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18/01/2017

Türkei: Keine Pläne für Bodeneinsatz in Syrien

EU-Außenpolitik

Türkei: Keine Pläne für Bodeneinsatz in Syrien

Die Türkei hat nach den Worten von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu keine Pläne für den Einsatz von Bodentruppen in Syrien.

[UNHCR Photo Unit/Flickr]

Die türkische Luftwaffe fliegt erneut Angriffe auf Stellungen von IS und PKK in Syrien und Nord-Irak. Eine Bodenoffensive ist laut dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu jedoch nicht vorgesehen.

Die Türkei hat nach den Worten von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu keine Pläne für den Einsatz von Bodentruppen in Syrien.

Allerdings sollten dort moderate Rebellen, die gegen die Extremistenmiliz Ismalischer Staat (IS) kämpfen, aus der Luft geschützt werden, sagte Davutoglu der heimischen Zeitung „Hürriyet“ zufolge. Darin sei sich die Türkei mit den USA einig.

Davutoglu wurde von dem Blatt ferner mit den Worten zitiert, die syrische Kurdenpartei PYD könnte einen Platz im „neuen Syrien“ haben. Voraussetzung sei allerdings, dass sie sich nicht gegen die Türkei richte, alle Verbindungen zur Verwaltung von Syriens Staatschef Baschar al-Assad kappe und mit Oppositionstruppen zusammenarbeite. Davutoglus Äußerungen fielen der Zeitung zufolge vor Journalisten türkischer Medien.

Die Türkei hatte am Wochenende ihre Militäraktionen in den Nachbarstaaten Syrien und Irak ausgedehnt und neben den Extremisten des IS auch Einrichtungen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK bombardiert. Die PKK erklärte daraufhin den bislang relativ stabilen Waffenstillstand für bedeutungslos. Bei dem Selbstmordanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc waren am vergangenen Montag 32 Menschen getötet worden. Das Attentat wird dem IS zugeschrieben. Am Dienstag soll der Nato-Rat auf Ersuchen der Türkei über die Einsätze beraten.

Zwei türkische Soldaten sind in der Nacht zu Sonntag bei einem Sprengstoffanschlag im Südosten des Landes ums Leben gekommen. Vier Menschen seien bei der Detonation einer Autobombe und weiterer selbst gebauter Sprengstoffeverletzt worden, teilte die türkische Armee mit. Die Tat ereignete sich in der Stadt Diyarbakir. Das Militär schrieb den Anschlag kurdischen Aufständischen der PKK zu.

Die Türkei hat am Sonntag Insidern zufolge erneut Ziele der Kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak angegriffen. Kampfflugzeuge hätten Ziele in Hakurk bombardiert, sagten Vertreter der Sicherheitskräfte, die nicht genannt werden wollten. In der Nacht zum Samstag hatten türkische Flugzeuge erstmals PKK-Stellungen angegriffen.

Merkel: Friedensprozess mit Kurden fortsetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der militärischen Eskalation an die türkische Regierung appelliert, den Friedensprozess mit den Kurden fortzusetzen.

Trotz aller Schwierigkeiten sollte der eingeleitete Prozess nicht aufgegeben werden, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers am Sonntag in einem Telefonat mit dem ?türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu. Die Kanzlerin mahnte zudem, beim Vorgehen gegen Extremisten müsse das Gebot der Verhältnismäßigkeit beachtet werden. Zugleich versicherte Merkel dem türkischen Regierungschef ihre Unterstützung „im Kampf gegen den Terrorismus“.

Die Türkei hatte ihre Militäraktionen in den Nachbarstaaten Syrien und Irak am Wochenende als Reaktion auf den Anschlag in der Stadt Suruc ausgeweitet und neben den Extremisten des Islamischen Staates (IS) auch Lager der Kurdische Arbeiterpartei PKK angegriffen.