Subsahara-Afrika: Indexversicherungen gegen den Klimawandel

In der Region Cascades in Burkina Faso - einem Gebiet, das anfällig für Trockenheit ist - gibt es viele Reisfelder. [Sviluppo/Shutterstock]

Seit Ende der 2000er Jahre hat es in Subsahara-Afrika vermehrt Projekte zur Entwicklung von sogenannten Indexversicherungen gegeben, die auf Wetterindizes wie Niederschlag oder Temperatur basieren. Sie sollen den Landwirten helfen, mit den Auswirkungen des Klimawandels fertig zu werden, bevor es überhaupt zu Dürren kommt. EURACTIV.fr berichtet.

Die Maßnahmen sollen Landwirte vor den Auswirkungen ungünstiger klimatischer Bedingungen schützen, indem sie ihnen eine Entschädigung zahlen, bevor dieses Risiko tatsächlich eintritt. Somit sind sie keine klassischen Versicherungen, bei denen die Entschädigung auf der Grundlage der gemeldeten Ernteausfälle festgelegt wird.

Indexversicherungen werden als direkte Antwort auf den Klimawandel präsentiert, der sich in Subsahara-Afrika besonders in der Häufung von Dürren manifestiert.

Außerdem haben diese Ernteversicherungen den Vorteil, dass sie relativ billig und damit für die Kleinbauern, die in den Ländern der Region die Mehrheit unter den Landwirten ausmachen, leichter zugänglich sind.

Afrikanische Kleinbauern in absoluter Notlage

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Erleichterter Zugang zu Krediten

Derzeit leitet die Weltbank Dutzende Projekte in zwanzig Ländern, um diese Art von Versicherungen weiterzuentwickeln. In Westafrika werden die Initiativen durch das PlaNet Guarantee-Netzwerk in vier Ländern koordiniert: Benin, Burkina Faso, Mali und Senegal.

Das Netzwerk ist für die Entwicklung von Indexversicherungsprodukten zuständig, die dann an private Akteure, insbesondere Mikrofinanz-Institutionen, verkauft werden.

Aus Sicht von Anne Durez, Marketingleiterin bei PlaNet Guarantee, verfolgt die Indexversicherung ein doppeltes Ziel: „Die Einkommen der Landwirte zu stabilisieren und ihnen die weitere Finanzierung ihrer Aktivitäten zu ermöglichen.“

„Indexversicherungen sind eine Garantie für Mikrofinanz-Institutionen,“ erklärte sie auf einem Seminar über Risikomanagement in der Landwirtschaft. „Diese Institutionen können dann mehr Geld verleihen, damit die Landwirte wiederum mehr investieren und dadurch die Erträge steigern.“

In Kenia wird diese Ertragssteigerung in der Maisernte auf rund 10 Prozent geschätzt, was einem zusätzlichen Ertrag von 37 Dollar pro Acre (ca. 0,4 Hektar) Anbaufläche entspricht.

Zögern sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite

Trotz solcher ermutigender Ergebnisse stoßen Indexversicherungen bei Landwirten und Mikrofinanzorganisationen bisher eher auf Skepsis bis Widerstand.

Antoine Leblois, Forscher am INRA (dem französischen Institut für Agrarwissenschaften), sieht auf Seiten der Landwirte ein „mangelndes Verständnis und Vertrauen in dieses Versicherungssystem“. Er fasst zusammen: „Die Bauern sehen die Notwendigkeit einer Versicherung schlicht nicht.“

Währenddessen ist das Zögern von Seiten der Versicherer auf die „Ungenauigkeit der Indizes“ zurückzuführen, da diese nicht direkt an die landwirtschaftlichen Erträge gekoppelt sind. So können die Indizes auf Dürreperioden hinweisen und Zahlungen rechtfertigen, ohne dass ein echter Verlust zu beobachten ist.

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Ein vom Klimawandel bedrohtes System

Paradoxerweise ist der Klimawandel zwar der Urpsrung und Grund für diese Art der Versicherung, aber er könnte auch ihr Überleben gefährden, wenn er zu einem höheren Wiederauftreten von Dürren und damit zu vermehrten Zahlungen an die Landwirte führt.

„Die Rentabilität dieser Versicherungen muss jedes Jahr neu berechnet werden. Mit dem erhöhten Risiko von Dürren dürften auch die Preise steigen. Und das wiederum würde den Zugang zu einer solchen Versicherung für einen Großteil der Bevölkerung erschweren,“ fürchtet auch Anne Durez.

Als Lösung schlägt sie eine „Vergemeinschaftung“ der Indexversicherungen in betroffenen Regionen vor. Mit diesem System würden diejenigen Landwirte, die nicht von Dürre betroffen sind, für diejenigen zahlen, die es sind.

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