Trump-Geheimakte: Agent Steele arbeitete auch im Auftrag britischer Behörden

donald-trump-hacking-us-creditgage-skidmore-flickr [Gage Skidmore/Flickr]

EXKLUSIV: Christopher Steele, ehemaliger Agent des MI6 und Autor der Geheimakte über Donald Trump, hat nach eigenen Angaben auch im Auftrag britischer Finanzbehörden Ermittlungen geleitet. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die vom Ex-MI6-Spion Christopher Steele verfasste Geheimakte sorgte für reichlich Zoff zwischen dem designierten US-Präsidenten Donald Trump und den Nachrichtendiensten seines Landes. Die Anschuldigungen könnten sogar zur Amtsenthebung des Immobilienmoguls führen und Großbritannien in eine internationale Auseinandersetzung verwickeln.

Steele leitet zurzeit Orbis BI, einen privaten Geheimdienst. Vor sieben Monaten kam ans Licht, dass Glenn Simpson von Fusion GPS Orbis beauftragt hatte, gegen Trump zu ermitteln – finanziert aus den Taschen eines anonymen Republikaners, der offensichtlich einen Groll gegen den Milliarden schweren Präsidentschaftskandidaten hegte. Als Steele später bewusst wurde, wie bedeutsam seine Untersuchungen waren, stellte er ohne Bezahlung weitere Nachforschungen an.

Das 35-seitige Dokument enthält eine Reihe bisher nicht bestätigter Anschuldigungen gegen den nächsten US-Präsidenten. Außerdem legt es nahe, dass russische Geheimdienste Trump mit Videoaufnahmen und anderem Material erpressen könnten. Die Behauptungen wurden in einer zweiseitigen Zusammenfassung dem designierten Präsidenten und Amtsinhaber Barack Obama letzte Woche vor einem Briefing über die nationale Sicherheit zugespielt.

Trump tat das Dokument als „schmutzige Akte“, „Falschnachrichten“, „gefälschtes Zeug“ und „Mist“ ab. Ohne Steeles Namen zu nennen, beschrieb er den Verfasser der Akte als „gescheiterten Spion, der Angst davor hat, verklagt zu werden“.

Steele schrieb in seinen von EURACTIV eingesehenen E-Mails, dass er erst kürzlich für die britischen Finanzregulierungsbehörden gearbeitet hatte. „Ich und meine Geschäftspartner haben lange Jahre für den ausländischen Geheimdienst Großbritanniens gearbeitet, bevor wir Orbis BI gegründet haben. Seit kurzem ermitteln wir für Kunden in Bulgarien, darunter auch die britischen Finanzregulierungsbehörden“, heißt es in einer einleitenden E-Mail an einen bulgarischen Kollegen vom 19. April 2016.

EURACTIV kontaktierte daraufhin sowohl die britische Financial Conduct Authority (FCA) sowie die Prudential Regulation Authority (PRA). Die PRA gab an, auf Unternehmen aus einer vorgefertigten Ausschreibungsliste zurückgegriffen zu haben. Orbis BI stand nicht darauf. Die FCA verwies darauf, dass man Informationen zu individuellen Kontakten nur über einen Antrag gemäß dem Informationsfreiheitsgesetz erhalten könne. Dabei handelt es sich um einen Rechtsprozess zur Bereitstellung von Informationen, die normalerweise nicht öffentlich verfügbar sind.

Steele gab außerdem an, von der US-Regierung angeheuert worden zu sein, um gegen Bulgariens Kommissarin Kristalina Georgieva und ihre Verbindungen zu Multigroup zu ermitteln, als diese für das Amt des UN-Generalsekretärs kandidiert hatte. Multigroup ist ein post-kommunistisches Geschäftsimperium, dessen Vorsitzender Iliya Pavlov 2003 in Sofia ermordet wurde. Ob die US-Regierung tatsächlich zu Steeles Kundenkreis gehört, ist bisher noch unklar.

Trump zufolge seien auch Geheimdienst-Insider überzeugt, dass es sich bei der Akte um eine „komplette Fälschung“ handle.

Am 12. Januar veröffentlichte der Nationale Geheimdienstdirektor James Clipper eine seltene Presseerklärung. Darin bekräftigt er, er habe sich mit Trump getroffen und ihm gesagt, wie „zutiefst entsetzt“ er über die Akte sei. Bei diesem Dokument handelt es sich nicht um ein Produkt der US-Geheimdienstgemeinschaft [IC] und […] ich glaube nicht, dass die Enthüllungen aus dem Inneren der IC kamen“, so Clipper. Die Nachrichtendienste würden nicht über die Verlässlichkeit der Anschuldigungen urteilen, habe er Trump gegenüber deutlich gemacht.

US-Vertreter Adam Schiff, hochrangiger Demokrat im Heimatschutz-Ausschuss, bezweifelt Trumps Aussage, dass Clipper den Bericht verurteilt habe. Geheimdienstexperten, die Steele persönlich kennen, beschreiben ihn als sehr kompetenten und professionellen Kollegen. Er selbst bezog bisher noch keine Stellung zur Akte. Er geht nicht an sein Handy und scheint generell untergetaucht zu sein.

 

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