Tokio und Hongkong fürchten zweite Virus-Welle

Eher ruhig: Am normalerweise stark frequentierten Flughafen von Tokio herrscht gähnende Leere. [Alphos/Shutterstock]

Tokio stehen neue Isolationsmaßnahmen bevor, um eine „Explosion“ von Coronavirus-Fällen zu verhindern. Unterdessen wird in Hongkong eine Ausgangssperre gefordert, um einen befürchteten „Zusammenbruch“ des Gesundheitssystems zu verhindern. In Ostasien herrscht offenbar Angst vor einer zweiten Infektionswelle. EURACTIVs Medienpartner The Guardian berichtet.

Die Gouverneurin von Tokio hat die Einwohner ihrer Stadt gebeten, an diesem Wochenende „um jeden Preis“ zu Hause zu bleiben, um eine „Explosion“ der Neuinfektionen mit COVID-19 zu vermeiden, nachdem die Zahl der Fälle vor Ort wieder angestiegen ist. Yuriko Koike bezeichnete die Situation als „ernst“, forderte aber nicht die Art von Bewegungseinschränkungen, wie sie aktuell in anderen Ländern, insbesondere in Europa, gelten.

Weltweit sind die Infektionen inzwischen auf über 463.000 und die Zahl der Todesfälle auf mehr als 21.000 gestiegen.

Am Donnerstagmorgen teilte eine Expertengruppe der japanischen Regierung mit, man befürchte, dass Coronavirusinfektionen im Land nun „grassieren“ könnten. Dies löste neue Spekulationen aus, die Regierung könne die Freizügigkeitsbeschränkungen verstärken und verschärftes „Social Distancing“ fordern.

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Ähnliche Bedenken gab es auch in Hongkong, wo ein Gesundheitsexperte warnte, das öffentliche Gesundheitssystem könnte zusammenbrechen, wenn die Regierung keine Maßnahmen zur strikteren Abgrenzung zwischen den Menschen ergreift.

Ho Pak-Leung, ein Experte für Infektionskrankheiten an der Universität Hongkong, sagte im Lokalradio, dass es „ernste Konsequenzen“ geben könne, wenn Hongkong keine Ausgangssperre oder andere Beschränkungen einführe.

Hongkong war bei der Verhinderung einer Epidemie bisher weitgehend erfolgreich. In den vergangenen Tagen und Wochen kam es aber zu einem Anstieg der Infektionen, vor allem unter zurückkehrenden Reisenden. Ausländern ist die Einreise nach Hongkong aktuell verboten; alle anderen Ankommenden müssen sich 14 Tage lang in Quarantäne begeben.

Geschäfte, Restaurants und Bars bleiben vorerst jedoch geöffnet.

Ho forderte, die Regierung sollte nun effektiv handeln und „keine einmaligen Maßnahmen nach dem Schritt-für-Schritt-Prinzip durchführen“.

Regierung in Hongkong bereit zum Handeln

Lam Ching-choi, Mitglied des Exekutivrats von Hongkong, sagte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender RTHK, die Regierung erwäge jetzt, die Anzahl der Personen, die sich in der Öffentlichkeit treffen dürfen, zu beschränken. Lam erklärte weiter, man könne auch Versammlungen zu bestimmten Tageszeiten untersagen.

Regierungschefin Carrie Lam betonte in einer Erklärung am Mittwochabend ebenfalls: „Wir gehen davon aus, dass eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern Hongkongs in den kommenden Wochen aufgrund der sich verschlechternden Situation in Übersee nach Hongkong zurückkehren wird und somit bestätigte Fälle unweigerlich weiter zunehmen werden“.

Die Situation werde „ernster und somit auch schwieriger zu handhaben sein als in den vergangenen zwei Monaten“. Es könne nun zu „großflächigen und kontinuierlichen Ausbrüchen“ in der chinesischen Sonderverwaltungszone kommen.

Lam sagte daher: „Dies ist ein kritischer Moment im Kampf gegen die Krankheit und auch ein Moment, um die Widerstandsfähigkeit der Menschen in Hongkong angesichts der Epidemie unter Beweis zu stellen.“

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In Japan posteten einige Social-Media-User nach Koikes Ansprache am Mittwochabend bereits Fotos von leeren Supermarktregalen. Auch in anderen Läden schienen einige Produkte wie Pasta, Reis, Instantnudeln und Toilettenpapier sehr begehrt zu sein.

Die 13-Millionen-Metropole Tokio meldete gestern 41 neu bestätigte COVID-19-Fälle. Diese für aktuelle europäische Verhältnisse recht gering erscheinende Zahl ist der höchste Anstieg in 24 Stunden bisher. Am Tag zuvor waren lediglich halb so viele neue Fälle registriert worden.

Mit aktuell 212 bestätigten Infektionen hat die Hauptstadt die nördliche Region Hokkaido überholt, die zuvor die am stärksten betroffene der insgesamt 47 japanischen Präfekturen war.

Bisher wenig strikte Maßnahmen

Koike rief die Einwohner Tokios dazu auf, von zu Hause zu arbeiten und Restaurants zu meiden. Großveranstaltungen sollten mindestens bis zum 12. April abgesagt werden, fügte sie hinzu.

„In dieser Woche mehren sich die Befürchtungen, dass es zu einer Explosion von Infektionen kommen könnte,“ warnte sie und fügte hinzu, man müsse auch strengere Maßnahmen in Betracht ziehen, wenn der aktuelle Anstieg nicht eingedämmt werden könne.

Bisher haben sich in ganz Japan 1.307 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, wobei 45 Todesfälle auf die Erkrankung COVID-19 zurückzuführen sind, so der öffentlich-rechtliche Sender NHK.

Nicht enthalten in diesen Zahlen sind die 712 bestätigten Fälle und zehn Toten an Bord des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess, das im vergangenen Monat in Yokohama unter Quarantäne gestellt wurde.

Das japanische Außenministerium hat die Bevölkerung inzwischen „dringend“ aufgefordert, alle nicht unbedingt notwendigen Auslandsreisen zu unterlassen.

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