Türkei lehnt Milliardenhilfe aus Brüssel ab

Der türkische Präsident Erdogan nimmt nicht am Krisentreffen der EU-Spitzen in Griechenland teil, zu dem er eingeladen wurde. [Erdem Sahin/ epa]

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat ein Krisentreffen mit der EU abgesagt und die angebotenen finanziellen Hilfen aus Brüssel abgelehnt. Man werde sich nicht auf diese Weise erniedrigen lassen. Die Türkei fordert eine andere Lastenteilung bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach eigenen Angaben EU-Hilfen in Höhe von einer Milliarde Euro zur Bewältigung der Flüchtlingskrise in seinem Land abgelehnt. „Wir reden mit ihnen. Sie sagen uns: ‚Wir schicken uns euch eine Milliarde Euro“, sagte Erdogan mit Blick auf Verhandlungen mit der EU am Montag vor Journalisten in Ankara. Dann fügte er hinzu: „Wen wollen sie hereinlegen? Wir wollen dieses Geld nicht.“ Niemand habe das Recht, die Türkei zu erniedrigen.

Erdogan äußerte sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Boiko Borissow. Themen des bilateralen Treffens waren laut einer Erklärung Borissows die Krise in Syrien und der „Migrationsdruck in der Region“. An einem Dringlichkeitstreffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Mitsotakis und der EU-Spitze nimmt Erdogan nicht teil. Zuvor hatte er in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine „Lastenteilung“ in der Flüchtlingskrise gefordert.

EU sichert Griechenland Hilfe zu

Mehr Grenzbeamte und mehr Geld von der EU: Das soll Griechenland helfen, die neue Migrationskrise zu meistern. Mit der Türkei will die EU reden. Für sie gilt der „Flüchtlingsdeal“ immer noch. 

Erdogan hatte am Samstag angekündigt, Flüchtlinge mit dem Ziel EU die türkischen Grenzen passieren zu lassen. Er begründete sein Vorgehen damit, dass die EU sich nicht an den im März 2016 geschlossenen Flüchtlingspakt halte. Seither versuchten tausende Flüchtlinge, über die türkisch-griechische Grenze in die EU zu gelangen. Griechische Grenzschützer hielten am Wochenende etwa 10.000 Menschen vom Grenzübertritt ab. Am Montag drohte Erdogan, die Grenzen blieben weiter offen. Es sei nun an der EU, ihren „Teil der Last“ in der Flüchtlingskrise zu tragen.

EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas betonte am Montag mit Blick auf die Drohungen des türkischen Präsidenten, die EU lasse sich nicht „einschüchtern oder erpressen“. Schinas kündigte zudem ein Sondertreffen der EU-Innenminister am Mittwoch in Brüssel an, bei dem über Unterstützungsmaßnahmen für Griechenland beraten werden soll.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN