Die Ukraine beauftragte ExxonMobil und Royal Dutch Shell mit der Entwicklung des Skifska Hydrocarbon- (Kohlenwasserstoff-)Feldes im Schwarzen Meer. Mit der Auswahl dieses amerikanischen und des niederländischen Unternehmens für das Projekt mit einem Volumen von 8,15 Milliarden Euro hatte die russische Lukoil das Nachsehen. Doch für die Ukraine kann es eng werden.
Die Ukraine will ihre Abhängigkeit von russischem Gas verringern. Die Gasimporte aus Russland hatten im vergangenen Jahr ein Volumen von gut 40 Milliarden Kubikmeter, das sind fast zwei Drittel des ukrainischen Energieverbrauchs. Das Offshore-Projekt von Skifska im Schwarzen Meer spielt bei den Bemühungen um mehr Unabhängigkeit eine Schlüsselrolle.
„Die staatlichen Projekte mit dem Ziel, die heimische Energieproduktion zu erhöhen, werden uns in die Lage versetzen, mindestens 45 Milliarden Kubikmeter zu erzeugen“, sagte Eduard Stavitsky, der ukrainische Minister für Umwelt und Natürliche Rohstoffe, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Skifska ist vor allem ein Erdgasfeld, dessen Reserven auf 200 bis 250 Milliarden Kubikmeter geschätzt werden. Laut Stavitsky sollen jährlich rund fünf Milliarden Kubikmeter Gas gefördert werden.
Dem Konsortium, das den Zuschlag bekommen hat, gehören neben ExxonMobil und Royal Dutch Shell auch der rumänische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV Petrom (eine Tochtergesellschaft der österreichischen OMV) und der ukrainische Staatsbetrieb Nadra Ukrainy an. Der Minister kündigte an, dass das Konsortium noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnimmt.
Die Ukraine verfügt bereits über ein ausgedehntes Netzwerk an Pipelines, das Gastransporte von der Schwarzmeerküste aus ermöglicht.
Die Entscheidung der Ukraine für dieses nichtrussische Konsortium zeige, dass Kiew sein Energieportfolio diversifizieren und von Russland unabhängiger werden wolle, schreibt Stratfor, ein Nachrichtendienst aus Texas.
Politisches Taktieren in Moskau
Wegen der eingeschränkten geografischen Gegebenheiten und aus Gründen des politischen Taktierens seitens Moskaus hat Kiew außer den russischen Erdagsimporten nur wenige alternative Energiequellen. Die Ukraine will daher die Förderung der heimischen Kohlenwasserstoffreserven vorantreiben.
Allein durch das Skifska-Feld könnte die Einfuhr russischen Erdgases um zehn Prozent verringert werden.
“Dass die Ukraine den Vertrag mit zwei der größten und technisch leistungsfähigsten Konzernen der Welt geschlossen hat, zeigt, dass sich Kiew bewusst ist, wie schnell sich die Möglichkeiten reduzieren, sich dem Griff Moskaus zu entwinden”, heißt es in einer Analyse von Stratfor. “Sollten die Ukraine und ihre neuen Partner keinen Erfolg bei der Entwicklung der ukrainischen Hydrocarbon-Reserven haben, wird es eng: Russland wird umso mehr die Kontrolle über die ukrainische Naftogaz bekommen und seinen Einfluss auf das Land festigen.”
Erst im vergangenen Mai hatte die ukrainische Regierung Shell und die US-amerikanische Chevron Corp als Partner für Erforschung und Förderung von zwei möglicherweise großen Onshore-Schiefergasfeldern gewonnen.
EURACTIV.com (Brüssel)
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