UN-Bericht: Kampf gegen AIDS unzureichend

Heute wissen immerhin drei von vier mit HIV infizierte Menschen von ihrer Erkrankung. [Jon Rawlinson/Flickr]

Die Zahl der AIDS-bedingten Todesfälle weltweit ist zum ersten Mal auf unter eine Million gesunken, heißt es in einem neuen Bericht des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS). Dennoch gebe es zu wenig Fortschritte und die 2020er-Ziele könnten verfehlt werden, warnt die Organisation. Ein Bericht von EURACTIV Frankreich.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Aids ist im Jahr 2017 zurückgegangen. Doch die globalen Anstrengungen reichen nach wie vor nicht aus, um die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen, warnte UNAIDS im Vorfeld der 22. Internationalen AIDS-Konferenz, die heute in Amsterdam startet.

Die UN-Organisation hat kürzlich einen Bericht mit dem Titel „Miles To Go“ veröffentlicht, in dem sie den Kampf gegen die größte Pandemie des 20. Jahrhunderts gemischt bewertet.

Der Bericht hebt einige Erfolge hervor: So wissen heute drei von vier Menschen, die mit HIV leben, von ihrer Erkrankung. Die Zahl der Menschen, die sich in Behandlung befinden, erreicht inzwischen 21,7 Millionen; seit 2016 haben 2,3 Millionen zusätzliche Menschen Zugang zu medizinischer Behandlung erhalten.

Gerade in einigen der am stärksten betroffenen Länder hat die Behandlung von Menschen mit HIV bemerkenswerte Fortschritte gemacht. In Südafrika, wo 2001 nur rund einhundert Menschen behandelt wurden, „sind es heute 4,3 Millionen“, betonte Michel Sidibé, Geschäftsführer von UNAIDS, in einem Interview mit France Info.

Im östlichen und südlichen Afrika – Regionen, in denen mehr als die Hälfte der weltweit 36,9 Millionen Menschen mit HIV leben (53 Prozent) – betrug der Rückgang der AIDS-Todesfälle zwischen 2010 und 2017 42 Prozent. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist im gleichen Zeitraum mit rund 30 Prozent drastisch zurückgegangen.

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Fortschritte erzielt, aber UN-Ziele nicht erreicht

Diese Verbesserungen reichen jedoch nicht aus, um die von der UNO gesetzten Ziele für 2020 zu erreichen.

UNAIDS hofft, bis dahin die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Aids auf 500.000 pro Jahr zu reduzieren. Außerdem sollen die sogenannten 90-90-90 Ziele erreicht werden, d.h.: 90 Prozent der Menschen mit HIV kennen ihren Gesundheitszustand, 90 Prozent der HIV-positiven Menschen haben Zugang zu medizinischer Behandlung und bei 90 Prozent der Menschen in Behandlung besteht Kontrolle über die Virusbelastung (was die Risiken einer weiteren Übertragung verringert).

Seit 2010 sind die Neuinfektionen auf globaler Ebene um 16 Prozent zurückgegangen – aber um die UN-Ziele zu erreichen, sollten diese Zahlen eigentlich um bis zu 75 Prozent sinken.

„Die Erfolge, die wir in Bezug auf gerettete Leben und das Stoppen neuer HIV-Infektionen erzielt haben, sind bemerkenswert, aber immer noch begrenzt,“ so Sidibé. Er warnte, die Erfolge könnten „den Weg zu einer gefährlichen Form von Selbstgefälligkeit ebnen“.

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„Präventions- und Finanzierungskrise“

Tatsächlich befürchte er eine „Präventionskrise“, so der UNAIDS-Geschäftsführer. Die Zahl der Neuinfektionen gehe nicht schnell genug zurück. Auch im Jahr 2017 war die Zahl der festgestellten Neuinfektionen nach wie vor hoch: Insgesamt mussten in diesem Jahr 1,8 Millionen Menschen feststellen, dass sie HIV-positiv sind. Das sind durchschnittlich rund 5.000 neue Fälle pro Tag.

Dem Bericht zufolge werden nicht ausreichend Präventionsdienste angeboten, um diejenigen zu erreichen, die sie am dringendsten benötigen.

Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Finanzierung der AIDS-Bekämpfung, die nach wie vor von internationalen Geldgebern abhängt.

„Wir stehen nun auch vor einer Finanzierungskrise. Ich freue mich, dass die Mittel für die AIDS-Bekämpfung im Jahr 2017 aufgestockt wurden. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es immer noch ein Defizit von 20 Prozent zwischen den benötigten und den verfügbaren Ressourcen gibt,“ erinnerte Sidibé.

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