Studie: Vertrauen in die NATO sinkt

Grundsätzlich beliebt, aber mit immer schlechterem Image: die NATO. [EPA/MAURIZIO GAMBARINI]

Das Image der NATO hat sich in Frankreich, Deutschland und den USA deutlich verschlechtert. Das zeigte eine neue Studie des Pew Research Center, die am Montag vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr hatten US-Präsident Donald Trump und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron den Wert des transatlantischen Bündnisses in Frage gestellt.

Grundsätzlich wird die NATO in Europa nach wie vor weitgehend positiv gesehen. Es zeigt sich aber immer mehr Zurückhaltung, wenn es um die Erfüllung von Verpflichtungen geht, die mit der gemeinsamen Verteidigung einhergehen.

Insgesamt ergab die Studie, dass 53 Prozent der Menschen in 16 NATO-Mitgliedsstaaten eine positive Meinung über das Bündnis haben, während weniger als ein Drittel eine negative Meinung äußerte.

Dem Bericht zufolge wird die NATO in Polen am positivsten gesehen; in der Türkei ist sie am unbeliebtesten.

NATO-Treffen in London: Familienfeier mit Familienfehde?

Die NATO-Führungskräfte treffen sich diese Woche in London, um das siebzigjährige Bestehen des Bündnisses zu begehen und dabei zu versuchen, die zunehmenden Risse innerhalb des Militärbündnisses zu kitten.

Doch insbesondere in Frankreich und Deutschland ist das Vertrauen in das westliche Militärbündnis offenbar rapide gesunken: Demnach haben aktuell noch 57 Prozent der deutschen BürgerInnen ein gutes Bild von der NATO. Das sind fast 20 Prozentpunkte weniger als in den späten 2000er-Jahren, so das Pew Research Center.

Im gleichen Zeitraum ging in Frankreich die NATO-Zustimmung von 71 Prozent im Jahr 2009 auf jetzt 49 Prozent zurück. Präsident Emmanuel Macron hatte im vergangenen Jahr kritisiert, das Bündnis sei „hirntot“ und könne in seiner derzeitigen Verfassung nicht zur Lösung von globalen Konflikten beitragen.

Keine Lust auf Verteidigung der Partner

Trotz der weitgehend positiven Bewertungen unter den Mitgliedstaaten gibt es offenbar eine weit verbreitete Abneigung gegen die Erfüllung der in Artikel 5 des NATO-Vertrags festgelegten Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung.

Während die meisten NATO-Länder darauf vertrauen, dass die USA im Falle eines Angriffs (beispielsweise durch Russland) zu ihrer Verteidigung eilen würden, wären im Gegenzug nur wenige bereit, sich dafür zu revanchieren: Die Frage, ob ihr Land einem anderen NATO-Verbündeten gegen einen potenziellen Angriff Russlands beispringen sollte, verneinten im Durchschnitt 50 Prozent der Befragten in den 16 NATO-Mitgliedstaaten.

Lediglich 38 Prozent waren der Ansicht, ihr Land sollte einem Verbündeten gegen einen russischen Angriff militärisch den Rücken stärken.

Insgesamt erklärte nur in fünf der Länder – USA, Niederlande, Kanada, Vereinigtes Königreich und Litauen – die Mehrheit der Befragten, ihr Land solle zur Verteidigung eines Verbündeten gegebenenfalls Gewalt anwenden.

Trump: Niemand braucht die NATO so sehr wie Frankreich

US-Präsident Donald Trump scheint seine Meinung geändert zu haben: Nachdem er die NATO zuvor als „obsolet“ bezeichnet hatte, verteidigt er sie nun gegen Emmanuel Macrons „Hirntod“-Aussagen.

In den beiden europäischen Ländern mit dem stärksten Vertrauensverlust in die NATO würden sich demnach auch nur 34 Prozent der deutschen und 41 Prozent der französischen Bevölkerung eine militärische Intervention ihres Landes wünschen, wenn ein anderes NATO-Mitglied angegriffen würde. Stattdessen würden 63 Prozent der Bundesbürger und 57 Prozent der Franzosen in einem solchen Szenario eher ein Eingreifen von US-Truppen wünschen.

„Die Überzeugung, dass ihr Land auf einen hypothetischen russischen Angriff auf einen NATO-Verbündeten reagieren sollte, ist in einer handvoll Ländern im Laufe der Zeit seltener geworden,“ fasste das Forschungszentrum zusammen.

Grundsätzlich zeigen die Deutschen besonders wenig Zustimmung für „militärische Gewalt zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt“. 47 Prozent der befragten BürgerInnen gaben an, dass dies manchmal notwendig sein könnte – viel weniger als in Frankreich (64 Prozent), dem Vereinigten Königreich (71 Prozent) und den USA (78 Prozent).

„Schaden“ durch Macron und Trump?

Die Ergebnisse der Studie kommen nach einem turbulenten Jahr 2019, in dem insbesondere Frankreichs Präsident Macron heftige Kritik an der NATO übte und damit einmal mehr einen Streit mit US-Präsident Donald Trump vom Zaun brach – der seinerseits des Öfteren die nicht ausreichenden Beitragszahlungen der europäischen Staaten bemängelt und mit Konsequenzen droht.

Macron hatte im Nachhinein seine „Hirntod“-Bemerkungen als notwendigen Weckruf für die Verbündeten verteidigt, die sich seiner Meinung nach zu sehr auf die Verteidigungsausgaben und andere interne Fragen konzentrierten, statt auf die Beziehungen zu Russland, die Aktionen des NATO-Mitglieds Türkei in Syrien, und die Lage im Nahen Osten im Allgemeinen.

Emmanuel Macron, das Enfant terrible der NATO

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Internationale NATO-Diplomaten befürchten derweil bereits seit längerem, dass Trumps Darstellung der NATO als ein „Bündnis in der Krise“ die öffentliche Unterstützung für das Bündnis in den USA untergraben könnte. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 hat Trump den Bündnispartnern immer wieder vorgeworfen, zu wenig für die Verteidigung auszugeben, und 2018 sogar offen damit gedroht, die USA aussteigen zu lassen.

Die positiven Ansichten über die NATO sind in den USA im vergangenen Jahr tatsächlich auf 52 Prozent gesunken, gegenüber 64 Prozent im Jahr 2018, so die Studie.

Ein umgekehrtere Trend zeigt sich indes im Vereinigten Königreich nach dem Brexit. Dort scheint die NATO nach der Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen, eine größere symbolische Bedeutung erlangt zu haben: Nach 62 Prozent im Jahr 2017 sagten nun 65 Prozent der britischen Befragten, sie hätten ein positives Bild von der NATO.

[Bearbeitet von Sam Morgan und Tim Steins]

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