Die direkten Gespräche zwischen den fünf größten NATO-Mitgliedern und Russland über die Ukraine-Krise sorgen in Estland für Nervosität. Die Verhandlungen über die Köpfe der kleinen Nationen hinweg wecken Erinnerungen an das Molotow-Ribbentrop-Abkommen zwischen der Sowjetunion und NS-Deutschland.
Medienberichten zufolge verglich Marko Mihkelson, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Parlaments, die derzeitige Atmosphäre mit einem anderen historischen Handschlag.
„Das riecht nach München 1938. Derjenige, der uns bedroht und die Waffen gegen uns gerichtet hat, wird beruhigt“, sagte Mihkelson in einem Interview mit den estnischen Medien.
Er bezog sich dabei auf das Abkommen zwischen dem britischen Premierminister Neville Chamberlain und Adolf Hitler, das die deutsche Annexion des Sudetenlandes in der Tschechoslowakei ermöglichte. Seiner Meinung nach sollte Russland kein Vetorecht in Bezug auf die europäische Sicherheit eingeräumt werden.
Der ehemalige estnische Botschafter bei der NATO und in Finnland, Harri Tiido, sagte in seiner Radiosendung am Dienstag, dass Moskau nie den vom Westen während des Georgienkrieges gewählten Ansatz der Nachgiebigkeit geschätzt habe. Was folgte, war die Annexion der Halbinsel Krim.
Auch Estlands ehemaliger Präsident Toomas Hendrik Ilves äußerte sich zu diesem Thema. Er sagte den estnischen Radionachrichten, dass bei den NATO-Russland-Gesprächen ein großer und militärisch starker osteuropäischer Akteur fehle. Seine Wahl für diesen Sitz wäre Polen.

