UN-Generalsekretär fordert angesichts COVID-19-Pandemie sofortige Waffenstillstände

"Beendet die Seuche namens Krieg und bekämpft die Krankheit, die unsere Welt verwüstet", schreibt Guterres in einem Brief. [EPA-EFE/SALVATORE DI NOLFI]

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief am Montag zu einem globalen Waffenstillstand in allen Konfliktzonen der Welt auf. Dadurch solle die ohnehin gefährdete Zivilbevölkerung vor den Folgen der Coronavirus-Pandemie geschützt werden.

„Die Heftigkeit des Virus verdeutlicht, wie unsinnig Kriege sind”, schreibt der UN-Chef in einem Brief, ohne dabei ein bestimmtes Land namentlich zu erwähnen.

„Deshalb fordere ich heute einen sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt. Es ist an der Zeit: Beendet die Seuche namens Krieg und bekämpft die Krankheit, die unsere Welt verwüstet“, heißt es in Guterres‘ Brief weiter.

Syrien hat bereits seinen ersten Fall einer Infektion mit dem Coronavirus gemeldet –  weitere Fälle sind in der Demokratischen Republik Kongo und in Afghanistan aufgetreten.

Experten und Diplomaten erwarten, dass das Virus in Konfliktländern, die überwiegend arm sind und ein fragiles Gesundheitssystem haben, verheerende Folgen haben wird.

"Falsches Signal": Mit Einschränkungen der Menschenrechte gegen das Coronavirus?

Mindestens sechs Staaten in Europa könnten aufgrund der Coronavirus-Pandemie von den Leitsätzen der Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) abweichen.

Der Syrien-Konflikt dauert nun schon seit zehn Jahren an, während der libysche Bürgerkrieg seit über einem Jahr wütet. Internationalen Mediationsbemühungen waren bisher nicht erfolgreich.

Bereits am Wochenende hatte Guterres gegenüber Reportern erklärt, dass die Konfliktparteien in Libyen positiv auf Aufrufe zu einer „humanitären Pause“ zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie reagiert hätten. Am Montag räumte er jedoch ein, dass ein kürzlich vereinbarter Waffenstillstand „nicht gut hält. Dies ist einer der Gründe, warum wir meiner Meinung nach einen globalen Waffenstillstand brauchen“.

Gutteres ergänzte, die UNO-Gesandten in Konfliktgebieten würden erneut mit den Kriegsparteien sprechen, „um sicherzustellen, dass dieser globale Appell nicht nur gehört wird, sondern zu konkreten Maßnahmen führt: Zu einer Kampfpause, die die Voraussetzungen dafür schafft, dass die Reaktion auf COVID-19 viel wirksamer sein wird“.

Zahlreiche globale Konflikte

Auch der Krieg in der Ostukraine dauert seit fast sechs Jahren an. Es ist ein Konflikt mit wenig beachteten Waffenstillständen – und keiner Lösung in Sicht. Auch im Jemen besteht keine unmittelbare Aussicht auf ein Ende des fünfjährigen Konflikts.

Extremistische Gruppen wie der Islamische Staat und al-Qaida verüben weiterhin regelmäßig Anschläge in Südostasien, Syrien, Somalia, Nigeria, Mali, Burkina Faso und anderen Ländern der Welt, während in lateinamerikanischen Ländern wie Kolumbien noch kein dauerhafter Frieden mit bewaffneten Gruppen geschlossen werden konnte.

In seinem Brief betont Guterres daher, die Welt stehe „einem gemeinsamen Feind gegenüber: COVID-19“.

„Es ist an der Zeit, den bewaffneten Konflikt zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf um unsere Leben zu konzentrieren,“ appelliert er. „Bringt die Waffen zum Schweigen, stoppt die Artillerie, beendet die Luftangriffe.“

EU-Rat will Krisenzentrum einrichten und Weg aus der Pandemie ebnen

Die Staats- und Regierungschefs der EU bereiten sich auf den morgen stattfindenden EU-Gipfel vor, der per Videokonferenz abgehalten wird. Nun liegt eine vorläufige Abschlusserklärung vor.

 

Laut der Johns Hopkins University gibt es aktuell weltweit gut 438.000 bestätigte Coronavirus-Fälle, wobei die Zahl der Todesfälle bei knapp 20.000 liegt. Das erhöht die Notwendigkeit, lebensrettende Hilfe leisten zu können, die in vielen Fällen durch die anhaltenden Konflikte verhindert wird.

Der UN-Generalsekretär wies darauf hin, dass im Kampf gegen das Coronavirus „die Schwächsten – Frauen und Kinder, Menschen mit Behinderungen, Benachteiligte und Vertriebene – den höchsten Preis zahlen“.

Nachdem Guterres schon vergangene Woche eine globale Antwort auf die Pandemie gefordert hatte, die nach seinen Worten „Millionen“ Menschenleben gefährdet, wird die UNO am heutigten Mittwoch voraussichtlich einen detaillierten weltweiten Plan für humanitäre Hilfe mit der Schaffung eines Fonds für den internationalen Kampf gegen das Virus vorlegen.

Guterres kündigte einen Aufruf an die Mitgliedsländer für humanitäre Hilfsgelder in Höhe von zwei Milliarden Dollar an. Außerdem habe er einen Brief an die Führer der G20-Gruppe geschickt, die diese Woche ein virtuelles Treffen abhalten wollen, an dem er ebenfalls teilnehmen wird. Er forderte sie dabei zu mehr Koordination bei ihrer Reaktion auf die Pandemie auf.

Deutscher Corona-Hackathon liefert 800 Ideen

Die deutsche Regierung lud ein, Lösungen für akute Herausforderungen der Corona-Pandemie zu finden. Dem Aufruf folgten über 42.000 TeilnemerInnen. Doch die Zukunft der Projekte ist unklar.

(Bearbeitet von Benjamin Fox und Britta Weppner)

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN