US-Botschafter: Großbritannien wird auch nach Brexit wichtigster NATO-Partner bleiben

Der US-Botschafter in Athen Geoffrey R. Pyatt, hier bei einer Veranstaltung der US-Botschaft in Kiew. [U.S. Embassy Kyiv Ukraine/Flickr]

Großbritannien wird auch nach dem Brexit einer der wichtigsten NATO-Partner der USA bleiben, sagt der US-Botschafter in Athen, Geoffrey R. Pyatt, im Interview mit EURACTIVs Medienpartner European Business Review.

Auf die Frage, ob er glaube, dass der Brexit tatsächlich vollzogen werde, antwortete Pyatt, dies sei „Sache meiner Kollegen in London und Brüssel“.

Er machte allerdings deutlich: „Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass Großbritannien einer unserer wichtigsten NATO-Verbündeten, einer unserer wichtigsten lokalen militärischen Partner bleiben wird. Wir sehen die Entscheidung des britischen Volkes über ihre Zukunft in der Europäischen Union in keinster Weise als schädlich für die Stärke unserer Bündnispartnerschaft.“

Der vormalige US-Botschafter in der Ukraine fügte hinzu, er sei optimistisch, was die zukünftigen EU-US-Beziehungen angehe. Diese beruhten „auf der Basis geteilter Werte“, so Pyatt.

Die NATO sei „der Schlüssel zu allen Zielen, die die Vereinigten Staaten weltweit im Sinne einer sicheren, wohlhabenden und demokratischen Welt verfolgen.”

Tatsächlich sind die transatlantischen Beziehungen jedoch mehrfach erschüttert worden, seit Donald Trump das US-Präsidentenamt im Januar 2017 übernahm. Uneinigkeit herrscht beispielsweise bezüglich der zukünftigen Rolle der Vereinten Nationen oder beim Atomabkommen mit dem Iran.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte im Oktober vergangenen Jahres Trumps Politik indirekt kritisiert, ohne ihn namentlich zu nennen: „Es gibt eine Alternative zur Außenpolitik der Isolation, der Angst, des Protektionismus und der Konfrontation – und das ist der europäische Weg,“ so Mogherini wörtlich.

Mogherini gegen Trump: EU ist die "einzige glaubwürdige" globale Macht

Die Außenbeauftragte sagte, Isolation führe in der Außenpolitik zu nichts. Die EU sei inzwischen „die einzige glaubwürdige und berechenbare“ globale Macht.

Die USA und Griechenland

In Bezug auf Griechenland unterstrich Pyatt: „Die USA haben ein Interesse an einer starken Europäischen Union; und das Interesse an einer stabilen und wohlhabenden Eurozone kann nicht erreicht werden, wenn Griechenland zurückgelassen wird.“

Im vergangenen Oktober hatte sich der griechische Premierminister Alexis Tsipras mit Trump in Washington getroffen. Ebenso wie sein Vorgänger Barack Obama macht sich Trump für eine Umstrukturierung der griechischen Schulden stark. Eine solche Umschuldung fordert der Internationale Währungsfonds bereits seit längerem – während die deutsche Regierung sich dagegen stellt.

Athen wird am 22. Januar wohl die dritte Überprüfung des Stabilisierungsprogramms erfolgreich abschließen. Die Regierung rechnet damit, dass das Land dann im August 2018 aus dem Programm aussteigen und wieder eigenständig Kapital auf den Finanzmärkten erhalten kann.

Der US-Botschafter verwies im Interview auch auf die geopolitisch wichtige Lage des NATO-Marinestützpunkts auf der griechischen Insel Kreta. In Anbetracht der Entwicklungen im Nahen Osten und im Mittelmeerraum sei diese Basis heute möglicherweise wichtiger als jemals zuvor.

Pyatt erklärte: „Die Herausforderungen sind der Islamische Staat, eine Stabilisierung der Situation in Syrien und eine vollständige militärische Zerstörung des IS-Kalifats in der Region. Wir haben aber auch die schwierige Situation in Nordafrika, in Libyen, im Blick. Darüber hinaus gibt es auch noch das Thema des schädlichen russischen Einflusses im Schwarzmeer- und Balkanraum. Der eine Ort, an dem alle diese strategischen Entwicklungen, diese problematischen Konstellationen, zusammenlaufen, ist Griechenland.“

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