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21/01/2017

US-Regierung distanziert sich von Netanjahus Holocaust-Äußerung

EU-Außenpolitik

US-Regierung distanziert sich von Netanjahus Holocaust-Äußerung

Israels Ministerpräsident Netanjahu will die Friedensinitiative von 2002 wiederbeleben.

Foto: dpa

Bundesaußenminister Steinmeier empfängt heute seinen US-Kollegen Kerry und Israels Regierungschef Netanjahu zu Beratungen in Berlin. Zuvor distanzierte sich die US-Regierung von den umstrittenen Aussagen Netanjahus zum Holocaust.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, erklärte am Mittwoch in Washington, Netanjahus Darstellung entspreche „nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Die USA sind der wichtigste Verbündete Israels.

Der israelische Ministerpräsident hatte in seiner Heimat scharfe Proteste mit der Äußerung ausgelöst, Adolf Hitler habe die Juden ursprünglich nur vertreiben wollen. Der Mufti von Jerusalem habe ihn jedoch überzeugt, die Juden zu vernichten. Zum Auftakt seines Deutschland-Besuchs am Mittwoch wiederholte Netanjahu die Aussage nicht, sondern erklärte: „Hitler ist verantwortlich für den Holocaust. Niemand sollte das in irgendeiner Weise leugnen.“

„Wir wissen um die ureigene deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen. Ich sehe keinen Grund, dass wir unser Geschichtsbild in irgendeiner Weise ändern“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Zuvor hatte Netanjahu scharfe Proteste mit Äußerungen ausgelöst, der frühere palästinensische Mufti habe Hitler zum Holocaust angestiftet.

Hitler habe ursprünglich die Juden nur vertreiben wollen, sagte Netanjahu beim Zionistischen Kongress kurz vor seinem Besuch in Berlin. Der Mufti Hadsch Amin al-Husseini habe Hitler jedoch bei einer Visite 1941 umgestimmt, indem er eingewandt habe, sollten die Juden vertrieben werden, würden alle nach Palästina kommen. Hitler habe dann gefragt, „Was soll ich mit denen machen?“, worauf der Mufti geantwortet habe: „Verbrenne sie.“

Israelische Oppositionspolitiker und Historiker warfen Netanjahu umgehend die Verdrehung historischer Tatsachen vor. Vertreter der Palästinenser kritisierten, der Regierungschef wolle Hitler vom Holocaust freisprechen, um Muslimen die Schuld am Massenmord an sechs Millionen Juden in die Schuhe zu schieben. „Herr Netanjahu sollte diese humanitäre Tragödie nicht instrumentalisieren, um für seine politischen Ziele zu punkten“, erklärte der palästinensische Chef-Unterhändler Saeb Erekat. Kritik kam auch vom israelischen Verteidigungsminister Mosche Yaalon. Husseini habe nicht die sogenannte Endlösung erfunden. „Das war die teuflische Idee von Hitler selbst“, sagte er im Armee-Rundfunk.