Folgen des Klimawandels – Tropenviren bald auch in Europa

Die Tigermücke überträgt zahlreiche gefährliche tropische Krankheiten - und breitet sich auch in Europa aus. [Foto: Tacio Philip Sansonovsk/Shuttertsock]

Tropen-Krankheiten breiten sich in Europa aus – dank Klimawandel und Globalisierung. Forscher konnten nun zeigen, welche Folgen das für Europa in den kommenden Jahrzehnten haben könnte.

In die Schlagzeilen schaffen es meist besonders schreckenerregende neue Krankheiten wie Ebola. Doch es sind die altbekannten, bislang vor allem in Entwicklungsländern auftretenden Erreger, die mittlerweile die größte Gefahr darstellen. Auch für Europa.

Fälle von Malaria in Griechenland, von Dengue-Fieber in Portugal oder Chikungunya in Italien machen deutlich, dass Europa längst zur neuen Heimat von Tropenkrankheiten geworden ist. Touristen bringen die Erreger aus dem  Urlaub mit, aber auch bislang in Europa unbekannte Stechmücken tragen zu deren Ausbreitung bei. Beschleunigt wird das durch den Klimawandel, durch den sich tropische Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke mehr und mehr an der Atlantikküste und im Mittelmeerraum ausbreiten.

Ebola: "Der Virus ist noch immer da"

Ebola forderte in Westafrika 11.000 Menschenleben, löste weltweit Panik aus und veranlasste die EU und ihre Staaten zu Milliarden-Hilfen. Manche Lehren seien in der Hysterie untergegangen, warnt der Autor Paul Richards im Interview mit EURACTIV Brüssel.

Wie werden sich die heutigen Risikogebiete infolge des Klimawandels verändern?

Doch wie groß ist die Rolle, die die globale Klimaerwärmung dabei spielt? Am Beispiel von Chikungunya, einer von Stechmücken übertragenen und in der WHO-Liste der vernachlässigten Krankheiten geführten Viruserkrankung, konnten Forscher von der Universität Bayreuth und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten in Stockholm das nun zeigen.

Hauptüberträger des Chikungunya-Virus sind die Asiatische Tigermücke und die Gelbfiebermücke – die sich beide durch die globale Erwärmung immer weiter verbreiten. Je höher die Außentemperaturen, desto schneller kann sich das Virus zudem im Organismus der Mücken vervielfältigen. Daher konzentrierte sich das Risiko, an Chikungunya zu erkranken, bislang auf tropische Regionen in Afrika, Asien und Südamerika.

Noch, wie die Forschergruppe an der Universität Bayreuth um Carl Beierkuhnlein herausgefunden hat.

Ihre besorgniserregende Erkenntnis: Selbst bei nur moderater Fortsetzung der aktuellen Klimaänderungen, bei der das klimapolitische 2-Grad-Ziel nur knapp überschritten wird und sich die globale Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 um 2,6 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit erhöht, steigt das Infektionsrisiko in vielen Weltregionen bis Ende des 21. Jahrhunderts an. Setzt sich der Klimawandel ungebremst fort, werde wird sich das Virus auch in Südeuropa und in den USA verbreiten können, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Scientific Reports“.

"Afrika darf nicht nur Zuschauer bei globalen Entscheidungen sein"

Die Idee eines Marshall Plans für Afrika sei grundsätzlich gut – doch zu viel werde noch über statt mit Afrika gesprochen, kritisiert der EU-Botschafter der Afrikanischen Union Ajay Bramdeo. Im Interview spricht er über Vertrauen, die Rolle von Gesundheitspolitik in Afrikas Entwicklung und darüber, was er sich von Angela Merkel beim G20-Gipfel wünscht.

Es sind gerade die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als neglected, als „vernachlässigt“ bezeichneten Krankheiten, die nun auch die nördliche Hemisphäre erobern. Vernachlässigt werden sie indes nicht genannt, weil es kaum Patienten gibt. Jedes Jahr erkranken Millionen von Menschen an ihnen – obwohl eine erfolgreiche Vorbeugung und Behandlung zum Teil durchaus möglich ist. Doch die Patienten haben oft keinen ausreichenden Zugang zu existierenden Impfstoffen und Medikamenten. Auch auch bei Vorbeugung, Bekämpfung und Behandlung gibt es große Lücken. Die Folge: Blindheit, Blutarmut, Störungen der geistigen Entwicklung und tausenden Todesfälle jedes Jahr.

Steigende Infektionsrisiken infolge der globalen Erwärmung

„Vermutlich wird das klimatische Potenzial für Neuerkrankungen im Süden Europas und der USA unterschätzt“, sagt die Bayreuther Biogeografin Stephanie Thomas. Den Projektionen zufolge könnte sich die Chikungunya-Gefahr allein in Indien und an den Südrändern der Sahara leicht abschwächen: Die Lebensbedingungen für Stechmücken könnten hier zu extrem werden.

Doch gerade bei einem ungebremsten Klimawandel, bei dem sich die globale Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 um etwa 4,8 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zustand erhöht, wird Chikungunya auch in Südeuropa und in die USA zum großen Problem werden. „Dieses Szenario ist insofern wahrscheinlicher, als bisher keine globalen Strategien erkennbar sind, die den Klimawandel nachhaltig abschwächen würden“, warnt Forscher Beierkuhnlein. In den gemäßigten Breiten könnte die Chikungunya-Gefahr sogar noch stärker ansteigen, als sie in diesem zweiten Szenario dargestellt wird, meint er. Auch in Italien, Frankreich und Florida seien bereits Menschen mit Chikungunya infiziert worden.

Die vernachlässigten Krankheiten dürften künftig wohl also nicht mehr nur in den Tropen und Subtropen Sorgen bereiten.

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