US-Wahl: Alles hängt an sieben Swing States

Alles wird auf die Ergebnisse von sieben Swing States hinauslaufen: Pennsylvania, Michigan, Wisconsin, Arizona, Nevada, North Carolina und Georgia. [EPA-EFE | Peter Foley]

Entgegen aller Erwartungen aus den Umfragen auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene sind die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten ein knappes Rennen. Alles wird auf die Ergebnisse von sieben Swing States hinauslaufen, in denen die Ergebnisse nach wie vor nicht hundertprozentig klar sind: Pennsylvania, Michigan, Wisconsin, Arizona, Nevada, North Carolina und Georgia.

Laut aktuellem Stand hätte der Demokrat Joe Biden die Bundesstaaten Wisconsin und Michigan gewonnen. Ebenso führt er in Arizona und Nevada, während Präsident Donald Trump in North Carolina, Georgia und Pennsylvania im Vorteil ist.

Sollte Biden die Staaten gewinnen, in denen er gegenwärtig in Führung liegt, hätte er 270 Wahlleute sicher – genau die Zahl, die erforderlich ist, um die Wahl zu gewinnen und ins Weiße Haus einzuziehen.

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Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen der heutigen Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten.

Nach seiner falschen Siegesmitteilung noch in der Wahlnacht – lange, bevor alle Stimmen ausgezählt worden waren – versuchten Trump und sein Team gestern weiterhin, unbegründete Behauptungen über Wahlbetrug zu schüren sowie die weitere Auszählung von Stimmen in Staaten zu verhindern, in denen Biden führend ist, insbesondere in Pennsylvania und Michigan.

Die Stimmen in Arizona, wo Trump im Rückstand ist, sollten hingegen weiterhin gezählt werden, so die Forderung des Amtsinhabers.

Das Rennen in diesen Staaten in vielen Swing States ist derweil nach wie vor zu eng, als dass am heutigen Donnerstag ein Endergebnis ausgerufen werden könnte.

Wie erwartet: Trump zunächst vorne, Biden zieht nach

In Wisconsin und Michigan hatte Trump zunächst einen frühen Vorsprung, da zunächst die Stimmen der Wahlberechtigten ausgezählt wurden, die vor Ort in den Wahllokalen abgestimmt hatten.

Aufgrund der Wahlregeln in diesen Staaten durften die Beamten erst am Wahltag selbst mit der Auszählung der Briefwahlzettel und früherer Stimmabgaben beginnen. In diesen beiden „Kategorien“ werden den Demokraten deutliche Vorteile vorausgesagt, offenbar zu Recht: So konnte Biden in der Wahlnacht und am Mittwoch langsam Boden gut machen.

Am Mittwochabend mitteleuropäischer Zeit rief CNN dann als erster Sender einen Sieg für Biden im Staat Wisconsin aus; kurz darauf folgte AP. Biden hat aktuell (Stand Donnerstagmorgen) einen Vorsprung von etwas mehr als 20.000 Stimmen; es steht 49,6 zu 48,9 Prozent für ihn.

Das Trump-Wahlteam hat bereits angekündigt, man werde eine Nachzählung in Wisconsin fordern. Darauf haben die Republikaner auch Anspruch, wenn der Unterschied weniger als einen Prozentpunkt beträgt, wobei die Kosten allerdings von Trumps Team getragen werden müssen.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl kam es in Wisconsin ebenfalls zu einer Neuauszählung – die Trump lediglich 131 zusätzliche Stimmen einbrachte. „Viel höher dürften mögliche Zugewinne auch diesmal nicht sein,“ kommentierte der Chief National Correspondent von CNN, John King.

Wenige Stunden, nachdem die Medien die Ergebnisse aus Wisconsin verbreitet hatten, wurde auch das Rennen in Michigan für wahrscheinlich entschieden erklärt: Biden habe dort einen Vorsprung von rund 38.000 Stimmen. Inzwischen (Stand Donnerstagmorgen) ist der Vorsprung auf über 100.000 Stimmen angestiegen; 99 Prozent sind ausgezählt.

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Bei den US-Präsidentschaftswahlen vom Dienstagabend (Mittwochmorgen in Europa) ging noch kein klarer Sieger hervor, da sowohl Donald Trump als auch Joe Biden mehrere wichtige Bundesstaaten früh gewinnen konnten.

