Syrien: womöglich schwerste Gefechte seit Beginn des Krieges

Die Kämpfe in Douma in Ost-Ghouta im März zählten zu den schwersten im syrischen Bürgerkrieg. Nun kündigen sich noch schwerere Kämpfe in der Provinz Deraa im Südwesten des Landes an. [Mohammed Badra/ epa]

In Syrien fliegen Regierungstruppen intensive Luftangriffe. Die Kämpfe mit Rebellengruppen könnten zu den schlimmsten seit Beginn des Bürgerkriegs vor sieben Jahren werden.

Sollte sich die Offensive der Regierungstruppen auf Rebellengebiete im Südwesten des Landes zu einer regelrechten Schlacht ausweiten, könnte sie Ausmaße bekommen wie die Kämpfe von Aleppo und Ost-Ghuta zusammen, sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura am Mittwoch. Mit Großoffensiven auf Aleppo und Ost-Ghuta hatten syrische Regierungstruppen die einstigen Rebellenhochburgen unter ihre Kontrolle gebracht. Jetzt nehmen sie verstärkt den Südwesten des Landes ins Visier.

Nach jüngsten Luftangriffen mussten dort drei Krankenhäuser ihren Betrieb einstellen, wie eine Hilfsorganisation mitteilte. Opferzahlen lagen zunächst nicht vor. Die syrische Regierung hat wiederholt dementiert, medizinische Einrichtungen absichtlich anzugreifen.

Frankreich droht Assad mit Militärschlag

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat der syrischen Regierung für den Fall eines neuerlichen Chemiewaffen-Einsatzes mit Angriffen gedroht.

Solche Gefechte drohten zaghafte Schritte zur Einrichtung eines Verfassungskomitees zunichte zu machen. Auch könnten die Spannungen mit Israel zunehmen. Die an die von Israel besetzten Golanhöhen grenzende Region im Südwesten ist neben der Provinz Idlib nahe der Türkei die einzige verbliebene Rebellenhochburg in Syrien. Deraa, die größte Stadt im Südwesten, war schon früh ein Zentrum des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad. Unterstützt von seinem Verbündeten Russland wagt er die Offensive auf das Kernland seiner Gegner aus einer Position der Stärke heraus, die im gesamten Bürgerkrieg noch nie so groß war.

Seit gut einer Woche versuchen regierungstreue Einheiten verstärkt, die Kontrolle über das Gebiet zu gewinnen. Seitdem seien etwa 47 Zivilisten getötet worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Den UN zufolge trieben die Kämpfe 45.000 Menschen in die Flucht. Die USA schätzen diese Zahl sogar auf 70.000.

Die Regierung in Washington hatte Assad unlängst vor einem Militäreinsatz in dem Gebiet gewarnt, wo eine von den USA und Russland vermittelte Waffenruhe zunächst für eine Eindämmung der Kämpfe gesorgt hatte. Dennoch zeichnen sich bisher keine Bemühungen der USA ab, Assad bei seinem Vorstoß zu stoppen.

Putin und Assad wollen politische Neuordnung in Syrien

Russlands Präsident Wladimir Putin treibt eine politische Neuordnung in Syrien voran, nachdem die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) weitgehend zurückgedrängt wurde.

Vorerst keine weiteren Sanktionen gegen Syrien

Die EU Außenminister fordern von Russland einen diplomatischen Beitrag zur Krisenlösung in Syrien.

Trump in Syrien auf Eskalationskurs

US-Präsident Trump hat einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt. Eine direkte Konfrontation mit Russland steht damit im Raum.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.