UN-Generalsekretär: Nach dem Coronavirus wird die Welt noch digitaler werden

"Eines ist klar: Wir sehen die massenhafte Digitalisierung der menschlichen Beziehungen im Zusammenhang mit der Krise, und das wird unvermeidliche Auswirkungen haben", sagte UN-Generalsekretär Guterres. [EPA-EFE/SALVATORE DI NOLFI]

Die Welt nach dem Coronavirus wird eine andere und viel digitalere Welt sein als zuvor, betonte der Generalsekretär der Vereinten Nationen in einem Interview mit EURACTIVs Medienpartner Efe.

In dem virtuellen Gespräch mit Antonio Guterres forderte der UN-Generalsekretär zudem Schutzmaßnahmen, die sicherstellen, dass die gesellschaftlichen Kontrollmechanismen, die zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie entwickelt wurden, nicht von Diktaturen missbraucht werden.

Guterres betonte nachdrücklich, dass das neuartige Coronavirus ein Vorher und ein Nachher markieren wird – dieser neue Zustand zeichne sich bereits jetzt ab.

„Eines ist klar: Wir sehen die massenhafte Digitalisierung der menschlichen Beziehungen im Zusammenhang mit der Krise, und das wird unvermeidliche Auswirkungen haben“, sagte der 70-jährige portugiesische Politiker und Diplomat.

„Die Zukunft wird viel digitaler sein als die Vergangenheit. Dies wird der Entwicklung der künstlichen Intelligenz, der Entwicklung aller Cyberspace-Aktivitäten, einen wichtigen Impuls geben“, fügte er anschließend hinzu.

Die Kehrseite sei, so warnte er, dass es viel notwendiger sein wird, „Regulierungen und andere Mechanismen zu schaffen, damit die Entwicklung der digitalen Welt zum Wohle der Menschheit erfolgt und die bestehenden und bekannten Risiken vermieden werden können“.

„Eines der Risiken besteht natürlich darin, dass diese Krankheit gesellschaftliche Kontrollmechanismen schafft, die Diktaturen helfen können, was wir natürlich versuchen müssen, in Zukunft zu verhindern“, stellte Guterres klar.

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Eine weitere Auswirkung des Kampfes gegen das Coronavirus ist, zumindest kurzfristig, eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen, die aus den Eindämmungsmaßnahmen und dem abrupten Stopp der wirtschaftlichen Aktivität in vielen Teilen der Welt resultieren.

In diesem Zusammenhang sagte Guterres, die Welt müsse „diese Gelegenheit nutzen, um einen sehr starken Impuls für eine nachhaltige Entwicklung zu geben“ und die festgelegten Klimaziele zu erfüllen. Allerdings verdeutlichte er, dass kein Virus die Klimakrise lösen könne.

Im aktuellen Kampf gegen die COVID-19-Pandemie zeigte sich der UN-Generalsekretär vor allem besorgt über die mangelnde Koordination zwischen den Ländern.

Viele Nationen wie Indien, Frankreich und Italien haben das öffentliche Leben im Wesentlichen stillgelegt, während andere wie Schweden und Japan lähmende Maßnahmen bisher vermieden haben.

„Für mich ist es sehr schwierig, die Maßnahmen der einzelnen Länder zu analysieren“. Dennoch kritisierte er die Tatsache, dass jede Regierung von sich aus und ohne „Koordinierung auf globaler Ebene“ handelt.

„Wenn ein Land bestimmte Maßnahmen ergreift und ein anderes Land andere Maßnahmen umsetzt, nutzt das Virus diese Widersprüche aus, um die Gebiete zu infiltrieren, in denen die Reaktionsfähigkeit geringer ist“, warnte Guterres. Einige Nationen stehen laut Guterres entweder bereits vor dramatischen Bedingungen oder werden diese bald noch erleben.

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In dieser Hinsicht müsse die Weltgemeinschaft erkennen, so der UN-Generalsekretär, dass das Coronavirus bisher vor allem reichere Länder wie China, Südkorea, die europäischen Nationen und die Vereinigten Staaten befallen habe. Dies werde sich jedoch bald ändern.

„Wir sehen, dass [das Virus] in die südliche Hemisphäre und insbesondere nach Afrika vordringt, und die Reaktionsfähigkeit der Gesundheitssysteme dieser Länder ist sehr, sehr begrenzt“, warnte er.

„Ohne massive Unterstützung für die Länder des [globalen] Südens riskieren wir, dass sich das Virus auf absolut dramatische Weise, wie ein Lauffeuer, ausbreitet. Mit Millionen von Infizierten und Millionen von Toten“, fügte Guterres hinzu.

Dies würde „aus allen Perspektiven, auch aus moralischer Sicht, eine absolut unerträgliche Tragödie sein,“ so der portugiesische Diplomat.

Die entwickelten Länder müssen sich solidarisch zeigen und dürfen nicht vergessen, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, die Krankheit weltweit auszurotten, da die Gefahr besteht, dass sie in ihre Region zurückkehrt.

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Unter Bezugnahme auf die sozioökonomischen Auswirkungen der Pandemie und Strategien zur Schadensbegrenzung forderte der UN-Generalsekretär eine „direkte Unterstützung“ für Familien und kleine und mittlere Unternehmen.

„Dies ist keine Finanzkrise wie die Krise von 2008. Dies ist eine menschliche Krise“, sagte Guterres, der darauf bestand, dass die typischen Reaktionen auf starke wirtschaftliche Abschwünge in diesem Fall nicht gelten.

Eine noch nie dagewesene Mobilisierung von Ressourcen, die fast zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts eines jeden Landes entspricht, sei erforderlich, erklärte der UN-Generalsekretär.

Darüber hinaus stellte Guterres klar, dass die Welt nicht zu ihrem früheren Status quo zurückkehren kann, wenn die Rezession vorbei ist.

„Wir müssen diese Gelegenheit nutzen, damit der Aufschwung dafür sorgen kann, dass wir eine Wirtschaft haben, die integrativer und nachhaltiger ist und besser in der Lage ist, Epidemien, dem Klimawandel und all den anderen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, zu widerstehen“, forderte der UN-Generalsekretär.

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