Tausende .eu-Domains von britischen Usern „suspendiert“

Die Website Leave.eu von Brexit-Befürwortern ist wohl der prominenteste Fall. [Shutterstock]

Über 80.000 Internet-Domainnamen, die britischen Inhabern zugewiesen sind, wurden von der EU-Registrierungsstelle EURid nach dem Ende der Brexit-Übergangszeit zum Jahresende 2020 in ihren Funktionen eingeschränkt.

Die Registrierungsstelle teilte gegenüber EURACTIV.com mit, dass „wenige Minuten“ nach dem Jahreswechsel diejenigen .eu-Domains, die britischen Nutzern gehören, auf einen sogenannten „suspendierten“ Status heruntergestuft wurden.

Das bedeutet, dass solche Domains „keine funktionalen Eigenschaften“ wie E-Mail oder grundlegende Website-Dienste mehr bieten. Darüber hinaus kann kein im Vereinigten Königreich ansässiger Anmelder mehr neue .eu-Domains erhalten/erwerben.

Ein Fall dürfte die Aufmerksamkeit von Beobachtern besonders auf sich ziehen: die Domain Leave.EU, über deren zukünftigen Fortbestand im Netz bereits eifrig spekuliert wurde.

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Leave.EU ist die Website der Pro-Brexit-Lobbygruppe, die vom UKIP-Gründer Arron Banks finanziert und unter anderem vom Ex-Europaabgeordneten Nigel Farage unterstützt wird.

Bis zum Ende des Jahres 2020 galt es als ungewiss, ob Leave.EU seinen EU-Domainnamen aufgeben und stattdessen einen britischen oder internationalen Namen wählen würde. Ein solcher Schritt hätte sich jedoch nicht nur auf die Marke „Leave.EU“ ausgewirkt, sondern auch auf das Ranking der Website in den Online-Suchergebnissen.

EURACTIV-Recherchen zeigen nun jedoch, dass die Organisation ihre Registrierungsadresse schon vor dem Ende der Übergangszeit auf einen Standort in Waterford im EU-Mitgliedsland Irland verlegt hat. Es ist gut denkbar, dass dieser Schritt sowohl von Fans als auch von Kritikern der Gruppe als heuchlerisch angesehen wird.

Übergangsphase bis Ende März

Unabhängig von diesem prominenten Fall hat EURid mitgeteilt, dass alle britischen Domaininhaber mit .eu-Domains über die Aussetzung wichtiger Funktionalitäten ihrer Online-Dienste informiert wurden.

Die Registrierungsstelle habe außerdem bereits eine „Flut“ an Nachrichten von in Großbritannien ansässigen Registranten mit .eu-Domains erhalten. Diese beantragten Änderungen ihrer rechtlichen Niederlassung auf einen Standort außerhalb des Vereinigten Königreichts und in der EU, um den Status „registriert“ wiederherzustellen, damit die Online-Dienste weiterhin funktionieren.

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Der aktuelle Aussetzungsstatus bleibt bis zum 31. März 2021 gültig. Während dieses Zeitraums können Aktualisierungen der Adressen von Inhabern vorgenommen werden, die von einer Niederlassung im Vereinigten Königreich zu einer in der EU wechseln.

Alternativ kann der einzelne Inhaber unabhängig von seinem Wohnsitz die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes nachweisen. In solchen Fällen darf die Niederlassung des Dienstes dann auch im Vereinigten Königreich verbleiben.

Diese jüngste Entwicklung hat sich schon seit langem abgezeichnet: EURACTIV.com hatte bereits Anfang 2019 berichtet, die EU-Kommission plane, alle im Vereinigten Königreich ansässigen .eu-Domains kurz nach dem Ende der Brexit-Übergangszeit zu deaktivieren.

Schon damals hieß es, man wolle alle entsprechenden Websites innerhalb von 48 Stunden nach der Übergangsphase offline stellen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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