Ukrainischer Vize-Premierminister: Russlands Cyber-Stärke überschätzt

"Seit Beginn des Krieges kann kein wirklicher Sieg Russlands bei Cyberangriffen gegen kritische Einrichtungen verzeichnet werden", sagte Fedorov auf einer Pressekonferenz in Paris (11. Mai). [photowalking/Shutterstock]

Russland werde sowohl hinsichtlich seiner militärischen Stärke als auch seiner Cyberoperationen überschätzt, so Mykhailo Fedorov, Vizepremierminister der Ukraine und Minister für digitale Transformation, auf dem Pariser Cyber-Gipfel 2022.

„Seit Beginn des Krieges kann kein wirklicher Sieg Russlands bei Cyberangriffen gegen kritische Einrichtungen verzeichnet werden“, sagte Fedorov auf einer Pressekonferenz in Paris (11. Mai). Der Schwerpunkt der ukrainischen Cyberstrategie liegt auf dem Schutz kritischer Einrichtungen, deren Zerstörung katastrophal wäre.

Schon in den ersten Tagen des Krieges wurde deutlich, dass der Einmarsch Russlands in die Ukraine viel schwieriger und langwieriger sein werde als erwartet. Aber auch in der Cybersphäre hat die Ukraine bewiesen, dass sie gut vorbereitet ist und schnell lernt.

„Der Unterschied zwischen ihnen und uns besteht darin, dass wir den Cyberspace nutzen, um etwas zu schaffen, während Russland ihn nutzt, um zu zerstören“, sagte Fedorov. Er betonte auch die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen Ländern, für deren Unterstützung die Ukraine sehr dankbar sei.

Nur einen Tag vor der Cyberkonferenz, am 10. Mai, trafen sich die Minister:innen für Digitales der G7 in Düsseldorf, um über die Zukunft der Digitalisierung zu diskutieren, wobei der Schwerpunkt auf der Cybersicherheit lag.

In einer Presseerklärung betonten die Minister:innen, dass sie die Ukraine weiterhin bei der Verteidigung ihrer Netzwerke gegen Cybervorfälle unterstützen werden. Da die Ukraine ganz oben auf der Tagesordnung stand, wurde Fedorov auch zu den G7-Treffen in Düsseldorf eingeladen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Ukraine nicht ununterbrochen Ziel russischer Operationen war – bereits Jahre vor dem Angriff. Die Nichtregierungsorganisation CyberPeace Institute hat beispielsweise eine Zeitleiste erstellt, in der die zahlreichen gemeldeten Cyberangriffe auf ukrainische Einrichtungen, Organisationen, einschließlich humanitärer Nichtregierungsorganisationen, und Bürger:innen seit dem 24. Februar aufgeführt sind.

Nutzung der Cybersphäre zur Unterstützung der Bürger:innen

Neben der Verteidigung der Ukraine vor Cyberangriffen erklärte Fedorov auch, wie man verschiedene digitale Tools einsetzen könnte, um notleidenden Menschen während des Krieges zu helfen.

„Jede Woche wollen wir unseren Bürger:innen einen neuen Dienst anbieten“, sagte Fedorov.

Über die Diia App, eine App, die es den Ukrainer:innen ermöglicht, digitale Dokumente auf ihren Smartphones zur Identifizierung und zur Weitergabe zu nutzen, ist die Regierung in der Lage, ihren Bürger:innen schnell zu helfen, beispielsweise um Online-Zahlungen für Menschen zu leisten, deren Häuser bombardiert wurden. Nach Angaben von Fedorov nutzen etwa 17 Millionen Menschen diese Anwendung.

Außerdem werden Chatbots eingesetzt, um Informationen über den Aufenthaltsort der russischen Truppen zu übermitteln.

Kollaborationen

Es gibt auch mehrere Systeme und internationale Unterstützungsmöglichkeiten, über die der Vizepremierminister nicht sprechen wollte, da sie für die Verteidigung der Ukraine in dieser heiklen Zeit „kontraproduktiv“ sein könnten.

Nach dem Krieg, so Fedorov, werde es jedoch viel Gelegenheit geben, sich über die gewonnenen Erkenntnisse auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und die Cyberverteidigung des Landes weiter zu verbessern.

Der Vizepremierminister wies auch auf die Bedeutung von Interaktionen und Kooperationen mit großen Technologieunternehmen hin, wobei er die Unterstützung durch Google und Apple hervorhob.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Alice Taylor]

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