Trump in Syrien auf Eskalationskurs

Trump und Putin Stehen die beiden Großmächte vor einer direkten Konfrontation? [EPA-EFE/MIKHAIL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREML MANDATORY CREDIT]

US-Präsident Trump hat als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt. Die Raketen „werden kommen“, schrieb er auf Twitter. Eine direkte Konfrontation mit Russland steht damit im Raum.

Trump machte per Tweet die syrische Regierung und ihren Verbündeten Russland für den Tod zahlreicher Menschen bei der Attacke am Wochenende verantwortlich. Russland warnte derweil die USA vor einem Vergeltungsangriff. Die syrische Armee evakuierte offenbar mehrere Gebäude in Damaskus.

Trump sehe Syriens Machthaber Baschar al-Assad und Moskau in der Verantwortung, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. Eine endgültige Entscheidung über einen Raketenangriff sei aber noch nicht gefallen: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch.“ Auch US-Verteidigungsminister Jim Mattis betonte, die USA und ihre Verbündeten sammelten noch Informationen über den mutmaßlichen Giftgasangriff.

Russland wies Trumps Drohungen entschieden zurück. „Alle Seiten“ müssten Schritte unterlassen, die in Wirklichkeit „durch nichts gerechtfertigt“ seien, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Moskau beteilige sich nicht an Trumps „Twitter-Diplomatie“. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte auch, die Raketen sollten auf „Terroristen“ abgefeuert werden und nicht auf die „legitime Regierung“ Syriens, die schon seit Jahren den „internationalen Terrorismus auf ihrem Staatsgebiet bekämpft“.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin mahnte zu Zurückhaltung. Die Lage auf der Welt werde immer „chaotischer“ und gebe Anlass zur „Sorge“, sagte er in einer Rede vor ausländischen Diplomaten im Kreml. „Dennoch hoffen wir, dass der gesunde Menschenverstand letztlich die Oberhand behält.“

Die USA und andere westliche Staaten machen Assads Truppen für mutmaßliche Giftgasangriffe in der Stadt Duma verantwortlich, bei denen nach Angaben von Hilfsorganisationen am Samstag 48 Menschen getötet wurden. Syrien und Russland bestreiten, dass es einen Giftgasangriff gegeben hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte mit, bei etwa 500 Patienten, die behandelt worden seien, seien Symptome festgestellt worden, die auf einen Kontakt mit giftigen Chemikalien schließen ließen. Syrien hat Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eingeladen, in Duma die Vorwürfe zu überprüfen. Die OPCW will Inspektoren entsenden.

Mehrheit der Deutschen gegen Ausweisung russischer Diplomaten

Eine Civey-Umfrage zeigt: Die Deutschen lehnen mehrheitlich schärfere Sanktionen gegen Moskau im Zusammenhang mit dem Giftanschlag in England ab.

Trump hatte schon zuvor eine „starke Reaktion“ angekündigt und gewarnt, die Verantwortlichen müssten einen „hohen Preis“ dafür zahlen. Nun warnte er Russland ausdrücklich vor einer Unterstützung Assads. Russland habe angekündigt, „alle auf Syrien abgefeuerten Raketen abzuschießen“, schrieb der US-Präsident in einem Tweet. „Bereite dich vor, Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und ’smart!'“

Mit Blick auf Moskaus Unterstützung für Assad schrieb Trump: „Du solltest nicht Partner eines mit Gas tötenden Viehs sein, das sein Volk tötet und das genießt.“ Das Verhältnis der USA zu Russland sei mittlerweile „schlechter als es je war, den Kalten Krieg eingeschlossen“, erklärte Trump in einem weiteren Tweet.

Trump hatte bereits vor einem Jahr als Vergeltung für einen Giftgaseinsatz in der nordsyrischen Stadt Chan Scheichun einen Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis angeordnet. Nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnten beide Länder nun wieder „chemische Einrichtungen unter Kontrolle des Regimes angreifen“. Der französische Präsident machte bereits vor einigen Wochen deutlich, dass er Syrien angreifen will, wenn dort chemische Waffen eingesetzt werden.


Weitere Informationen

Nach Giftgasanschlag in Syrien: Russland warnt vor Interventionen

Nach dem Giftgasanschlag in Syrien werde Russland keine Gefährdung russischer Soldaten auf syrischem Boden dulden, hieß es gestern auf einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.

Russland, Türkei und Iran beraten über Syrien-Konflikt

Die Staatschefs von Russland, der Türkei und dem Iran beraten am heutigen Mittwoch in der türkischen Hauptstadt Ankara über die Lage im Bürgerkriegsland Syrien.

Briten bleiben gegenüber Moskau auf Konfrontationskurs

Großbritannien lehnt den Vorschlag Russlands für eine gemeinsame Untersuchung des Nervengift-Anschlags von Salisbury ab.

Subscribe to our newsletters

Subscribe