Trumps Mauer – Hoffnung für Mexiko im Drogenkrieg?

72 Prozent auf der US-Seite und 86 Prozent auf der mexikanischen lehnen eine Grenzmauer ab, zeigt eine Umfrage. Donald Trump hält dennoch seinem Wahlkampfversprechen fest. [Foto: Joseph Sohm / Shutterstock]

Mit dem Vorhaben sorgte Donald Trump weltweit für Empörung: Der künftige US-Präsident will bald mit dem Bau einer Mauer an der mehr als 3000 Kilometer langen Grenze zu Mexiko beginnen.

Der künftige Präsident der USA, Donald Trump, plant, möglichst rasch eine Mauer oder wenigestens einen Zaun an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko errichten. Er will damit vor allem die illegale Einwanderung drosseln, aber auch den Drogenschmuggel. Und er hat den Amerikanern versprochen, dass sie die Mauer keinen Cent kosten wird. Mexiko selbst soll für das Mammutprojekt aufkommen. Kaum verwunderlich, dass er sich damit auf der anderen Seite des Rio Grande so gut wie keine Freunde macht. Und doch: Es gibt auch Mexikaner, die dem Projekt etwas abgewinnen können. Etwa in Ciudad Juárez. Dort hoffen einige Bewohner, dass gerade die Mauer dazu beiträgt, die außer Kontrolle geratene Drogenkriminalität in ihrer Stadt zumindest etwas einzudämmen.

„Dieser neue Zaun ist kein Problem für uns, im Gegenteil, es ist besser. Weniger werden da durchkommen“, sagt Esteban Sabedra. Der Fabrikarbeiter mit einem Tageslohn von umgerechnet 6,50 Euro lebt in einer der ärmsten Gemeinden Mexikos, direkt an der Grenze. Und das in ständiger Angst: Menschenschmuggler und Drogenhändler passieren nahezu ungehindert den rostigen Maschendrahtzaun, der Mexiko von den USA trennt. Würde dort eine Mauer stehen, wäre das wohl nicht so leicht. Sabedra hofft, dass die Dealer sich dann eine andere Gegend suchen – und bei ihm zu Hause dafür etwas mehr Frieden einkehrt.

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Ähnlich ist die Lage im Valle de Juárez: Der grüne Landstrich südöstlich der Stadt war bis vor einigen Jahren noch das Ausflugsziel der mexikanischen Mittelschicht. Heute leben in dem einst beschaulichen Tal die illegalen Schleuser. Es herrscht ein regelrechter Ausnahmezustand. Die Banden sind der lokalen Polizei deutlich überlegen. Sie bringen die Flüchtlinge auf einem langen und beschwerlichen Weg über die Grenze in die USA. Auch hier könnte Trumps Mauer den Landstrich wieder zu einem ruhigeren Ort machen, hofft Juárez‘ Staatsanwalt Jorge Arnaldo Nava López.

Bandenkriege und Gebietskämpfe

Ciudad Juárez ist nur einen Steinwurf vom texanischen El Paso getrennt. Ein Sicherheitszaun trennt die Stadt mit ihren etwa 1,4 Millionen Einwohnern seit 2010 von den USA. Eigentlich wollte die Regierung in Washington so den Banden das Leben schwermachen. Doch ob dies auch den Menschen in Ciudad Juárez zugutekam, ist fragwürdig: Als mit dem Zaunbau 2007 begonnen wurde, zählten die Behörden in Juárez 336 Morde. Nach der Fertigstellung drei Jahre später waren es 3057. Inzwischen ist die Zahl der Morde zwar wieder unter das Niveau von 2007 gefallen. Aber in der Stadt liefern sich Banden mit einer bislang kaum dagewesenen Brutalität Gebietskämpfe.

Bürgermeister Armando Cabada hat deshalb gemischte Gefühle, wenn es um den Bau einer Mauer geht. Denn die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze mit Videoüberwachung und verschärften Kontrollen haben zwar dazu geführt, dass deutlich weniger Mexikaner nach El Paso gelangen. Jedoch hat der Zaun aus Sicht der Politikers seine Stadt in einen höllischen Krieg zwischen den berüchtigten Kartellen gestürzt. Die Dealer müssten viel härter darum kämpfen, um ihre Drogen in die USA zu schmuggeln. „Und viele sind letztendlich hiergeblieben.“

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Unter dem Strich macht Cabada deshalb mehr negative, als positive Aspekte aus, was einen Mauerbau angeht. Das sieht auch die Mehrheit der Bewohner der Grenzregion so: 72 Prozent auf der US-Seite und 86 Prozent auf der mexikanischen lehnen eine Grenzmauer ab, wie aus einer Umfrage des Instituts Baselice in 14 Grenzstädten hervorgeht.

Trump hält ungeachtet solcher Statistiken und der internationalen Kritik über seine Mauerpläne an seinem Wahlkampfversprechen fest. Erst vergangene Woche machte er vor versammelter Presse klar, dass er den Ausgang von Verhandlungen mit Mexiko gar nicht erst abwarten wolle. Er werde die Mauer bauen und Mexiko werde die USA dafür „in der ein oder anderen Form entschädigen“.

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