Uiguren-Experte Zenz sieht in Sanktionen Zäsur im europäisch-chinesischen Verhältnis

Mitglieder der niederländischen Uiguren-Community protestieren gegen China. [REMKO DE WAAL/EPA]

Nach der Eskalation im Streit um Pekings Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren sieht der deutsche Uiguren-Experte Adrian Zenz in Chinas Sanktionspolitik gegen Europa einen strategischen Fehler.

Er glaube nicht, dass das Europa-Parlament das Investitionsabkommen zwischen der EU und China im kommenden Jahr ratifizieren werde, sagte der Wissenschaftler im Interview mit der Zeitung „Welt“ (Mittwochsausgabe). Peking habe mit seinen Maßnahmen für eine tiefe Zäsur im europäisch-chinesischen Verhältnis gesorgt.

„Es sieht so aus, als hätte sich Peking ins eigene Bein geschossen“, sagte Zenz, der am Montag von China mit Sanktionen belegt wurde. Der in den USA lebende deutsche Wissenschaftler darf nun nicht mehr in die Volksrepublik einreisen. Der Anthropologe gilt als der weltweit führende Experte für die chinesischen Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren.

Brüssel, Washington, London und Ottawa belegen China wegen Uiguren mit Sanktionen

Im Streit um Pekings Vorgehen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren haben die EU, Großbritannien, die USA und Kanada Sanktionen gegen China verhängt.

Laut Zenz laufe in China eine Propagandakampagne gegen ihn. „Die Propaganda hat immer viel Energie darauf verwendet, mich als Handlanger der Amerikaner darzustellen.“ Auch würden immer wieder nur leicht verhüllte Drohungen gegen ihn geäußert.

Im Streit um Pekings Vorgehen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren in der nordwestlichen Provinz Xinjiang belegten sich die EU und China am Montag gegenseitig mit Sanktionen. Von den chinesischen Strafmaßnahmen betroffen sind EU-Parlamentarier und Wissenschaftler aus Deutschland und anderen EU-Staaten sowie verschiedene Institutionen.

Menschenrechtsorganisationen zufolge sind in Xinjiang mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in hunderten Haftlagern eingesperrt. Dort werden sie den Angaben zufolge zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Peking weist die Vorwürfe zurück und spricht von Ausbildungs- und Arbeitsprogrammen, die Extremismus in der Regionen bekämpfen sollen.

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