Ukraine „geschockt“ über Krim-Bericht von Euronews

In dem Euronews-Beitrag wird gezeigt, wie Kindern auf der Krim beigebracht wird, Minen zu entschärfen. [Euronews]

Der ukrainische EU-Botschafter hat sich in Briefen an die EU-Kommissare geschockt über einen „positiven“ Bericht von Euronews gezeigt. In dem Beitrag geht es um eine Initiative der russischen Armee, mit der Kindern auf der Krim beigebracht wird, Landminen zu entschärfen.

„Ich bin mehr als besorgt, um nicht zu sagen geschockt, über den Euronews-Beitrag ‚Kinder auf der Krim lernen, Landminen zu entschärfen‘ vom 23. Januar“, schreibt Botschafter Mykola Tochytski.

In dem Beitrag werde das Programm der russischen Armee gelobt. Mehrere enthusiastische junge Teilnehmer an der Initiative kommen zu Wort. Erst in einer späteren, zweiten Version des Berichts wurde dann auch auf die Annexion der Krim hingewiesen.

Tochytski weiter: „Ich frage mich, wie weit die journalistischen Standards noch sinken können, wenn Euronews – das sich selbst mit dem Slogan ‚unabhängige, unparteiische und verlässliche Nachrichten für Europäer‘ bewirbt – einen sehr positiven Bericht ausstrahlt, in dem die Besetzerarmee (!) Kindern (!) beibringt, wie man mit Waffen (!) umgeht, und dabei die illegale Besetzung ukrainischen Staatsgebiets durch Russland nicht einmal angesprochen wird.“

Der TV-Sender Euronews war 1992 als „europäische Antwort“ auf CNN gestartet worden. In letzter Zeit hat der Sender durch verschiedenste Fehler und Skandale Schlagzeilen gemacht.

Einer dieser Skandale war der zwischenzeitliche Sendestopp der ukrainischen Abteilung. Diese Sektion war 2009 eröffnet worden. Sie wird durch öffentliche Gelder der Ukraine unterstützt. Am 13. März 2015 wurde mitgeteilt, dass die Inter Media Group von Dmytro Firtash, einem ukrainischen Oligarchen, den ukrainischen Teil von Euronews übernehmen werde.

Kurz später zog Firtash sein Angebot allerdings zurück. Am 19. März entzog die nationale Medienaufsicht der Ukraine dem Sender die Lizenz – wohl unter anderem, weil die ukrainischen Behörden ihren finanziellen Verpflichtungen dem Sender gegenüber nicht nachkommen konnten.

Auf diese Entwicklung folgte schon bald ein weiterer Skandal, als die russische Sektion des Senders, die von Moskau finanziert wird, sich weigerte, Journalisten der geschlossenen Ukraine-Abteilung bei sich einzustellen.

Moskau blockiert Einstellung ukrainischer Journalisten bei Euronews

Moskau finanziert die Russland-Sektion des französischen Senders Euronews – weigert sich aber, Journalisten der mittlerweile geschlossenen Ukraine-Abteilung bei sich einzustellen. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die Europäische Kommission unterstützt Euronews mit jährlich 25 Millionen Euro, ist aber nicht Teil des Vorstands oder Beirats. Die Kommission hat auch deutlich gemacht, dass dies nicht geplant ist. Die zuständige Kommissarin ist Marija Gabriel.

Subscribe to our newsletters

Subscribe