US-Exekutive im ständigen Nervenzusammenbruch

Sein neues Buch bringt Trubel ins Weiße Haus: Watergate-Enthüller Bob Woodward. [EPA-EFE/ALBIN LOHR-JONES]

Ein weiteres Buch beschreibt bizarre Zustände im Weißen Haus. Watergate-Enthüller Bob Woodward interviewte dafür hunderte Insider.

Für das Weiße Haus ist die Sache eindeutig. „Alles erfunden“, von ehemaligen Mitarbeitern, die verärgert seien und den Präsidenten nur schlecht machen wollten, verkündet die Sprecherin Sarah Sanders, eine Erklärung, die es bei kritischen Büchern schon häufiger gegeben hat. US-Präsident Donald Trump selbst nennt das Buch auf Twitter einen „Betrug an der Öffentlichkeit“ und der Autor womöglich ein „Agent der Demokraten“.

Seit Wochen wartet die amerikanische Öffentlichkeit gespannt auf das neue Werk des renommierten Reporters Bob Woodward, der zusammen mit Carl Bernstein 1974 die Watergate-Affäre aufgedeckt hatte, die zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon führte. Offiziell erscheint „Fear: Trump in the White House“ (Angst: Trump im Weißen Haus) am 11. September, doch die „Washington Post“, deren Mitherausgeber Woodward ist, veröffentlichte vorab bereits Auszüge.

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Peinliche Zitate enger Mitarbeiter

Darin beschreibt der Autor ein völlig chaotisches Weißes Haus, dessen Mitarbeiter ständig bemüht sind, ihren unberechenbaren und überforderten Chef von schwerwiegenden Fehlern (die Zerstörung des Welthandelssystems oder das Anzetteln von Kriegen) abzuhalten, etwa in dem sie seine Anweisungen ignorierten oder Unterlagen von seinem Schreibtisch im Oval Office entfernten.

Dazu kommen peinliche Zitate engster Mitarbeiter wie dem Stabschef John Kelly, der den Präsidenten demnach einen „Idioten“, der völlig außer Kontrolle sei, nannte, oder dem Verteidigungsminister James Mattis, der Trump die „Aufnahmefähigkeit und das Verhalten eines Fünft- oder Sechstklässlers“ bescheinigt haben soll. Trump wiederum soll seinen eigenen Justizminister Jeff Sessions „einen dummen Südstaatler“ genannt haben, der „geistig zurückgeblieben“ sei.

448 Seiten lang geht das so. Die Exekutive „des mächtigsten Landes der Welt“ befinde sich in einem ständigen Nervenzusammenbruch, schreibt Woodward – was diese offiziell natürlich entschieden von sich weist. Doch der zweifache Pulitzer-Preisträger Woodward hat den Ruf, sehr genau und korrekt zu arbeiten. Laut „Washington Post“ hat er mit hunderten Quellen im Weißen Haus gesprochen, dabei seien unter anderem mehr als 100 Stunden Tonbandaufnahmen entstanden. Zudem habe er Sitzungsprotokolle, Aufzeichnungen und Regierungsdokumente ausgewertet. Immer wieder habe Woodward auch versucht, mit Trump selbst zu sprechen, sei aber nicht zu ihm durchgedrungen. Erst im August, nachdem das Manuskript bereits fertig war, habe der Präsident angerufen und sich gesprächsbereit gezeigt. Die Zeitung veröffentlichte eine Abschrift des Telefonats.

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Bizarre Zustände im Weißen Haus

„Fear“ ist mitnichten das erste Buch, das die bizarren Zustände im Weißen Haus beschreibt und aufzeigt, wie engste Mitarbeiter über den Präsidenten denken. So berichtet Michael Wolff in „Fire and Fury“ ebenfalls, dass Trumps Mitarbeiter ihn hintergingen, um ihr Land zu beschützen. Der geschasste FBI-Chef James Comey nennt Trump in „Größer als das Amt“ einen „Mafiaboss ohne Moral“. Und in „Unhinged“ beschreibt Trumps Ex-Mitarbeiterin Omarosa Manigault-Newman den Präsidenten als Rassisten und Frauenfeind. Für Trump ist daher alles ein- und dasselbe: „Fear“ sei „nur ein weiteres schlechtes Buch“, sagte er der konservativen Webseite „Daily Caller“.

Ari Fleischer, Ex-Sprecher des Weißen Hauses unter Präsident George W. Bush, erklärte dagegen auf Twitter: „In dem Buch sind Zitate, die mir nicht gefallen. Aber nicht einmal – niemals – dachte ich, dass Woodward das erfunden hat.“ Dieser verhalte sich stets korrekt. „Jemand hat ihm das alles gesagt.“

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