Trump fragt sich: Warum sollte man für Montenegro sterben?

Wenn die USA den "aggressiven" Montenegrinern zur Hilfe kommen, sei dies der Beginn des Dritten Weltkriegs, ist sich Trump sicher. [Michael Reynolds/EPA/EFE]

US-Präsident Donald Trump hat sich in einem Interview am Dienstag zur Situation der NATO geäußert. Er schien die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur Verteidigung seiner Verbündeten in Frage zu stellen.

Zum Abschluss seiner Europareise, die ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki, einen Besuch im Vereinigten Königreich sowie den NATO-Gipfel in Brüssel beinhaltet hatte, sprach Trump mit dem TV-Sender Fox News. Er schien dabei nicht überzeugt, dass die USA wirklich allen NATO-Verbündeten im Falle eines Angriffs zur Seite stehen sollten.

Moderator Tucker Carlson fragte Trump zunächst, was heute noch Sinn und Zweck der NATO sei. Trump äußerte erneut das bekannte Credo, einige Länder müssten deutlich mehr beitragen. Der Präsident sagte: „Das ist keine neue Tatsache. Es ist etwas, was die Leute schon lange wissen.“

Im Laufe des Interviews fragte Carlson dann: „Die Zugehörigkeit zur NATO verpflichtet die Mitglieder, jeden angegriffenen Verbündeten zu verteidigen. Sagen wir also, Montenegro, das im letzten Jahr beigetreten ist, wird angegriffen. Warum sollte mein Sohn als Soldat nach Montenegro gehen, um es vor Angriffen zu schützen?“

Trump stimmte zu und sagte: „Ich verstehe, was Sie sagen, und ich stelle die gleiche Frage. Montenegro ist ein kleines Land mit sehr starken Menschen. Sie sind aber auch sehr aggressive Menschen. Sie könnten aggressiv werden, und herzlichen Glückwunsch, dann sind Sie mitten im Dritten Weltkrieg. Genau dafür ist alles arrangiert.“

In den sozialen Netzwerken wurde Trumps Montenegro-Kommentar mit dem berühmten Ausspruch „Warum für Danzig sterben?“ verglichen. Die damalige Appeasement-Taktik hatte schlussendlich Hitler ermutigt, im September 1939 in Polen einzumarschieren.

Montenegro auf dem Weg in die EU

Montenegro war im Juni 2017 das 29. Mitglied der NATO geworden – trotz russischer Einwände. Berichten zufolge habe Russland sogar versucht, einen Staatsstreich zu organisieren, um den NATO-Beitritt Montenegros zu verhindern.

Die pro-russische Opposition im Land – die ebenfalls gegen die NATO-Mitgliedschaft war – wies diese Vorwürfe als Propaganda zurück und boykottierte damals das Parlament. Das Land gilt unter den Westbalkanstaaten auch als einer der Vorreiter in Bezug auf einen baldigen EU-Beitritt.

EU-Beitritt von Serbien und Montenegro bis 2025

Laut einem Strategiepapier der EU-Kommission sollen Serbien und Montenegro bis 2025 der EU beigetreten sein.

Während Trump auf Fox News gegen Montenegro polterte, besuchte eine Delegation des EU-Parlaments die montenegrinische Hauptstadt Podgorica. In der gemeinsamen Erklärung zum Treffen lobten die MEPs das Land und zeigten sich zufrieden, dass Montenegro inzwischen Beitrittsverhandlungen in 31 der insgesamt 35 Verhandlungskapitel mit der EU führt. Drei dieser Dossiers sind bereits abgeschlossen.

Die Europaabgeordneten brachten auch ihre Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass ein großer Teil der Opposition, einschließlich der Mitglieder des Gemischten Parlamentarischen Ausschusses EU-Montenegro, inzwischen ins Parlament zurückgekehrt ist.

Medien in Podgorica zitierten den Delegationsleiter des Europäischen Parlaments, den Abgeordneten Petar Kouroumbaschew (S&D, Bulgarien), der Montenegro als „führend“ in den EU-Beitrittsverhandlungen bezeichnete. Kouroumbaschew soll desweiteren gefordert haben, dass Montenegro nicht Teil einer „Paket-Erweiterung“ gemeinsam mit anderen Beitrittskandidaten werden solle.

Aggressiver Trump gegen „aggressives“ Montenegro

Im Fox-Interview kam die Sprache eher zufällig auf Montenegro. Donald Trump scheint sich aber ohnehin auf das kleine Balkanland eingeschossen zu haben.

Unvergessen ist in dieser Hinsicht seine Aktion während eines NATO-Treffens im vergangenen Jahr, als er den montenegrinischen Premierminister Duško Marković zur Seite schob.

Auch beim NATO-Gipfel vergangene Woche wurde ein Montenegriner zu Trumps Ziel: In einem Video ist zu sehen, wie Trump beinahe Präsident Milo Djukanović den Ellbogen ins Gesicht rammt.

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