abkommen ist unser Rettungsring”, erklärte Debasu Bayleyegn Eyasu vom äthiopischen Umweltministerium. Äthiopien sitzt derzeit dem CVF vor. Gemeinsam repräsentieren die 48 Mitglieder des Forums mehr als eine Milliarde Menschen, die vom Klimawandel besonders betroffen sind. Im Abschlussplädoyer warnte das CVF, dass die Umsetzung des Abkommens keine Selbstläufer sei und von stärkerer Unterstützung der Industrienationen abhängig ist.

Lucile Dufour vom Climate Action Network – ein Dachverband von 850 umweltpolitischen Nichtregierungsorganisationen – stellte ebenfalls fest: „Es gibt eine Kluft zwischen der derzeitigen Entwicklung der globalen Temperaturkurve und den Zielen, die im Pariser Abkommen formuliert wurden.“ Um den Zielen zu entsprechen, müssten alle Staaten neue nationale Beiträge festlegen. Dies solle bis nächstes Jahr geschehen und bis 2020 komplett umgesetzt sein.

Klimawandel in Peru: Die Klage Davids gegen Goliath

Es war ein in Europa bislang einmaliges Verfahren – und könnte noch weitergehen. Ein peruanischer Landwirt hatte gegen den Energieriesen RWE geklagt, dem er Mitverantwortung für den Klimawandel in seiner Heimat gibt.

100 Prozent erneuerbare Energien

Unter den am schlimmsten betroffenen Ländern wird der Klimawandel sehr ernst genommen und ein drastisches Umdenken in der Energieversorgung angestrebt. Laut Abschlussplädoyer arbeiten die CVF-Mitgliedsstaaten “gemeinsam mit unseren Finanzministerien daran, innovative Wege zu finden, wie wir eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien sicherstellen sowie Risiken minimieren und die Armutsbekämpfung verbessern können.“

Costa Ricas Chefunterhändler für die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) betonte, sein Land „produziert bereits fast durchgängig 100 Prozent erneuerbare Energie. Aber das ist nicht alles: wir werden jetzt den Energietransportsektor in Angriff nehmen und hoffen, dass wir bald mehr erneuerbare Energie in die Nachbarregionen exportieren können.“

Während der COP22-Konferenz in Marrakesch hatten sich die CVF-Länder verpflichtet, in Zukunft ausschließlich auf erneuerbare Energien zu setzen. Damit hätten sie gezeigt, dass sie „Vorreiter in Klimafragen sein wollen“, so Dufour. Bei der COP23, die dieses Jahr vom 6.-17. November in Bonn stattfindet, wird das erste Mal ein kleiner Inselstaat, nämlich Fidschi, den Vorsitz haben.

"Unser Traum: In Swasiland völlig auf Erneuerbare Energien umzustellen"

Swasiland ist eines der ärmsten Länder der Welt. Dennoch verfolgt es auch hinichtlich der Energieversorgung ehrgeizige Ziele. Im Interview mit Euractiv.de erklärt Energieministerin Jabulile Mashwama, wie ihr Land bis 2050 auf Erneuerbare Energiequellen umstellen will und wo die größten Herausforderungen liegen.

Eine Frage der Finanzierung

Um diese Ziele zu erreichen, müssten aber die reichsten Länder der Welt ihre finanziellen Zusagen einhalten, fordert das CVF. Eine „schnelle“ Bereitstellung des zugesagten Kapitals für den Green Climate Fund, der Klimafonds der UNFCCC, sei dringend notwendig. Für die Unterstützung der Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel hatten die Industrienationen im Jahr 2015 einen Anpassungsfonds von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2020 zugesagt. Bisher wurde dies nicht erreicht.

Die EU kündigte am 18. Mai an, ein Finanzpaket von 800 Millionen Euro für ihre Kooperation mit den 79 Ländern der AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) bereitzustellen. Davon sei die Hälfte für Maßnahmen gegen den Klimawandel bis 2020 vorgesehen, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete.

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