Das Team von Trump hatte noch am Mittwoch bekannt gegeben, man werde Klage einreichen, um die Auszählung der Stimmzettel im Bundesstaat zu stoppen. Als Begründung hieß es, man habe keinen ausreichenden Zugang zur Beobachtung der Auszählung erhalten. Tatsächlich stürmten Anhänger des Präsidenten einige Auszählzentren in als demokratisch geltenden Wahlbezirken und riefen „Stoppt die Auszählung“.

Experten teilten hingegen mit, der einzige Grund, die Auszählung der legal abgegebenen Stimmzettel zu stoppen, könne der Verdacht auf „Unregelmäßigkeiten“ sein, was nach Angaben der Wahlämter in Michigan aber nicht der Fall sei.

Noch am Mittwochmorgen hatte Trump in Pennsylvania einen Vorsprung von 500.000 Stimmen. Im Staat mussten zu diesem Zeitpunkt aber noch immer rund 1,4 Millionen Briefwahlzettel ausgezählt werden. Dies könnte für Biden ausreichen, um aufzuholen. Aus Pennsylvania hieß es bereits, man werde frühestens am Freitag oder bestenfalls am späten Donnerstagabend (Ortszeit) endgültige Ergebnisse vorlegen können.

Auch hier hat der Präsident versucht, den Sieg vorzeitig für sich zu beanspruchen und rechtmäßig abgegebene Briefwahlzettel nicht mehr auszuzählen. Trumps Pressesprecherin Kayleigh McEnany teilte Fox News mit, das Trump-Team werde vor den Obersten Gerichtshof ziehen werde, um Stimmzettel anzufechten, die am oder vor dem 3. November abgegeben wurden, aber erst nach der Wahl eintrafen. Allerdings war bereits zuvor klar, dass der Staat ankommende Stimmzettel bis zu drei Tage nach dem eigentlichen Wahltag akzeptieren würde.

Besser sieht es für Trump sowohl in Georgia als auch in North Carolina aus, wo er eine solidere Führungsposition einnimmt. Die besten Chancen hat der Präsident, den Bundesstaat North Carolina zu gewinnen, wo er aktuell einen Vorsprung von rund 77.000 Stimmen hat. Einige Ergebnisse in den eher demokratisch wählenden Städten des Bundesstaates stehen noch aus, aber Experten halten es für unwahrscheinlich, dass dies für Biden ausreichen wird.

Seine Chancen stehen etwas besser in Georgia, wo gerade in den Bezirken um die Großstadt Atlanta herum noch Stimmen gezählt werden müssen. Trump hat derzeit etwa 23.000 Stimmen Vorsprung.

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Er rief die amerikanische Politik zur Anerkennung des Wahlergebnisses auf: “In einer Demokratie gehört es natürlich dazu, bis in letzter Sekunde Stimmen zu gewinnen und Wähler zu überzeugen – um dann aber deren Willen zu respektieren”.

In Führung liegt Biden derweil in Arizona und Nevada. Letzteren Staat hatte Hillary Clinton 2016 mühelos gewonnen.

Während die AP relativ früh eine Entscheidung in Arizona verkündet hatte, haben viele andere Medien wie die New York Times und CNN noch keinen Sieger ausgerufen. Seit der Bekanntgabe von AP hat Biden weiterhin einen soliden, wenn auch schrumpfenden Vorsprung vor Trump. Am Donnerstagmorgen mitteleuropäischer Zeit betrug dieser Vorsprung 50,7 zu 47,9 Prozent.

Die Stimmen im größten Bezirk des Bundesstaates, Maricopa County, zu dem auch die Großstadt Phoenix gehört, stehen noch aus. Die dort bisher registrierten Ergebnisse zeigen einen soliden Vorsprung für Biden.

Besorgniserregender für die Demokraten ist der knappe Vorsprung in Nevada, wo Biden weniger als 8.000 Stimmen vor Trump liegt. Die Wahlbeamten zählen immer noch die Stimmen für alle Bezirke im gesamten Bundesstaat nach. Clark County, zu dem Las Vegas gehört und das etwa 70 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung des Bundesstaates ausmacht, könnte Biden an die Spitze bringen.

Die Wahlämter des Bundesstaates haben erklärt, man werde vor Donnerstag keine weiteren Ergebnisse veröffentlichen.

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