US-Sanktionen: Huawei bereitet sich „auf das Schlimmste“ vor

Die Auseinandersetzung zwischen den US-Behörden und dem chinesischen Unternehmen Huawei gehen weiter. Im Bild: Das Logo der Firma nahe der Flagge der US-Botschaft in Kuala Lumpur, Malaysia. [EPA-EFE/FAZRY ISMAIL]

Der chinesische Telekom-Riese Huawei bereitet sich „auf das Schlimmste“ vor, „hofft aber auf das Beste“, so der Vizepräsident des Unternehmens für die Region Europa, Abraham Liu. Der Hintergrund: Am 19. August läuft die einstweilige Aufschiebung des US-Handelsverbots für Huawei-Geräte aus.

Dabei scheint es dem Unternehmen (vorerst) gelungen zu sein, die Risiken für seine Gewinnmargen aufgrund der US-Maßnahmen abzuwehren: Huaweis globaler Umsatz sei im ersten Halbjahr 2019 um 23 Prozent auf 401 Milliarden CNY (rund 52 Milliarden Euro) gestiegen, bei einer Nettogewinnmarge von 8,7 Prozent, teilte der Vorstandsvorsitzende Liang Hua am gestrigen Dienstag in Shenzhen mit.

„In Anbetracht der Situation könnte man denken, dass die Dinge für uns chaotisch verlaufen würden. Aber das ist bei weitem nicht der Fall,“ zeigte Liang sich zufrieden. „Wir haben hart daran gearbeitet, einen weiterhin reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, und unsere Firma ist so solide wie eh und je.“

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Liang musste jedoch einräumen, dass unmittelbar nach der Aufnahme von Huawei in die US-Liste der nicht zugelassenen Unternehmen und Produkte „Auswirkungen auf den Verkauf von Smartphones auf dem Markt außerhalb Chinas“ zu verzeichnen waren.

Nachdem die US-Behörden eine vorübergehende Aufschiebung des Verbots beschlossen und somit den weiteren Verkauf amerikanischer Gerätebauteile an Huawei ermöglicht hatten, konnte Huawei rund 80 Prozent der Umsatzeinbußen aber wieder ausgleichen, so Liang weiter.

Das Ablaufdatum für diese Entlastungsperiode (19. August) rückt allerdings immer näher. Liang erklärte in dieser Hinsicht gestern, das Unternehmen tue alles Erdenkliche, um die Risiken in seinen Lieferketten zu mindern.

Um trotz eines Handelsverbots mit amerikanischen Zulieferern einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten habe Huawei in den vergangenen Wochen und Monaten größere Lagerkäufe bestimmter Komponenten durchgeführt, die von zukünftigen US-Handelsbeschränkungen betroffen sein könnten.

Keine starken Auswirkungen durch US-Sanktionen?

Ein Sprecher von Huawei betonte gegenüber EURACTIV ebenfalls, man habe bereits diverse Maßnahmen ergriffen, um „potenzielle Befürchtungen zu widerlegen, dass Huawei in Zukunft bestimmte Komponenten nicht mehr liefern könnte“. Er unterstrich auch, das Unternehmen wolle kein Bauernopfer bei zukünftigen Handelsabkommen mit den USA sein.

Am vergangenen Donnerstag sagte der Vizepräsident des Unternehmens für die Region Europa, Abraham Liu, Huawei habe zusätzliche 6.000 Personen eingestellt, um „die Löcher zu flicken“, die aufgrund der Handelsbeschränkungen in der Lieferkette des Unternehmens entstanden seien.

Man habe in dieser Hinsicht aber gute Fortschritte erzielt: Die Störungen der globalen Lieferkette als Folge der US-Aktionen seien begrenzt, fügte Liu hinzu; 70 Prozent der „Löcher“ seien behoben worden.

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Indes geht die Konfrontation zwischen Huawei und der amerikanischen Regierung in die nächste Runde: Anfang dieser Woche schrieb die Kommunikationsleiterin des Unternehmens, Catherine Chen, einen scharfen Angriff auf den stellvertretenden Staatssekretär der USA für Cyberpolitik und Internationale Kommunikation sowie Informationspolitik, Robert Strayer. Strayer spielt eine führende Rolle in der amerikanischen Kampagne gegen Huawei.

Chen schrieb auf EURACTIV.com: „Strayers Gedanken und Ideen fußen nicht in der Realität“. Seine Aussagen zeugten ihrer Ansicht nach „von einem veralteten Verständnis über mobile Technologien“.

Bisher hat die US-Regierung nicht auf Chens Attacke reagiert.

In Europa übt Huawei derweil weiterhin wachsenden Einfluss auf den 5G-Markt aus. Während eines kürzlich in Brüssel abgehaltenen Mediengesprächs teilte Chen mit, Huawei schließe weiterhin eifrig 5G-Aufträge ab. Dabei sei die Mehrheit der bereits abgeschlossenen Verträge mit europäischen Auftragnehmern ausgehandelt worden: Das Unternehmen hat demnach weltweit 50 derartige 5G-Verträge abgeschlossen, davon 28 mit europäischen Betreibern.

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